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StartseiteFirmenporträtMit "Drummel" auf Platz Eins13.07.2018

Schüler gründen FirmenMit "Drummel" auf Platz Eins

Sommer-Serie: Start-up im Klassenzimmer (1/1)

Schüler sein und Firmengründer zugleich? Mit Unterstützung des arbeitgebernahen Instituts der Wirtschaft gibt es das als Projekt an einigen Schulen. Mit bundesweitem Wettbewerb, den dieses Jahr ein Schüler-Start-up aus Werne gewonnen hat. Und auf welches Produkt setzt die Generation Smartphone? Ein Buch!

Von Klaus Deuse

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Kinderbuch "Dot.Drummel" - Start-up einer Schülergruppe (IW JUNIOR/Michael Heck)
Kinderbuch "Dot.Drummel" - Start-up einer Schülergruppe (IW JUNIOR/Michael Heck)
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Junge Unternehmensgründer Teenager als Firmenchef

Nur noch wenige Tage bis zum Beginn der Sommerferien. Eigentlich könnten es auch die 19 Schüler des elften Jahrgangs des St.-Christopherus-Gymnasiums in Werne am grünen Rand des Ruhrgebiets entspannter angehen lassen. Als Schüler, nicht aber als Jungunternehmer. Denn mit ihrer Schülerfirma "dot.Drummel on tour" vertreten sie am 16. Juli als Bundessieger Deutschland beim Europafinale in Belgrad.

Und darum feilen sie noch an der Präsentation ihres Produkts auf internationaler Ebene. Ein Produkt, das für Angehörige der digitalen Generation auf den ersten Blick so ziemlich aus dem Rahmen fällt. Und zwar ein 116-seitiges Buch, zugeschnitten auf Kinder im Grundschulalter. Aber auch in digitalen Zeiten kann man mit einem Buch Erfolg haben, zeigt sich die 17-jährige Anna Kuhne überzeugt.

"Natürlich wachsen wir alle heutzutage in dieser Generation mit Handy, Tablet, Social Media und alles auf. Aber in gewisser Weise merkt man auch: So ein Buch ist eben auch was Zeitloses."

Ein Buch? Tatsächlich ein Buch

Selbstverständlich habe man anfangs intensiv darüber diskutiert, in welches Projekt man als Jungunternehmer die 900 Euro Startkapital investieren solle, ergänzt Leon Burkhardsmaier. Doch dann sei man sich schnell einig geworden: Wir machen ein Kinderbuch. Und zwar zum Thema Europa, das bei allen aktuellen Problemen viele Chancen bietet, betont Felix Krass.

"Und deswegen wollen wir als junge Generation dafür kämpfen. Und deshalb haben wir dieses Buch verfasst, um diesen Gedanken an die Generation nach uns weiterzugeben."

Fehlte nur noch eine Titelfigur, die Kinder gerne mögen. Heraus kam kein Super-, sondern eine Art Antiheld: ein knuffiges blaues Wesen namens Drummel. Drummel stammt übrigens aus dem Schwedischen und bedeutet Tollpatsch, der wie jedes Kind viel zu lernen hat, begründet die blonde Anna Kuhne mit ernstem Blick durch die dunkle, moderne Großrandbrille.

"Man kennt es ja, dass sich Kinder heutzutage als Vorbilder irgendwelche Helden nehmen. Aber wir fanden auch, dass so ein tollpatschiges Wesen viel erleben kann. Und wenn Drummel das kann, dann kann es auch irgendwie jedes Kind."

Der Held: blau, knuffig, tollpatschig

Um Menschen und Kulturen in diesem Europa kennenzulernen, geht Drummel auf Reise in verschiedene Länder. Macht auf der Suche nach seinem Bruder Station in London, Rom, Paris, Madrid, Stockholm, Warschau und Brüssel und lernt immer etwas dazu. Nun braucht eine 19-köpfige Schülerfirma, die ein Buch auf den Markt bringen will, nicht nur  wortgewandte Autoren. Darum, sagt Leon Burkhardsmaier, hat man schon bei der Unternehmensgründung verschiedene Gremien gebildet.

"Fünf Leute waren zum Beispiel für das Schreiben des Buches zuständig, weitere drei für die Bilder und Illustrationen in dem Buch. Dann gab es Leute, die für Finanzen, Verwaltung zuständig waren. Und für Marketing."

Ratschläge, wie man einen Text für Leser ansprechend schreibt, holte sich das Autorenteam bei Schriftsteller Heinrich Peuckmann. Dann lasen sich die Illustratoren diese Texte durch und suchten nach den Worten von Amelie Mitrenga dazu passende Motive:

"Und dann haben wir uns markante Punkte ausgesucht. Also  wichtige Sehenswürdigkeiten wie z.B. in Paris den Eiffelturm. Und dann haben wir angefangen, Skizzen zu machen. Das heißt: das mussten wir noch ein bisschen kombinieren, dieses noch weiter mit dem PC bearbeiten. Das heißt, die Farben noch etwas aufbessern, die Farben noch einfügen. Somit hat man dadurch noch eine zusätzliche Kompetenz erworben."

Schülerfirma mit Doppelspitze

Wenn Wort, Illustration und Marketing zusammen passen sollen, dann muss das unternehmensinterne Management stimmen. Bei dot.Drummel on tour aus dem Hause St.-Christopherus-Gymnasium in Werne sorgte dafür eine weibliche Doppelspitze als Vorstand. Tollpatsch Drummel jedenfalls kam bei Sponsoren hervorragend an, bilanziert Felix Krass.

"Besonders stolz sind wir dann auf die Kooperation hier mit unserer Stadt Werne, wo dann auch unsere weibliche Doppelspitze dafür gesorgt hat, dass wir mit dem Bürgermeister dann eine Kooperation mit den Grundschulen herausgearbeitet haben. Dass die Grundschulen uns eben am Anfang eine große Menge Bücher abkaufen, die sie jetzt auch als Lehrmaterial  im Unterricht benutzen, im Sachkundeunterricht. So dass wir eine viel größere Auflage erzielen konnten."

Drummel auch nach Schulzeit-Ende?

Unter dem Strich hat das Schülerunternehmen bereits den Großteil der ersten Auflage von 1.000 Exemplaren zum Stückpreis von 12 Euro verkaufen können. Und es gibt bereits zahlreiche Nachfragen aus dem gesamten Bundesgebiet. Nach den Spielregeln des bundesdeutschen Wettbewerbs muss dieses erfolgreiche Jungunternehmermodell allerdings zum Schuljahresende aufgelöst werden. Den Gewinn planen die St. Christopherus-Schüler der Kinderheilstätte in Nordkirchen zu spenden.

Für Leon Burkhardtsmaier und Felix Krass muss das jedoch nicht das endgültige Ende bedeuten. Beide spielen mit dem Gedanken, als Junior-Unternehmen mit dem Tollpatsch Drummel weiterzumachen. Schließlich, so Leon Burkhardsmaier, habe man eine Menge für die eigene Zukunft gelernt.

"Wir haben natürlich Einblick in die Wirtschaft bekommen. Wie funktioniert ein Startup. Wie können wir uns Gelder besorgen, um die Idee, die am Anfang steht, wirklich umzusetzen. Man lernt steuerrechtliche Dinge. Das heißt; Junior hat ja unser Finanzamt gespielt, dass wir auch für Löhne, Sozialabgaben und Steuern bezahlen müssten. Dass wir die verkauften Produkte natürlich versteuern müssen. Auf der anderen Seite Vorsteuern. Also viel im monetären Bereich gelernt."

Den Europagedanken über Grenzen hinweg in einem Buch für Grundschulkinder zu vermitteln, damit  könnten die Gymnasiasten aus Werne nach dem Sieg auf Bundesebene auch beim Europa-Finale punkten. Denn in Belgrad gehen sie mit Übersetzungen ins Englische, Französische und Spanische an den Start.

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