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StartseiteInformationen am MorgenGreta will mehr17.12.2018

Schwedische KlimaaktivistinGreta will mehr

Sie hat mit ihrer Rede die Weltklimakonferenz wachgerüttelt: die 15 Jahre alte Schwedin Greta Thunberg. Seit dem Sommer schwänzt sie freitags die Schule, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Was sagt sie zu den Ergebnissen in Kattowitz?

Von Björn Dake

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Die schwedische Schülerin Greta Thunberg während des Klimagipfels in Kattowitz (dpa / MAXPPP / Franck Dubray)
Es sei viel geredet worden. Die Wirkung sei klein, sagte Greta Thunberg anlässlich des Klimagipfels in Kattowitz (dpa / MAXPPP / Franck Dubray)
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Greta Thunberg steht hinter einem Pult, auf der großen Bühne der Weltklimakonferenz in Kattowitz. Mit ihren langen Zöpfen erinnert die 15-jährige Schwedin an Pippi Langstrumpf. Etwas nervös wandern ihre Augen durch den Saal. Selbstsicher dagegen ihre Abrechnung mit den anwesenden Politikern. Sie wirft ihnen vor, nicht genug für den Klimaschutz zu tun – aus Angst davor, sich unbeliebt zu machen.

"Ihr seid nicht erwachsen genug, um zu sagen, wie es ist. Selbst diese Bürde überlasst ihr uns Kindern. Aber mir ist es egal, ob ich beliebt bin. Ich will Klima-Gerechtigkeit und einen lebenswerten Planeten."

Eine Frage der Gerechtigkeit

Gut drei Minuten geht das so. Das Video der Rede wurde mittlerweile tausendfach in den sozialen Netzwerken geteilt. Schwedische Medien nennen die Schülerin den "Superstar" der Klimakonferenz und vergleichen sie mit der französischen Nationalheldin Jeanne d’Arc. Greta sieht ihren Kampf für mehr Klimaschutz als eine Frage der Gerechtigkeit.

"Wir können die Krise nicht lösen, wenn wir sie nicht als solche behandeln. Die fossilen Brennstoffe müssen im Boden bleiben! Und wir müssen uns auf Gerechtigkeit konzentrieren. Wenn Lösungen in diesem System so schwer sind, dann sollten wir vielleicht das System ändern."

In ihrem Twitter-Profil schreibt Greta, dass sie das Asperger-Syndrom hat. Das ist eine Form von Autismus.

Seit sie acht Jahre alt ist, beschäftigt sich Greta mit dem Klimaschutz. Mittlerweile isst sie kein Fleisch mehr und keine Milchprodukte und verzichtet aufs Fliegen. Wie ihre Mutter. Die bekannte Opernsängerin fördert den "Flygskam"-Trend. Dessen Anhänger schämen sich fürs Fliegen. Zur Weltklimakonferenz nach Polen ist Greta mit ihrem Vater gekommen, in einem Elektroauto.

In schwedischen Medien wird spekuliert, dass nicht nur die Eltern Gretas Initiative fördern, sondern ein einflussreicher PR-Manager dahinter steckt. In dessen neu gegründeter Klimaschutz-Stiftung ist die 15-Jährige Beraterin.

Freitags zur Demo stattt zur Schule

Die Schülerin freut sich über die Aufmerksamkeit, die ihre Rede bei der Weltklimakonferenz erregt hat. Doch ihr Fazit des Treffens in Kattowitz fällt knapp aus. Dem schwedischen Radio sagte sie: Es sei viel geredet worden. Die Wirkung sei klein.

Auf Twitter schreibt sie: "Sobald Politiker, Medien und unsere Gesellschaft die Klimakrise als Krise behandeln, brauchen wir solche Konferenzen nicht mehr. Dann werden wir unsere Zeit dafür nutzen, Emissionen zu senken und unsere Gesellschaft nachhaltig zu machen."

Dafür will Greta weiter kämpfen. Seit vier Monaten schwänzt sie jeden Freitag die Schule, um vor dem schwedischen Reichstag zu demonstrieren. Mittlerweile haben sich Zehntausende Schüler weltweit angeschlossen – auch in Deutschland.

Gretas Schulstreik soll weiter gehen, bis sich Schweden an das Klimaschutzabkommen von Paris hält - auch in den Ferien.

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