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Sexualisierte Gewalt im SportKein Kinderschutz - kein Geld vom Staat

Präventionsprogramme gegen sexualisierte Gewalt im Sport laufen in Deutschland nur schleppend an. Von der Politik und dem Deutschen Olympischen Sportbund wird nun der Druck erhöht: *Verbände bekommen nur dann Fördermittel, wenn sie ein entsprechendes Präventions-Konzept vorlegen können.

Von Andrea Schültke | 20.03.2019

Ein Mädchen umfasst ihre Knie mit ihren Armen und versteckt ihren Kopf hinter einem Stofftier. Der Hintergrund ist schwarz.
Nur die Hälfte der deutschen Vereine hätte sich bisher Gedanken über Prävention bei sexueller Gewalt gegen junge Sportlerinnen und Sportler gemacht, sagt der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung (imago/ blickwinkel/ McFoto/ M. Bergsteiger)
Johannes Wilhelm Rörig geht es zu schleppend voran. Knapp zehn Jahre nach dem Bekanntwerden des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche ist dem Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung im Sport zu wenig passiert in Sachen Kinderschutz: "Wenn 50 Prozent der Vereine in Deutschland bisher sich noch keine Gedanken über Prävention und Hilfe bei sexueller Gewalt gegen junge Sportlerinnen und Sportler gemacht haben, dann muss ich sagen, wir brauchen mehr Dynamik."
Für diese Dynamik soll auf Ebene der *Verbände jetzt Geld sorgen. Kein Kinderschutz - kein Geld vom Staat, so das Ziel. Bei der Deutschen Sportjungend gibt es bereits ein entsprechendes Programm. Das sogenannte Stufenmodell: "Das die Weitergabe von Mitteln im Bereich des Kinder- und Jugendsports daran koppelt, dass Präventionsaktivitäten getätigt werden", erläutert der dsj-Vorsitzende Jan Holze.
Fördergelder nur bei Prävention
Im Spitzensport scheint das schwieriger. Schon vor zwei Jahren haben die Verbände Post bekommen vom Deutschen Olympischen Sportbund und dem Bundesinnenministerium. Inhalt: die Vergabe von Fördergeldern wird an ein Konzept zur Prävention sexualisierter Gewalt gekoppelt. Es scheint nicht viel passiert zu sein. Jedenfalls gibt es seit einigen Tagen ein weiteres Schreiben der beiden Absender, das noch einmal deutlich macht:
"Dass die Verbände nur Mittel erhalten können, wenn sie im Bereich Prävention sexualisierter Gewalt unterwegs sind. Was ich sehr begrüße, weil das System ineinander greift. Dass sowohl der Spitzensport als auch der Kinder- und Jugendsport ein solches Präventionskonzept fordern", so Jan Holze von der dsj.
Auch Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses, begrüßt, dass die Vergabe von öffentlichen Fördergeldern an den Sport nun an zwei Grundvoraussetzungen geknüpft sein soll: "Da gehört einmal die Akzeptanz der Anti-Doping Regeln zu und dazu gehört jetzt eben auch, dass Verbände sich ganz klar verpflichten müssen, auch den Bereich sexualisierte Gewalt im Auge zu halten."
Bereits in diesem Jahr soll das Fördervoraussetzung sein. Wann genau, ist aber noch unklar.
(*Anm.d.Red.: Die Unterscheidung zwischen Verein und Verband war in der Onlinefassung ungenau. Das haben wir geändert.)