Dienstag, 31. Januar 2023

Rekordskifahrerin Mikaela Shiffrin
Die Freude am perfekten Schwung

Mikaela Shiffrin ist auf dem Weg, bester Skiprofi der Geschichte zu werden. Bei der Zahl der Weltcupsiege hat die US-Amerikanerin nur noch Ingemar Stenmark vor sich. Ihren Karrieretiefpunkt bei Olympia in Peking hat Shiffrin überwunden, selbst die Marke von 100 Siegen scheint erreichbar.

Bernhard Krieger im Gespräch mit Matthias Friebe | 10.01.2023

Skirenn-Fahrerin Mikaela Shiffrin.
Das Bild zeigt die Amerikanerin Mikaela Shiffrin (Pierre Teyssot / AFP)
Für Lidsay Vonn ist Mikaela Shiffrin schlicht "die beste Skirennläuferin, die je gelebt hat.“ Vonns Weltcup-Rekord von 82 Siegen hat Shiffrin am vergangenen Sonntag (08.01.2023) beim Riesenslalom in Kranjska Gora eingestellt. Shiffrin ist auf dem besten Wege, die Allzeit-Bestmarke von Ingemar Stenmark (86 Siege) einzustellen.
Für Bernhard Krieger, Deutschlandfunk-Experte für den alpinen Rennsport, ist Shiffrin schon jetzt "eine Jahrhundert-Skifahrerin", nicht nur in ihrer Paradedisziplin Slalom und im Riesenslalom. Auch im Super G und in der Abfahrt gehöre sie inzwischen zur Weltspitze, so Krieger: "Mikaela Shiffrin ist die derzeit beste und kompletteste Skirennläuferin der Welt."

Pulver in Colorado, Eishang in Vermont - perfekte Grundlage

Die Grundlage dafür wurde schon früh gelegt. Von ihren Eltern Eileen und Jeff, die aus der Skihochburg Vail in Colorado stammen und ebenfalls Skirennläufer beziehungsweise Skilehrer waren, sei sie sehr früh optimal gefördert worden. Später lebten die Shiffrins zweitweise an der Ostküste, dort besuchte die junge Mikaela ein Ski-Internat in Vermont. Dieser Aufteilung habe sie ihr unglaubliches Skigefühl zu verdanken: "Im Powder, dem berühmten Pulverschnee von Colorado, hat sie das feinfühlige Fahren gelernt. Auf den Eishängen von Vermont kompromisslosen Kanten-Einsatz."
Auch der Grundstein für ihren Schwungstil, der auch bei schwierigsten Bedingungen wie aus dem Ski-Lehrbuch daherkommt, wurde schon von den Eltern gelegt, bei der Ausbildung, so Krieger. Viele im Nachwuchs legen am Anfang den Fokus darauf, möglichst schnell und viele Rennen zu fahren. Bei den Shiffrins dagegen habe das Motto früh gelautet: Hauptsache schön!

Shiffrins Stil: "Spielerisch und tänzerisch leicht"

Auch Kirk Dwyer, Direktor des Sport-Internats habe die junge Mikaela anfangs nur zu knapp einem Dutzend Rennen pro Saison geschickt - und die Zeit lieber für die Perfektionierung ihres Schwungs genutzt. Diese Freude habe sich Shiffrin bis heute erhalten, sagte Krieger: "Shiffrin startet mit dem Ziel perfekte Schwünge zu ziehen. Sie visualisiert den Lauf, hört dazu Musik - so findet sie ihren perfekten Rhythmus. Und so sehen dann ihre Läufe so spielerisch und tänzerisch leicht aus."
Neben ihrer athletischen und mentalen Stärke habe Shiffrin auf dem Weg zu ihrer Rekordmarke auch davon profitiert, dass sie bis auf einen Innenbandriss praktisch keine Verletzungen hatte.

Tod des Vaters und Peking-Debakel überwunden

Einzig der plötzliche Tod ihres Vaters, der im Jahr 2020 zu Hause bei Dacharbeiten verunglückte, habe sie aus der Bahn geworfen. Shiffrin habe sogar ans Aufhören gedacht, so Krieger.
Bei den darauffolgenden Olympischen Winterspielen in Peking 2022 blieb sie in fünf Rennen ohne Medaille - ein Debakel für die Ausnahmerennfahrerin, die aber inzwischen wieder zu alter Stärke zurückgefunden hat.

Auf der Jagd nach Stenmarks Rekord

Den Rekord von Ingemar Stenmark mit 86 Weltcup-Siegen werde sie bald brechen, glaubt auch Skisport-Experte Krieger. Mit ihren 27 Jahren sei Shiffrin immer noch jung, Skirennsport ist bis Mitte 30 und länger möglich. Und gerade in den Speed-Disziplinen komme es sehr stark auf Erfahrung an, sagte Krieger: "Ich bin sicher, dass sie sogar die magische Grenze von 100 Weltcupsiegen knacken wird."