Freitag, 12. April 2024

Beratungen im Sportausschuss
Sorge um das Gewaltproblem im Fußball

Verhärtete Fronten zwischen Polizei und gewaltbereiten Fans, vermehrte Attacken gegen Schiedsrichter auf den Amateurplätzen - das Gewaltproblem im Fußball war Thema im Sportausschuss. Doch die Suche nach Lösungen bleibt schwierig.

Von Wolf-Sören Treusch | 22.02.2024
Polizeieinsatz beim Fanmarsch von Fans von Hannover 96 vor dem Derby gegen Eintracht Braunschweig
Wenig Raum und Bereitschaft für Dialog: Polizei und Fans am Rande des Zweitligaspiels zwischen Hannover und Braunschweig (picture alliance / dpa / Moritz Frankenberg)
95 Prozent aller Gewaltvorfälle im Fußball spielten sich in den untersten Ligen des Amateurbereichs ab. Dort, wo fast ausschließlich ehrenamtlich tätige Menschen unterwegs seien: zum Beispiel Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter, erklärt DFB-Vizepräsident Ronald Zimmermann.
Der Deutsche Fußball-Bund unternehme viel, sagt er, um sein ehrenamtliches Personal vor gewalttätigen Attacken besser zu schützen. Von Fairplaytagen bis hin zu Deeskalationsschulungen. "Diese Konzepte leben. Die werden jedes Jahr erweitert, ausgetauscht, ergänzt, nachgesteuert, den Schlüssel, um das Drama zu beenden, haben wir noch nicht gefunden, aber wir bleiben dran", so Zimmermann.

Amateurvereine brauchen Unterstützung in Sicherheitsfragen

Für den Sportausschuss-Abgeordneten Christian Schreider von der SPD ist das die drängendste Frage der Zukunft: wie können die Amateurvereine in Sicherheitsfragen besser unterstützt werden?
"Weil, natürlich im Vergleich: die Profivereine haben Stadien, die sicherheitstechnisch sehr aufgerüstet sind. Aber bei den vielen kleinen Vereinen ist es natürlich sehr niederschwellig, auch von den Räumlichkeiten her, und da müssen wir insbesondere die Schiedsrichter besser schützen können, und da habe ich guter Dinge vernommen, dass der DFB da wirklich einen Fokus drauflegt."

Koordinationsstelle Fanprojekte: "Verhältnis zwischen Fans und Polizei kontinuierlich verschlechtert"

Die Innenministerkonferenz von Bund und Ländern hat bei ihrer letzten Sitzung im Dezember die Profi-Vereine und die Deutsche Fußball Liga aufgefordert, mehr gegen Gewalt vor und in den Stadien zu unternehmen.
Das sei dringend notwendig, betont auch Michael Gabriel von der Koordinationsstelle Fanprojekte bei der Deutschen Sportjugend. "Mit großer Sorge beobachten wir, dass sich seit vielen Jahren das Verhältnis zwischen Fans und Polizei kontinuierlich verschlechtert."
Ursächlich dafür seien die immer gewaltbereiteren Ultragruppierungen unter den Fans. Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Jochen Kopelke, stimmt zu: Mit ihnen sei ein Dialog unmöglich. Daher könne es auf der Suche nach gewaltbereiten Fans auch zu Unannehmlichkeiten für friedliche Fans kommen.

Gewerkschaft der Polizei: "Fanhilfe erwartet Kommunikation, kommuniziert selbst nicht"

So geschehen am vergangenen Wochenende, als Hunderte Fußballanhänger stundenlang in einem Regionalzug in Hamburg-Bergedorf ausharren mussten, weil ein Großaufgebot der Polizei im Zug nach Gewalttätern suchte. "Man hat auch in dem Einsatz jetzt in Bergedorf gesehen, dass nicht alle die polizeilichen Maßnahmen über sich ergehen lassen mussten. Vor Ort wird kommuniziert, die Gerichte sagen: Polizei muss kommunizieren, wir halten uns daran, insofern ist nach wie vor irritierend, dass die Fanhilfe viel mehr Kommunikation erwartet, aber selbst nicht kommuniziert."
Der Dachverband der Fanhilfen hat die immer wiederkehrenden, nach seinen Worten unverhältnismäßigen und gewalttätigen Polizeieinsätze gegen Fußballfans kritisiert. Ein Spannungsfeld, das den Profifußball weiter begleiten wird. Einfache Lösungen: Fehlanzeige.