Donnerstag, 11. August 2022

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Sierra Leone
Wittener Studenteninitiative hilft Ebola-Kranken

Im Sommer waren drei Medizinstudenten aus Witten für ein vierwöchiges Praktikum in einem Krankenhaus in Sierra Leone - dann brach Ebola aus. Gemeinsam bauten sie mithilfe niederländischer Ärzte eine Isolierstation für Infizierte. Jetzt sind sie wieder an der Uni, versuchen aber die Klinik von Deutschland aus weiter zu unterstützen.

Von Annika Zeitler | 28.10.2014

    Ein kleines Mädchen sitzt vor einem Haus auf dem Boden. Sie könnte mit Ebola infiziert sein.
    Neben der aktuellen Spendenaktion planen die Medizinstudenten aber auch eine studentische Initiative, damit es langfristig und nach Ebola eine Zusammenarbeit mit der Klinik in Sierra Leone und der Universität Witten/Herdecke geben kann. (AFP / Florian Plaucheur)
    "Der aktuelle Stand ist, dass soweit wir wissen keine Ebola Patienten auf unserer Station dort im Krankenhaus sind im Moment. Es ist absolut besorgniserregend. Wir sehen im Moment noch keine großartigen Fortschritte in der Bekämpfung von Ebola. Es kommt sehr, sehr schleppend in Gang die internationale Hilfe und aufgrund der unglaublich ausgedehnten Infektionszahlen mittlerweile ist es auch unglaublich schwer das weiterhin einzudämmen. Also, es muss wirklich massiv internationale Hilfe erfolgen."
    Informationen kommen nur scheibchenweise an
    Simon Scheiblhuber und Nicolas Aschoff telefonieren regelmäßig mit den Angestellten in der Klinik in Makeni. Die beiden Medizinstudenten sind zwar schon seit drei Monaten wieder zurück aus Sierra Leone, aber das Thema Ebola lässt sie nicht los. Die Verbindung über Skype ist schlecht und die Informationen kommen nur scheibchenweise an. Doch, was sie wissen: Im Moment wird ihre Isolierstation, die sie im Sommer gemeinsam mit einem weiteren Kommilitonen und Ärzten aus den Niederlanden aufgebaut haben nicht für Ebola-Patienten genutzt. Die Klinik ist im Umbau.
    "Die Regierung zahlt den Ausbau, aber in der Vergangenheit ist einfach beobachten gewesen, was die Regierung anfängt, das bringt sie leider selten zu Ende."
    Zahl der Ebola-Fälle auf 3.900 gestiegen
    Fünf bis sechs Wochen soll der Umbau dauern und bis dahin kann die Klinik keine Ebola-Patienten aufnehmen, obwohl das dringend notwendig wäre. In Sierra Leone ist die Zahl der Ebola-Fälle in den vergangenen Tagen auf knapp 3.900 gestiegen. In der Klinik in Makeni sind keine internationalen Helfer mehr. Die Organisationen haben ihre Mediziner abgezogen, so auch die niederländischen Ärzten mit denen die beiden Medizinstudenten vor Ort zusammengearbeitet haben.
    "Es gibt einen Arzt aus Sierra Leone, der dort arbeitet noch, aber der ist für mehrere Kliniken parallel zuständig. Das heißt im Prinzip, wer dort wirkt, dass sind die, das ist das Personal, das sind die Krankenschwestern, Krankenpfleger."
    Rund 120 Angestellte arbeiten in der Klinik. Weil die Grenzen im Land geschlossen sind, ist die Lebensmittelversorgung in Sierra Leone schwierig. Die Klinik, die von einer Schweizer Organisation betrieben wird, ist deshalb dazu übergegangen die Gehälter in Naturalien auszuzahlen.
    "Also in Reis und Fisch, auf das die Angestellten ihre Familien versorgen können. Das ist im Moment überlebenswichtig, nicht nur für die Patienten, sondern auch tatsächlich fürs Personal bis zu den Ärzten. Es ist wirklich existenziell davon abhängig, das da gespendet wird und das ist leider unser einziger Beitrag, den wir jetzt im Moment dazu leisten können von Deutschland aus."
    Langfristige Zusammenarbeit geplant
    Neben der aktuellen Spendenaktion planen die Medizinstudenten aber auch eine studentische Initiative, damit es langfristig und nach Ebola eine Zusammenarbeit mit der Klinik in Sierra Leone und der Universität Witten/Herdecke geben kann.
    "Eine Idee wäre mit einem umgekehrten Generationenvertrag dort zu arbeiten und Personal dort vor Ort selbst im Krankenhaus auszubilden nach eigenem Curriculum und auf eigene Kosten. Das würde eine erste Generation von Sponsoren bezahlen, deren Ausbildung, die legen eine Prüfung ab, arbeiten dort, werden dafür bezahlt und zahlen einen bestimmten Teil ihres Gehalts letztlich zurück an die nächste Generation, die dort ausgebildet werden könnte."
    Genau nach diesem Modell funktioniert auch die Universität Witten/Herdecke. Ein ähnliches Projekt haben Studenten der Universität auch schon in Ruanda etabliert. Ob das auch in Sierra Leone funktioniert?
    "Problempunkt daran könnte sein, dass es sich mit der westafrikanischen Mentalität nicht vertragen könnte, dass man also diese Gedanken des heute Profitierens und morgen Zahlens vielleicht nicht etablieren kann. Dass müsste sich zeigen."
    Studenten wollen auch wieder vor Ort helfen
    Im Moment geht es den Medizinstudenten aber erst einmal darum die Menschen im Land im Kampf gegen Ebola zu unterstützen.
    "Es ist wirklich nicht einfach hier vor Ort jetzt nur Spendengelder zu sammeln und so normal dem Studienalltag nachzugehen, sondern mich zieht es und auch Nic im Grunde, uns ziehts sehr stark zurück nach Westafrika und versuchen dort alle Möglichkeiten auszuschöpfen eben noch einmal vor Ort tätig werden zu können. Wir hatten uns jetzt bei Ärzte ohne Grenzen beworben und jetzt eben beim Roten Kreuz, da hoffen wir jetzt noch auf eine Zusage."