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Startseite@mediasresVom Ende der Ära Murdoch11.10.2018

Sky-ÜbernahmeVom Ende der Ära Murdoch

Der US-Medienkonzern Fox hat seinen Anteil an Sky verkauft: Mehr als drei Viertel der Anteile des Pay-TV-Anbieters gehören jetzt dem US-Kabelnetzanbieter Comcast. Sky Pay TV und Sky News werden damit amerikanisch - und Sky-Gründer Rupert Murdoch verliert an medialem Einfluss.

Von Sandra Pfister

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Eine Fernsehkamera und ein Sky-Logo, aufgenommen bei der Vorstellung "Das neue Sky" beim Pay-TV-Sender Sky.  (dpa / Tobias Hase)
Drei Viertel der Anteile am größten Pay-TV-Anbieter Europas Sky gehören jetzt dem größten Kabelnetzanbieter der USA Comcast (dpa / Tobias Hase)
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Die Nachricht kam aus den USA: Der US-Medienkonzern Fox hat seinen 39 Prozent-Anteil an Sky an den US-amerikanischen Konzern Comcast verkauft. Comcast ist in den USA ein absolutes Schwergewicht als größter Kabelnetzanbieter und zweitgrößter Internet-Provider.

Jetzt ist die letzte Hürde genommen: Die meisten Anteilseigner von Sky haben zugeschlagen und das lukrative Kaufangebot von Comcast angenommen. Mehr als drei Viertel der Anteile des größten Pay-TV-Anbieters Europas gehören jetzt Comcast.

Vom europäischen zum amerikanischen Unternehmen

Sky Pay TV und Sky News sind dabei alles andere als die Verlierer. Die Mitarbeiter auf dem Sky-Campus im Londoner Westen sind optimistisch, allen voran ihr Vorstandsvorsitzender Jeremy Dorroch.

"Wir nehmen diese Chance an. Sich zu verändern war immer der Kern der Firmenstrategie von Sky. Wir haben uns immer wieder dem Wandel gestellt. Wir kontrollieren unser Schicksal selbst. Heute ist einer dieser Momente."

Fox und Comcast haben in einer denkwürdigen Auktion um das Bezahlfernsehen Sky geboten. Comcast bekam bei umgerechnet fast 35 Milliarden Euro den Zuschlag, musste aber noch darauf warten, dass die Anteilseigner auch wirklich verkaufen. Das ist geschehen und Sky damit nicht mehr länger ein europäisches Unternehmen, sondern ein amerikanisches.

"Vor 30 Jahren haben wir als Satellitensender angefangen. Dann kam die Digitalisierung. Als führendes Unternehmen in Europa werden wir jetzt Teil eines der größten Unternehmen auf der Welt."

Ein medialer Einschnitt

Damit geht vor allem aber auch noch eine andere Ära zu Ende. Der australische Verleger Rupert Murdoch hatte vor 30 Jahren Sky in Großbritannien aus der Taufe gehoben und das Fernsehen revolutioniert. Seitdem schwimmt der englische Fußball im Geld, die BBC erhielt mit dem Nachrichtenkanal Sky News einen ernsthaften Konkurrenten.

Rupert Murdoch im Jahr 2017 bei den U.S. Open   (dpa / AP Photo / Julio Cortez)Medienmogul Rupert Murdoch gründete 1989 das Unternehmen British Sky Broadcasting (dpa / AP Photo / Julio Cortez)

Vor allem aber erwarb sich Rupert Murdoch den Ruf eines mächtigen Medienmoguls, der in Großbritannien seit Jahrzehnten auch politisch die Strippen zieht. Rupert Murdoch gebietet aber ab sofort über keinen Fernsehkanal mehr in Großbritannien. Es ist ein medialer Einschnitt.

Murdoch bleibt allerdings Eigentümer der Boulevardzeitung "The Sun" und der Tageszeitung "The Times", abgesehen davon besitzt er in den USA noch den rechtskonservativen Fernsehkanal Fox-News.

In den USA hat Murdoch gerade die Unterhaltungssparte von 21 Century Fox an Disney verkauft. Murdoch hat damit laut Forbes jetzt ein Vermögen von 18 Milliarden Dollar angehäuft. Was er mit dem vielen Geld machen wird, ist offen. Viele glauben, dass er in den USA ein wichtiger Medienplayer bleiben wird. Sein Sohn James tritt als Verwaltungsratsvorsitzender von Sky zurück und wechselt wohl in der gleichen Funktion zum Elektroauto-Hersteller Tesla in der Nachfolge von Elon Musk.

"Der Preis ist nicht gut"

Bleibt noch Comcast selbst: das US-Unternehmen hat stolze 34 Milliarden Euro für Sky hingeblättert. Brian Roberts, der Vorstandschef, ließ mitteilen, gemeinsam mit Sky sei man jetzt global führend in Technologie und Inhalten.

Mit Sky habe sich Comcast einen passenden Content-Anbieter geholt. Das aber zu einem teuren Preis, meint Tom Rodgers, ein ehemaliger Vorstandsvorsitzender des US-Medienriesen NBC, der vor Jahren schon auch von Comcast geschluckt wurde.

"Der Preis ist nicht gut. Aber sie wollen damit international ihr Geschäft ausbauen, denn ohne Sky war es einzig auf die USA beschränkt. Comcast spielt jetzt am globalen Schachbrett mit. Es kann sich also am Ende lohnen."

Der internationale Medienmarkt stellt sich neu auf mit den Giganten Comcast, Disney und immer noch auch "New Fox", wie sich das Unternehmen jetzt nennen will. Die Konkurrenz ist damit klar im Blick: Senkrechtstarter Netflix und Amazon sollen den Markt nicht unter sich alleine aufteilen.

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