Angriffe auf Personal
So will die Deutsche Bahn für mehr Sicherheit sorgen

Die deutsche Bahn hat in Frankfurt am Main erste Pilotprojekte bei DB Regio vorgestellt, um das Sicherheitsgefühl ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie der Fahrgäste zu stärken. Hintergrund ist die steigende Zahl von Angriffen auf DB-Beschäftigte. Ein Überblick über die Maßnahmen:

    Man sieht den Oberkörper eines Bahn-Mitarbeiters, der eine dunkelrote Weste trägt. Über der Weste hängt an einem schwarzen Band eine sogenannte Bodycam. Im Hintergrund sieht man einen roten Regionalzug der Deutschen Bahn.
    Ein DB-Kundenbetreuer steht auf einem Bahnsteig neben einem Regionalzug und trägt eine Bodycam an der Dienstkleidung. (picture alliance / dpa / Uwe Anspach)

    Videoauswertung mit KI 

    Die Bahn überwacht die Züge und Bahnhöfe mit Tausenden Kameras, allein in den Stationen sind es bundesweit rund 11.000. Künftig könnten Aufnahmen der Kameras in den Zügen in Echtzeit an die Verkehrszentrale weitergeleitet werden, teilte der Konzern mit. "Die KI wertet die Aufnahmen dann aus und meldet Konflikte, etwa einen Streit unter Fahrgästen oder Randalierer."

    Doppelte Besetzung in den Zügen

    Umfragen der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG zeigen, dass sich viele Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter bei ihrer Arbeit nicht sicher fühlen. Die Gewerkschaft fordert daher schon lange eine Doppelbesetzung in den Zügen, damit niemand mehr allein auf einem Zug arbeiten und zum Beispiel Tickets kontrollieren muss.
    Die Bahn testet solche Doppelbesetzungen derzeit - dabei werden die Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter entweder von einer Sicherheitskraft oder von einem weiteren Kundebetreuerin oder Kundenbetreuer begleitet. "Neu hinzu kommt ab Juli ein Trageversuch mit stichfesten Westen zur Erweiterung der persönlichen Schutzausstattung", teilte die Bahn mit.

    Freiwilliger Einsatz von Bodycams

    Auf freiwilliger Basis können die Beschäftigten mit Kundenkontakt auch eine Bodycam ihrer Ausrüstung hinzufügen - rund ein Drittel haben das Angebot bislang nach Konzernangaben in Anspruch genommen. "Bis Jahresmitte wollen wir eine Quote von 50 Prozent erreichen", sagte DB-Regio-Chef van Zijderveld der Deutschen Presse-Agentur. Bis Sommer sollen zudem alle Beschäftigten mit Kundenkontakt eine verpflichtende Schulung besucht haben. Ziel sei es, Bodycams zur Standardausrüstung der Kundenbetreuer zu machen. 
    Die Bodycams tragen die Bahn-Beschäftigten an der Oberbekleidung. Kommt es zu einer gefährlichen Situation, können die Geräte per Knopfdruck eingeschaltet werden. Das Gegenüber sieht sich dann in der Bodycam. Das habe schon oft eine deeskalierende Wirkung, sagte van Zijderveld. Die Bahn hofft, dass bis Herbst die gesetzlichen Voraussetzungen auch für eine Tonaufzeichnung geschaffen werden. 

    Helm-Test bei einer Einsatzgruppe der DB Sicherheit

    Bei einer Berliner Einheit der DB Sicherheit werden seit kurzem und noch bis Dezember neue Schutzhelme getestet. Bei der Einheit handelt es sich um die Mobile Unterstützungsgruppe (MUG), die zum Beispiel bei Fußballspielen und Demonstrationen eingesetzt wird.
    Die Berliner MUG unterstützt bei besonderen Einsatzlagen und arbeitet dabei regelmäßig mit Hundertschaften der Bundespolizei zusammen. Bislang konnten sich Einsatzkräfte der Polizei in kritischen Situationen mit Helmen schützen, die Bahnmitarbeiter jedoch nicht. Bewährt sich das Pilotprojekt, könnten die Schutzhelme nach Bahn-Angaben ab 2027 bundesweit eingeführt werden.

    Programm für Sicherheit und Sauberkeit an Bahnhöfen

    Bundesverkehrsminister Schnieder (CDU) hatte in seiner Bahn-Strategie vergangenes Jahr drei Sofortprogramme gefordert - jenes für Sicherheit und Sauberkeit an Bahnhöfen wurde im Januar als erstes gestartet. An 20 wichtigen Bahnhöfen, darunter die Hauptbahnhöfe in Berlin, Hamburg, Hannover, Bremen und Köln, werden mit dem Programm zusätzliche Sicherheitskräfte eingesetzt. Insgesamt setzt die Deutsche Bahn deutschlandweit rund 4.500 Sicherheitskräfte an Bahnhöfen ein. 

    Kampagne "#mehrAchtung"

    Gemeinsam mit dem Bundesverkehrsministerium und dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) führt die Bahn eine große Plakatkampagne für mehr Respekt in Zügen fort. Teil der Kampagne sind etwa Plakate mit Slogans wie "Die Würde des Menschen ist unantastbar. Auch für alle in Uniform". "Beleidigungen, Anspucken, Schläge, sexuelle Übergriffe und Körperverletzung sind keine Ausnahme mehr", betonte die Vorsitzende des DB-Konzernbetriebsrats, Moll,
    bei der Vorstellung der neuen Plakate Anfang Mai.

    Zahl der Angriffe gestiegen

    Die Zahl der Angriffe auf Beschäftigte der Deutschen Bahn und anderer Eisenbahnunternehmen stieg von 2024 bis 2025 nach Angaben der Bundesregierung um elf Prozent auf knapp 2.690. Zuletzt hatte ein Fahrgast Anfang Februar einen 36 Jahre alten Zugbegleiter mit Faustschlägen gegen den Kopf so stark verletzt, dass dieser an den Folgen starb. 
    Diese Nachricht wurde am 08.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.