Dienstag, 21.08.2018
 
Seit 15:35 Uhr @mediasres
StartseiteInformationen am MittagDer Sonne so nah wie nie11.08.2018

Sondenstart in den USADer Sonne so nah wie nie

Fast 60 Jahre hat die Vorbereitung der Mission gedauert, morgen soll es endlich so weit sein: Die Sonde "Parker" wird in die Atmosphäre der Sonne fliegen und dort mehrere Jahre lang Daten sammeln. Wissenschaftler erhoffen sich neue Erkenntnisse - unter anderem über Sonnenwinde.

Von Jan Bösche

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Die Illustration der NASA zeigt die Parker Solar Sonde, die sich mit einem Raketenträger der Sonne nähert.  (NASA/Johns Hopkins APL/Steve Gri)
Die Illustration der NASA zeigt die Parker Solar Sonde, die sich mit einem Raketenträger der Sonne nähert (NASA/Johns Hopkins APL/Steve Gri)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

Partielle Sonnenfinsternis Angebissene Sonne über Skandinavien

Mythen rund um Sonnenfinsternisse Die Sonne mit Kröten, Drachen und Dämonen

Totale Finsternis in zehn Jahren Dunkle Sonne über Sydney

So nah war die Menschheit der Sonne noch nie: Die Sonde "Parker" soll sich der Sonne bis auf sechs Millionen Kilometer nähern. Zum Vergleich: Die Erde ist von der Sonne rund 150 Millionen Kilometer entfernt.

Parker soll vor allem die Korona der Sonne untersuchen. Das ist die äußerste Schicht der Atmosphäre der Sonne, sichtbar zum Beispiel bei einer Sonnenfinsternis. Projektwissenschaftlerin Nikki Fox erklärte: "Die Sonne ist voller Geheimnisse. Eines davon ist die Korona. Sie ist 300 Mal heißer als die Oberfläche der Sonne. Das macht keinen Sinn. Wir müssen da hin und herausfinden, warum das so ist. Außerdem müssen wir herausfinden, warum sich die Sonnenatmosphäre immer weiter ausdehnt und von der Sonne wegbeschleunigt."

Mission wird seit 60 Jahren vorbereitet

Außerdem erhoffen sich die Wissenschaftler neue Erkenntnisse über den sogenannten Sonnenwind. Das sind geladene Teilchen, die von der Sonne ins All gesendet werden. Wird der Wind zu stark, kann das die Kommunikation mit Satelliten unterbrechen oder sogar elektronische Geräte zerstören.

Die Hoffnung ist, mit Daten von Parker solche Winde besser vorhersagen zu können. Fox sagte, diese Mission werde seit 60 Jahren vorbereitet. Sie hätten so lange warten müssen, damit die Technologie ihre Träume einholten konnte.

"Carbon ist das magische Material"

Die größte Herausforderung ist die Hitze: Die Parker-Sonde muss über 1.300 Grad Celsius aushalten können. Zentrales Bauteil ist darum ein Hitzeschild. Projektmanager Andy Driesman erklärte: "Es ist ein Hitzeschild aus Carbon. Die Herstellung hat 18 Monate gedauert, die Entwicklung über zehn Jahre.

Der Hitzeschild ist nur 11 Zentimeter dick und wiegt nur 72 Kilogramm. Hätte man so eine Mission in den 50er oder 60er Jahren gewagt, hätte man ein Hitzeschild aus Metall gebaut. Carbon ist das magische Material."

Die Messinstrumente mussten ebenfalls an die Hitze angepasst werden. Für die Stromversorgung gibt es Solarzellen, die mit Wasser gekühlt werden.

Untersuchungen werden sieben Jahre dauern

Für die Mission hat die NASA 1,5 Milliarden Dollar eingeplant. Geplant sind erst mal 24 Umrundungen der Sonne, die Untersuchungen sollen sieben Jahre dauern. Driesman sagte, er hoffe, dass es danach noch viele Jahre weitergehe.

Er hat auch schon eine Vorstellung, was passiert, wenn der Treibstoff ausgeht, die Sonde ihren Betrieb einstellen muss und teilweise verglüht: Es werde eine Carbon-Scheibe übrig bleiben, die um die Sonne kreist - bis zum Ende unseres Sonnensystems.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk