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StartseiteCampus & KarriereBerliner Universitätsverbund hofft auf Exzellenzstatus18.07.2019

SpitzenforschungBerliner Universitätsverbund hofft auf Exzellenzstatus

Berlin will an die Spitze: Die Freie Universität und die Humboldtuniversität haben bereits Exzellenzstatus, jetzt wollen die Technische Uni und die Charité dazukommen - zu viert hoffen sie auf Bewilligung ihres Verbundantrags. Es winken bis zu 28 Millionen Euro jährlich.

Von Claudia van Laak

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Studierende der Georg-August-Universität in Göttingen sitzen in einem Hörsaal. (dpa / picture alliance / Swen Pförtner)
Viele Studierende wissen gar nicht, dass ihre Hochschule Exzellenzuni ist (dpa / picture alliance / Swen Pförtner)
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Der Wissenschaftssenator und Berliner regierende Bürgermeister Michael Müller auf Sommertour – an diesem Vormittag beim Mathe-Exzellenzcluster an der Technischen Universität. Dass man bei der Doktorandenausbildung mit Stanford und Berkeley mithalten könne, hört er da, und dass die Mathematiker gemeinsam mit den Berliner Verkehrsbetrieben an einem besseren Taktsystem arbeiten. Müller freut sich – endlich mal ein Wohlfühltermin, denn erst am Tag zuvor hatte ihm eine Umfrage bescheinigt, der unbeliebteste Länderchef Deutschlands zu sein. In Berlin läuft vieles nicht rund – doch in puncto Wissenschaft macht der Hauptstadt niemand etwas vor. Freie Universität und Humboldtuni sind bereits Exzellenzunis, jetzt wollen die Technische Uni und die Charité dazu kommen – die vier haben die Berliner Universitätsallianz gegründet. Michael Müller:

"Dass man Partnerschaften untereinander sucht und stärkt, daraus auch wieder neue Kompetenzen gewinnt, neue Antworten geben kann auf die großen Fragen, dass man sich gleichzeitig öffnet für andere strategische Partnerschaften und Kooperationen. Das ist eine ganz eigene Qualität des Verbundantrags, den wir im Rahmen der Exzellenzstrategie abgegeben haben."

Finanzierung in Millionenhöhe für Universitätsverbund

Bei den Clustern waren die Berlin Hochschulen schon erfolgreich – von neun Anträgen wurden sieben bewilligt. Wenn es am Freitag klappt, dann winken dem Univerbund bis zu 28 Millionen Euro jährlich. Das Land hat seine Kofinanzierung zugesagt und will zusätzlich sechs Millionen Euro jährlich dazugeben – egal, ob der Antrag Erfolg hat oder nicht. Ein neues Klimaforschungsinstitut will man gemeinsam gründen, die Partnerschaft mit der Universität Oxford ausbauen. Der Präsident der FU Günther Ziegler gibt sich siegesgewiss:

"Wir haben uns nicht groß mit Konkurrenzanalyse aufgehalten, weil wir glauben, dass hier in Berlin in der Zusammenarbeit auch wirklich das Neue entsteht. Die Agenda des Verbunds ist, ganz Berlin zu einem integrierten Forschungsraum zu entwickeln."

Die beiden Münchener Universitäten sind dagegen getrennt im Exzellenzwettbewerb angetreten, ein weiterer Verbundantrag kommt aus Hannover.

Rauschende Wissenschafts-Feier

Doch die Berliner – so scheint es – halten sich für einzigartig und deshalb für unschlagbar. Am Freitagnachmittag trifft man sich, um sich gemeinsam die Übertragung der Entscheidung anzusehen, danach wird getanzt. Die Sprecherin der TU Stefanie Terp verrät die Namen der DJs:

"Es wird Herr Einhäupl, der Chef der Charité, Herr Ziegler, der Chef der FU und auch Herr Krach, unser Wissenschaftsstaatssekretär, die Musik bestimmten und auflegen und wir werden hoffentlich eine schöne Feier erleben."

Der 72-jährige Neurologe und Charité-Chef Max Einhäupl als DJ? Welche Musik er auflegen wird, ist noch geheim. Doch FU-Präsident Ziegler hat bereits einen Teil seiner Titelliste verraten:

"Da ist da unter anderem Leonhard Cohen drauf, "First we take Manhattan, than we take Berlin". Da ist aber auch Queen drauf: "If you can´t beat them, join them". Ein bisschen programmatisch ist das schon."

Während sich Unipräsidenten und Wissenschaftspolitiker also auf eine rauschende Feier vorbereiten, geben sich die meisten Studierenden ungerührt. Eine nicht repräsentative Umfrage an der Humboldt-Uni ergibt: Viele wissen gar nicht, dass ihre Hochschule Exzellenzuni ist. Dass am Freitag eine Entscheidung darüber ansteht, weiß ebenfalls kaum jemand. Andere Studierende geben sich skeptisch:

"Ich weiß nicht, inwiefern die Studenten wirklich deswegen hierherkommen. Vermutlich nicht. Jeder einzelne Bereich hat einen Ruf, und entweder der ist gut oder nicht. Und ob die gesamte Uni exzellent ist, das ist am Ende relativ egal. Das ist schon wichtig, glaube ich. Aber es ist immer die Frage, inwiefern das die Uni zu einer Art Projektuni macht. Also ist man an einer Uni, die aus sich heraus Lehre und Forschung macht, oder muss man da hinterherrennen. Dass man einen Sonderforschungsbereich beantragt, dass man Cluster beantragt, das hängt an diesem Label, und das finde ich schwierig. Weil wir bemerken, dass Projekte mehr Gewicht bekommen als sie eigentlich sollten."

Für die Studierenden jedenfalls steht weniger auf dem Spiel als für die Unis. Denn: Sollte der Berliner Verbundantrag wider Erwarten durchfallen, verlieren Humboldt-Uni und Freie Universität ihren bisherigen Exzellenzstatus. Kein Wunder, dass so mancher plötzlich abergläubisch wird. Der Sprecher der Berliner Wissenschaftsverwaltung zieht seine Anzughose hoch und zeigt auf ein Paar blauer Socken – die hätten ihm schon beim Abitur und bei der Masterprüfung Glück gebracht – jetzt müssen sie helfen, Berlin Exzellenz zu verleihen.

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