Dienstag, 31. Januar 2023

Studie
840.000 zusätzliche Corona-Infektionen durch Fußball-EM 2021

Die Fußball EM 2020 - die im Jahr 2021 ausgetragen wurde - hat in zwölf der beteiligten Nationen für Hunderttausende zusätzliche Corona-Infektionen gesorgt. Das zeigt eine neue Untersuchung. Für eine rasche Verbreitung des Virus sorgte auch der Spielplan.

Von Victoria Reith | 18.01.2023

    Hygienehinweise stehen vor einem EM-Gruppenspiel auf einer Videoleinwand im Londoner Wembley-Stadion.
    Hygienehinweise stehen vor einem EM-Gruppenspiel auf einer Videoleinwand im Londoner Wembley-Stadion. (dpa-Bildfunk / Pool Getty / AP / Catherine Ivill)
    Ein Forschungsteam hat epidemiologische Daten aus der Zeit der Europameisterschaft im Sommer 2021 ausgewertet. Darunter tägliche Fallzahlen und das Geschlecht der Infizierten. Daraus lässt sich der Studie zufolge eine Zahl von 840.000 zusätzlichen Coronafällen und geschätzten 1.000 Todesfällen ableiten.
    Der Physiker Philip Bechtle von der Universität Bonn ist Co-Autor der Studie. Auch er sei überrascht gewesen von den hohen Fallzahlen durch die EM. Aus seiner Sicht hätte im Vorfeld des Turniers der R-Wert, der die Verbreitung des Virus angibt, niedriger gehalten werden müssen.

    Impfen und Luftfilter als effektive Maßnahmen

    „Eine Empfehlung, die sich daraus ergibt: Was kann man an nicht invasiven oder wenig invasiven Maßnahmen machen, um eben möglichst viel freie Betätigung zu ermöglichen? Impfen ist das alleroffensichtlichste. Das mit den Luftfiltern ist das, was gerade in geschlossenen Räumen eine große Bedeutung haben kann.“
    Eine Erkenntnis der Studie: Zu Ansteckungen kam es weniger in den Stadien als bei privaten Treffen, etwa in Pubs und Wohnungen, wo Menschen die Spiele gemeinsam anschauten. Besonders in England und Schottland kam es zu einer drastisch erhöhten Verbreitung. Und der Spielplan der Europameisterschaft habe dem Virus in die Hände gespielt, erläutert Bechtle.

    Vier-Tage-Rhythmus trug zur Verbreitung bei

    „Es kann bei der nächsten Pandemie anders sein. Aber jetzt haben wir hier den Fall, wo man nach vier Tagen im Mittel schon ansteckend, aber wahrscheinlich noch gar nicht sonderlich symptomatisch ist. Und weil eben die Spiele am einzelnen Land eben im Mittel nach vier Tagen Abstand kamen, rutscht man genau in so einen Rhythmus rein, wo man unter Umständen gerade ansteckend wird, wenn man sich wieder mit anderen trifft, aber es gerade noch nicht merkt.“
    Je bessere Daten die Wissenschaft habe, desto bessere Empfehlungen könne sie auch geben, so der Physiker. Das Forschungsziel sei es, möglichst normales Leben in der Pandemie mit möglichst wenig einschneidenden Maßnahmen zu ermöglichen – und nicht, den Menschen den Spaß zu verderben.
    "Wir wollen einfach herausfinden, was können wir lernen, damit wir so geschickt wie möglich auf eine zukünftige mögliche Bedrohung reagieren können.“