Samstag, 13. April 2024

Neuer Fußball-Wettbewerb
Protest gegen die Klub-WM der FIFA

Die FIFA richtet ab 2025 die Klub-WM mit 32 Teams aus. Der großen Klubs bringt das viel Geld - einige kleinere Klubs und nationale Ligen protestieren nun dagegen.

von Chaled Nahar | 23.01.2024
    FIFA-Präsident Gianni Infantino mit der Trophäe der Klub-WM
    FIFA-Präsident Gianni Infantino mit der Trophäe der Klub-WM (IMAGO / Sports Press Photo / IMAGO / Alexandre Neto / SPP)
    100 Jahre lang hat sich der Weltfußball-Verband FIFA darauf konzentriert, Weltmeisterschaften von Nationalmannschaften auszurichten. Seit zwei Jahrzehnten richtet er aber auch eine Klub-WM aus. Aber obwohl die FIFA die jüngste Ausgabe in Saudi-Arabien als Top-Event zu inszenieren - der Stellenwert des Turniers der besten Vereine von jedem Kontinent ist gering.
    Die FIFA will das ändern. Ab 2025 plant der Verband eine Klub-WM mit 32 Teams, die sich wie bei einer klassischen WM erst in der Vorrunde gegenüberstehen und dann in einem KO-System den Sieger ausspielen. Als erster Austragungsort hat die FIFA die USA bestimmt. Das Turnier soll außerdem nicht mehr im Winter, sondern im Sommer stattfinden. Die FIFA versucht damit, eine weitere lukrative Einnahmequelle zu erschließen.
    Um wie viel Geld es geht, hat FIFA-Präsident Gianni Infantino 2023 auf dem FIFA-Kongress erläutert. "Wir versprechen für den nächsten Vier-Jahres-Zyklus (die FIFA rechnet ihre Finanzen in WM-Zyklen, Anmerkung der Redaktion) Rekordeinnahmen von elf Milliarden US-Dollar. Die neue Klub-WM ist in dieser Zahl nicht enthalten, sodass sie um ein paar Milliarden steigen könnte."

    Geld aus der Klub-WM kann für Probleme in den Liga sorgen

    Die paar Milliarden Euro, die für die FIFA hinzukommen, werden zu einem großen Teil bei den Vereinen landen, die bei der neuen WM mitspielen dürfen - also die größten Klubs aus den jeweiligen nationalen Ligen. Aus England sind Chelsea und Manchester City sicher dabei, aus Deutschland ist neben Bayern München auch Borussia Dortmund in aussichtsreicher Position, die Qualifikation zu schaffen.
    In den nationalen Ligen könnte die WM zwei Schieflagen auslösen:
    1. Das Geld aus der Champions League der UEFA sorgt schon seit Jahren für eine wachsende Ungleichheit zwischen den großen Klubs und dem Rest sorgt. Die Klub-WM könnte dieses Phänomen noch verstärken, wenn das Geld maßgeblich an die Topklubs geht.
    2. Die FIFA zieht mit der Klub-WM noch stärker auf den Markt der Medienrechte als bisher. Da zudem die UEFA ihre Rechte an der ausgeweiteten Champions League teurer als bisher verkaufen wird, verschärft sich der Verteilungskampf. Denn die nationalen Ligen wie die DFL mit der Bundesliga und der 2. Bundesliga bemüht sich um dasselbe Geld der Fernsehsender und Streamingdienste. Die Befürchtung: Wenn die FIFA mehr von diesem Geld an sich zieht, bleibt weniger für nationale Wettbewerbe.

    Spanische Liga kündigt rechtliche Schritte gegen die FIFA an

    Javier Tebas, Präsident der spanischen Liga, hat den Wettbewerb auch deswegen "schädlich für das Ökosystem Fußball" genannt. Er bekräftigt in einem Interview mit dem englischen Guardian, rechtliche Schritte gegen die FIFA einzuleiten. "Ich habe das weiter vor", sagt Tebas und bezieht sich auf das Urteil des Europäischen Gerichtshof im Fall der Super League. "Es ist durchaus auf Entscheidungen der FIFA anwendbar, bei denen der Prozess nicht korrekt ist."
    Javier Tebas, Präsident von Spaniens La Liga
    Javier Tebas, Präsident von Spaniens La Liga (IMAGO / ZUMA Wire / IMAGO / Irina R. Hipolito)

    Kritik auch vom Weltverband der Ligen und der Spielergewerkschaft

    Im World Leagues Forum (WLF), dem Weltverband der professionellen Fußballligen, wird die WM seit ihrer Ausrufung im Dezember 2022 kritisiert. In einem Brief an FIFA-Präsident Gianni Infantino kritisierte das WLF ein "wiederkehrendes Muster", nach dem die FIFA ihre eigenen Wettbewerbe zum Nachteil anderer Fußballakteure ausweitet. Das Schreiben liegt dem Deutschlandfunk vor.
    Statt die nationalen Ligen einzubeziehen, habe die FIFA "ihre eigenen Interessen konsequent in den Vordergrund gestellt". Unterzeichnet ist der Brief von Richard Masters, dem WLF-Vorsitzenden und Geschäftsführer der englischen Premier League.
    Tebas verwies darauf, dass die Ligen mit ihrer Kritik nicht alleine sind. Auch die internationale Spielergewerkschaft FIFPRO kritisierte öffentlich, bei der Einführung der WM übergangen worden zu sein. Denn der Wettbewerb führt bei den Spielern der Spitzenklubs zu deutlich mehr Belastung. Bislang waren die Sommer in ungeraden Jahren im Männerfußball frei, durch die Klub-WM wären die Topspieler auch in diesem Zeitraum gefordert. "Das führt zu körperlicher Erschöpfung, Verletzungen, psychischen Problemen, schlechteren Leistungen und Risiken für die Dauer der Karriere der Spieler", kritisierte FIFPRO.
    Das Turnier in den ungeraden Jahren führt aber auch zu einem Problem im Frauenfußball. Denn die Klub-WM der Männer, die ab 2025 alle vier Jahre im Format mit 32 Teams ausgetragen werden soll, überstrahlt auf diese Weise Teile der EM der Frauen.
    Aktueller Klub-Weltmeister ist Manchester City
    Aktueller Klub-Weltmeister ist Manchester City (IMAGO / Sports Press Photo / IMAGO / Alexandre Neto / SPP)

    Glücklich mit der WM: Die FIFA und die Topklubs

    Neben der FIFA sind es vor allem die Spitzenklubs, die profitieren. Die europäische Klub-Vereinigung ECA lobte das Turnier in den höchsten Tönen. "Die ECA begrüßt herzlich die Bekanntgabe der Details der neuen Klub-WM", hieß es. "Dieses neue Turnier ist eine fantastische Neuigkeit."
    Die ECA und die FIFA unterzeichneten Ende März 2023 eine Grundsatzvereinbarung. Der ECA-Vorsitzende Nasser Al-Khelaifi, Präsident von Paris Saint-Germain und Chef des katarischen Sportsender "beIN Sports", sagte damals, dass die ECA nun eng mit der FIFA zusammenarbeiten werde, dabei gehe es auch um "die Verwaltung der kommerziellen Rechte".
     FIFA-Präsident Gianni Infantino (l.) mit dem ECA-Vorsitzenden Nasser Al-Khelaifi
    FIFA-Präsident Gianni Infantino (l.) mit dem ECA-Vorsitzenden Nasser Al-Khelaifi (IMAGO / MIS / IMAGO / Bernd Feil / M.i.S.)