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StartseiteSportgespräch„Die Pandemie zeigt Schwächen auf, die mit Corona nichts zu tun haben“ 06.12.2020

Sport in der Corona-Krise„Die Pandemie zeigt Schwächen auf, die mit Corona nichts zu tun haben“

"Man könnte mit so vielen Pfunden wuchern", sagt Bloggerin Bianka Schreiber-Rietig im Dlf-Sportgespäch über die Möglichkeiten zur politischen Einflussnahme durch den Sport. Auch nach der Mitgliederversammlung sei der Deutsche Olympische Sportbund aber weiterhin zu konzentriert auf den Spitzensport.

Bianka Schreiber-Rietig, Anno Hecker und Robert Kempe im Gespräch mit Marina Schweizer

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Ein Hinweisschild mit der Aufschrift: Spielfeld gesperrt! bitte nicht betreten! Stadt Mannheim An einem Fußballfeld (www.imago-images.de)
Betreten verboten - das gilt aktuell für viele Amateur-Sportstätten (www.imago-images.de)
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Die Corona-Pandemie hat den Sport in Deutschland gehörig durcheinander gewirbelt. Die Olympischen Spiele wurden verschoben, Spitzensport ist nur unter ganz anderen Bedingungen möglich. Der Breitensport ist zum zweiten Mal gänzlich zum Erliegen gekommen. Das bringt nicht nur sportliche Probleme mit sich, auch organisatorische und finanzielle. Und manche Probleme bleiben auch noch verborgen.

Doch welches Bild gibt der organisierte Sport in der Corona-Krise ab? "Ein sehr differenziertes Bild", sagte Anno Hecker, Sportchef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), im Dlf-Sportgespräch. "Mein Eindruck ist, dass er in seiner Struktur von den kleinen Vereinen bis in die Landessportbünde und die großen Fachverbände sehr unterschiedlich agiert, mit sehr unterschiedlichem Erfolg. Und auch der DOSB ist an der Spitze bemüht, etwas zu unternehmen. Aber ich habe nicht den Eindruck, dass er sich in der sportpolitischen Spitze so durchsetzen kann, wie sich das Sport insgesamt wünscht. Meine Frage ist: Wird dem DOSB im Kanzerlamt zugehört?"

Alfons Hörmann, DOSB-Präsident (dpa / picture alliance / Guido Kirchner) (dpa / picture alliance / Guido Kirchner)Ruf nach mehr Geld und viel EigenlobDer DOSB hat seine Mitgliederversammlung zum ersten Mal digital abgehalten. Neben dem Ruf nach mehr Geld ging es auch um den Stufenplan gegen sexualisierte Gewalt.

Wenn es um die Rekrutierung von Geld gehe, werde dem DOSB noch zugehört, ist sich Bloggerin Bianka Schreiber-Rietig sicher. Allerdings schaffe es der Sport nicht, seine gesellschaftliche Relevanz zutage zu bringen. "Ich denke, dass der DOSB zu viel auf der Schiene Geld herumschwimmt und inhaltlich seine Ressourcen vergeudet, indem er das nicht so einbringt, wie er es einbringen sollte."

Ähnlich sieht das auch Fachjournalist Robert Kempe: "Aus meiner Sicht hat sich die Debatte immer mehr auf eventuelle Schäden, auf Austritte aus Vereinen und Verbänden versteift. Wenn man das mit der Kultur vergleicht, wo es auch viele Klagen gibt, glaube ich, dass der Sport seiner gesellschaftlichen Rolle schwer nachkommt, wenn er sich immer nur auf die große Existenznot kapriziert." Kempe vermisse, auch auf der DOSB-Mitgliederversammlung am Samstag, innovative Ideen, mit der Pandemie umzugehen. "Da muss man aufpassen, dass man nicht nur in das Klagelied einsteigt."

"Noch ein, zwei Jahre angucken, dann raus aus den Vereinen"

Genau diese innovativen Ideen spielten in den Vereinen eine große Rolle, meinte Hecker. "Die Gruppen der geburtenstarken Jahrgänge gucken sich das noch ein, zwei Jahre an und gehen dann raus aus den Vereinen. Wie reagiert man darauf? Wie fängt man die? Was kann man an neuen Projekten anbieten? Das müsste eigentlich vom DOSB im großen Stile gesammelt und getragen werden. Aber das ist eine schwierige Aufgabe. Aber ich habe das Gefühl, dass die Konzentration auf den Spitzensport eigentlich im Moment zweitrangig sein müsste."

Bälle verschiedener Sportarten in einem Schrank.  (imago images / Jürgen Schwarz) (imago images / Jürgen Schwarz)"Der Sport muss selbstbewusster auftreten"
Der organisierte Sport hat sich in der Corona-Pandemie gut geschlagen, sagte Sportwissenschaftler Lutz Thieme im Dlf. Dennoch gebe es bei der Lobby-Arbeit des Sports Verbesserungsbedarf.

Ähnlich argumentiert Schreiber-Rietig. Man müsse über die Breite an die Spitze kommen. Sowohl finanziell, in der Werbung, der Motivation und der Aquise von Sponsoren. Sie plädiert für eine Kampagne, die zum Beispiel den Gewinn an Lebensqualität durch Sport in den Fokus rückt.

Der DOSB müsse im lokalen oder regionalen Bereich seinen Mitgliedern Ratschläge und Hilfe liefern, ergänzt Hecker, damit man sich dort etwa um die Öffnung eines Schwimmbades für Senioren ohne großes Infektionsrisiko bemühen könne. Kempe plädiert dafür, Informationen und Zahlen transparent und besser zugänglich zu machen, um die Situation des Sports zu verdeutlichen und politischen Forderungen Nachdruck zu verleihen.

Zu fokussiert auf den Spitzensport

Schreiber-Rietig kritisiert, dass der Sport sich bei vielen Themen nicht bemerkbar mache, seine Ansprüche nicht vertrete. Diese Schwäche werde durch die Pandemie aufgezeigt, obwohl sie nichts mit Corona zu tun habe. Der Verein Athleten Deutschland habe oftmals früher auf Themen reagiert, die eigentlichen Sportorganisationen hätten hingegen nur reagiert.

"Man könnte mit so vielen Pfünden wuchern. Aber das machen sie nicht, weil man sich fokussiert hat auf diesen Spitzensport." Würde der DOSB sich mit Entwicklungen auseinandersetzen, die in seiner selbst beauftragten Untersuchung zur Sportentwicklung analysiert werden, würde er sehen, dass es nicht stimmen könne, dass bestimmte Entwicklungen wie Vereinsschließungen Corona zugeschrieben würden. "Es wäre jetzt eine Gelegenheit, einen neuen Weg einzuschlagen", sagt Schreiber-Rietig.

Handeln von innen, Kontrolle von außen

Im Bereich der Aufarbeitung und Prävention von sexueller Gewalt im Sport schreite der DOSB nun voran, sagt Kempe. Das Feld habe lange brach gelegen, nun agiere der Verband aber sehr glaubwürdig und habe die Zeichen der Zeit erkannt. Schreiber-Rietig glaubt, dass der DOSB sich auch dem politischen und finanziellen Druck gebeugt habe, den die Politik erzeugt habe. Denn der Bund mache in Zukunft die finanzielle Förderung von den Verbänden davon abhängig, wie diese die Maßnahmen umsetzen.

Hecker sieht allerdings auch einen möglichen Interessenskonflikt im Verband, weil Druck auf Sportler ausgeübt werde, um Leistung zu erzwingen. Da seien Gewalt und diskreditierende Worte gegen Sportler weiterhin an der Tagesordnung. Deswegen glaube er nicht, dass der Sport das Problem alleine lösen könne. Der Sport solle von innen handeln, brauche aber auch Kontrolle von außen.

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