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StartseiteSport am Wochenende"Ein hoffnungsloses Bild"28.04.2019

Sport in der Mongolei"Ein hoffnungsloses Bild"

Der Sportwissenschaftler Diethelm Blecking ist nach Ulan Bator gereist, um mit mongolischen Kollegen über deren Curriculum zu sprechen. Während Blecking im Dlf sehr positiv über mongolische Trainer und Sportwissenschaftler spricht, beschreibt er ein Land, das eine sehr schwierige Phase erlebt.

Diethelm Blecking im Gespräch mit Matthias Friebe

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Blick auf die mongolische Hauptstadt Ulan Bator.  (dpa / picture alliance / Wu Hong)
Die mongolische Hauptstadt Ulaanbaatar (dpa / picture alliance / Wu Hong)
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Das hoffnungslose Bild, von der Sportwissenschaftler Professor Doktor Diethelm Blecking nach einem Aufenthalt in der Mongolei spricht, bezieht sich ausdrücklich nicht auf Sportwissenschaftler oder Trainer, die er dort getroffen habe. Doch Blecking erklärt seinen Eindruck von der Mongolei:

"Ein Land, dass sich im Übergang von einer Nomadenkultur zu einem Manchester-Kapitalismus befindet, und das dafür einen hohen Preis zahlt. Also die Luftverschmutzung in der Hauptstadt ist gewaltig. Dort kann man überhaupt keinen Breitensport organisieren. Die Sportstätten verschwinden. Auf den Plätzen, wo Stadien sind, werden Hochhäuser errichtet. Der letzte Rest des Kinderparks, der letzte Rest an grün in Ulan Bator, verschwindet jetzt."

Der Sportwissenschaftler Prof. Dr. Diethelm Blecking (imago/Hartenfelser)Der Sportwissenschaftler Prof. Dr. Diethelm Blecking (imago/Hartenfelser)

All das sind Probleme, die der Sport nicht beheben könne. "Der Sport prägt ja nun mal nicht sozialökonomische Entwicklung, sondern der Sport hängt von sozialökonomischen Entwicklungen ab", erklärt Blecking. Auch den Einfluss westlicher Investoren sieht Blecking keinesfalls positiv. Kolonialistisch nennt er deren Vorgehen, der den Zustand der Mongolei noch hoffnungsloser mache. Dabei bezieht sich Blecking ausdrücklich auf den Grünen-Politiker Rezzo Schlauch, der in der Mongolei eine Mine aufmachen* wolle.

Sportlich sorgte die Mongolei bei den Spielen 2016 in Rio für einen Eklat. Ein mongolischer Ringer hatte sich vor Ablauf der Kampfzeit über seinen Sieg im Kampf um Bronze gefreut. Nach Protesten bekam der Gegner die Medaille. Die mongolischen Trainer wiederum waren so erbost, dass sie sich aus Protest auszogen. Daher richteten sich in der Mongolei nun alle Blicke auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio, sagt Blecking. Ziel sie eine Medaille und damit eine Wiedergutmachung dort.

*Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es an dieser Stelle versehentlich, Blecking sage, Rezzo Schlauch sei an einer Mine beteiligt. Tatsächlich sagt er in unserem Interview, Herr Schlauch wolle eine Mine aufmachen. Dabei bezieht Blecking sich auf ein Interview, das Schlauch selbst vor einiger Zeit gegeben hat. Jenes Interview finden Sie hier.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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