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StartseiteInformationen am AbendDiesel-Pkw schädlicher für die Umwelt als Lkw06.01.2017

StickoxidDiesel-Pkw schädlicher für die Umwelt als Lkw

Diesel-Pkw stoßen mehr Stickoxid aus als Lkw. Zu diesem Ergebnis kommt das Forschernetzwerk ICCT in einer neuen Studie. Umweltministerin Barbara Hendricks fordert schärfere Tests. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter geht sogar noch einen Schritt weiter.

Von Nadine Lindner

Anzeige einer Tankstelle in Hamburg (picture alliance / dpa / Foto: Daniel Reinhardt)
Die Reaktionen aus der Bundespolitik auf die ICCT-Studie fallen unterschiedlich aus. (picture alliance / dpa / Foto: Daniel Reinhardt)
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Peter Mock (ICCT): "Der Gesetzgeber muss reale Tests einführen mit realen Fahrzeugen"

Stickoxide Moderne Diesel-Pkw schmutziger als Lkw und Busse

Wieder geht es um Diesel-Fahrzeuge. Und wieder geht es um den hohen Ausstoß von Stickoxiden. Eine Studie des Forschernetzwerks ICCT hatte nun belegt, dass Diesel-Pkw der Euro VI Norm pro Kilometer mehr Stickoxide ausstoßen als Diesel-Lkw. Demnach liegen die Personenwagen bei 500 Milligramm Stickoxid, Laster bringen es nur auf 210 Milligramm.

Die Ursachen liegen laut Peter Mock von ICCT Deutschland nicht in der Technik begründet, sondern in den rechtlichen Vorgaben. Die seien bei Pkw laxer als bei Lkw.

Mock sagte im Deutschlandfunk: "Bei den Pkw werden die Fahrzeuge nur im Labor getestet. Und da auch nur ausgewählte Prototypen, die von den Herstellern bereitgestellt werden. Bei den Lkw ist es schon seit 2013 so, dass Messungen auf der Straße vorgeschrieben sind."

Unerwartete Dimensionen

Ihn habe die Dimension der Abweichungen überrascht. Das ICCT beruft sich auf Daten von verschiedenen europäischen Behörden wie dem Kraftfahrtbundesamt.

Die Reaktionen aus der Bundespolitik fielen unterschiedlich aus. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt appelliert in der ARD an die Auto-Industrie: "Wir sehen ja gerade im Bereich der LKW, was moderne Diesel-Technologie in der Lage sind auch an sauberer Technik zu generieren. Das muss auch bei den PKW Einzug halten." 

Eine Sprecherin von Verkehrsminister Alexander Dobrindt, CSU, verwies am Mittag auf die neuen Testverfahren RDE und WLTP, die ab September schrittweise in der EU gelten werden und auch von Deutschland unterstützt würden. Von ihnen erhofft man sich verlässlichere Messwerte.

Strengere Tests gefordert

Schärfer äußerte sich Umweltministerin Barbara Hendricks, SPD. Sie sprach sich für strengere Tests als Konsequenz aus. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter plädierte für einen Ausstieg aus der Dieseltechnologie. Das ist der Anfang vom Ende des Diesels, sagt auch Fraktions-Vize Oliver Krischer, der dem Abgas-Untersuchungsausschuss des Bundestags angehört: "Ich glaube, das ist ein weiterer Sargnagel für die Diesel-Technologie, das muss man einfach so sagen."

Viele deutsche Städte stehen vor dem Problem, dass sie die Stickoxid-Grenzwerte zur Luftreinhaltung überschreiten. Gegen Deutschland läuft deshalb auch ein Vertragsverletzungsverfahren der EU. Obwohl die Pkw auf dem Papier immer sauberer werden. Schon seit Längerem wird aus Luftschutzgründen über Fahrverbote für Diesel diskutiert.

Im September 2015 war bekannt geworden, dass Volkswagen Abgasmessungen illegal manipuliert hat. Seit letztem Jahr untersucht ein Bundestagsausschuss, ob Ministerien bei der Aufklärung versagt haben.

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