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StartseiteKultur heuteStiftungschef aus der dritten Reihe21.02.2013

Stiftungschef aus der dritten Reihe

Ärger um Neubesetzung in der Stiftung Baukultur Berlin

Rainer Nagel wird Nachfolger von Michael Braum als Vorsitzender der Bundesstiftung Baukultur. Rainer wer? Mit der Personalie hat das Bundesbauministerium wieder einmal den Unmut vieler Beobachter auf sich gezogen, die eine Geringschätzung der Stiftung beklagen.

Von Reinhard Hübsch

Die Stiftung Baukultur soll die Öffentlichkeit für Fragen der Architektur sensibilisieren. (picture-alliance/ZB/ Karlheinz Schindler)
Die Stiftung Baukultur soll die Öffentlichkeit für Fragen der Architektur sensibilisieren. (picture-alliance/ZB/ Karlheinz Schindler)

Am Dienstag war die Personalie noch vom Bundeskabinett unter Kanzlerin Merkel
abgenickt worden, heute gab das zuständige Bundesbauministerium in Berlin bekannt, wer die Stiftung ab 1. März führen wird: Rainer Nagel.

Was in der baukulturellen Öffentlichkeit zu einem irritierten Augenreiben führte: Rainer who? Rainer Nagel ist einer von 14 Abteilungsleitern in der Berliner Senatsbauverwaltung, die der Senatsbaudirektorin Regula Lüscher unterstehen. Lüscher selbst ist dem zuständigen Senator, will heißen: Berliner Landesbauminister Michael Müller (SPD), zugeordnet.

Rainer Nagel, für Stadt- und Freiraumplanung zuständig, stammt also nicht aus der ersten oder zweiten, sondern bestenfalls aus der dritten Reihe. Damit hat das Bundesbauministerium unter Peter Ramsauer (CSU) wieder einmal deutlich gemacht, welchen Stellenwert sie der Stiftung beimisst; Geringschätzung ist noch eine noble Untertreibung.

Kenner der politischen Landschaft sprechen davon, dass es Ramsauer am liebsten wäre, man könnte die Stiftung schließen. Und was er von der Stiftung hält, das hat Ramsauer, das hat sein Staatssekretär Rainer Bomba (CDU) immer wieder deutlich gemacht, etwa, als im vergangenen Jahr der Konvent der Baukultur in Hamburg tagte, sozusagen das Parlament der Stiftung.

Alle zwei Jahre werden Architekten, Ingenieure, Publizisten und Unternehmer zusammengerufen, um wichtige Fragen von Architektur und Städtebau zu diskutieren, die Ergebnisse sollen als Leitplanken die Arbeit der Stiftung inspirieren. Nachdem zum Konvent 2012 Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz die Delegierten begrüßt hatte, ergriff nicht etwa der Bundesbauminister oder sein Staatssekretär das Wort, sondern eine Ministerialdirigenten - wieder einmal dritte Reihe.
Michael Braum, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur (Bundesstiftung Baukultur / Till Budde)Michael Braum, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur (Bundesstiftung Baukultur / Till Budde)Damals, im Sommer 2012, kündigte der Gründungsvorstandsvorsitzende Michael Braum an, dass er für eine weitere Amtszeit nicht zur Verfügung steht. Wer wusste, welche Querelen es in der Vergangenheit um die personelle, um die finanzielle Ausstattung der Stiftung gegeben hatte, die mit einem eng geschnürten Etat von 1,8 Millionen Euro im Jahr auskommen muss, wer das wusste, der war nicht verwundert.

Dazu kommt, dass die Arbeit der Stiftung immer auch unter politischer Kuratel stand, denn im 13-köpfigen Aufsichtsrat dominieren Parteipolitiker: Fünf Vertreter stammen aus den Bundestagsparteien, drei aus den Bundesministerien, nur fünf wie der international renommierte Bauingenieur Prof. Werner Sobek aus Stuttgart oder Sigurd Trommer, Präsident der Bundesarchitektenkammer, können als sogenannte unabhängige Experten bezeichnet werden.

In der Vergangenheit haben denn auch wieder und wieder fachkundige Beobachter der Szenerie darauf gedrängt, die öffentlich-rechtliche Bundesstiftung politikferner zu organisieren - bis heute blieb dieser Ruf unerhört. Nachdem bekannt geworden war, dass Braum die Leitung der Stiftung aufgibt, regten profilierte Stimmen an, die Spitze der Einrichtung mit einer renommierten, weithin anerkannten Persönlichkeit zu besetzen. In diesen Debatten wurden Namen wie die des Architekturhistorikers Werner Durth und des Publizisten Gert Kähler genannt, Volkwin Marg vom international renommierten Planerbüro Gerkan, Marg & Partner, von Karl Ganser und auch von Uli Hellweg, die beide erfolgreich internationale Bauaustellungen gemanagt haben und die allesamt ein Anspruchsniveau markieren, von dem aus die Bundesstiftung in den nächsten Jahren hätte agieren können und müssen.

Denn die Einrichtung mit Sitz in Potsdam benötigt, wenn sie denn die Baukultur national und international voranbringen soll, einen prominenten, kenntnisreichen, hervorragend vernetzten, allgemein anerkannten und beharrlichen Fürsprecher, der gewillt und in der Lage ist, sich politischen Pressionen zu widersetzen. Dieses Anforderungsprofil war, wie die gewöhnlich gut informierten Kreise in Berlin überzeugend versichern, nicht gewünscht; Ratschläge, diesen oder jenen zur Bewerbung aufzufordern, wurden vom Bundesbauministerium mit beredtem Schweigen kommentiert.

Um die Bundesstiftung, um die Baukultur muss man sich zukünftig mehr Sorgen machen als je zuvor. Morgen wird der amtierende Vorstandsvorsitzende in der Potsdamer Schiffbauergasse verabschiedet. In einer hauseigenen Kolumne meldet sich aus diesem Anlass Michael Braum selbst zu Wort und formuliert dort:

"Um die Wertschätzung der Baukultur ist es, unbeschadet aller Absichtserklärungen, schlecht bestellt in Deutschland. Statt im Planen und Bauen ausgebildete Persönlichkeiten in verantwortliche Entscheidungspositionen zu bringen, werden diese Ämter politisch besetzt."

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