Dienstag, 21.05.2019
 
Seit 22:05 Uhr Musikszene
StartseiteSprechstundeSexuell übertragbare Infektionen nehmen zu23.04.2019

StudieSexuell übertragbare Infektionen nehmen zu

Medikamente zum Schutz vor einer HIV-Infektion haben das Kondom im Kampf gegen AIDS abgelöst. Aber vor Syphilis und Chlamydien schützen diese nicht, erklärt der Arzt Heinrich Rasokat im Dlf. Nun hat eine australische Studie tatsächlich einen Anstieg der sexuell übertragbaren Infektionen festgestellt.

Heinrich Rasokat im Gespräch mit Christian Floto

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Eine Apothekerin hält am 23.11.2017 in Berlin einen Blister mit dem Medikament Emtricitabin in der Hand. In einem solchem Blister werden die Medikamente für HIV-Vorbeugung (PrEP, Prä-Expositions-Prophylaxe) mit Tabletten ausgegeben. (picture alliance / Britta Pedersen / dpa-Zentralbild / ZB)
Die Prä-Expositionsprophylaxe – kurz PrEP - schützt HIV-negative Menschen vor einer Infektion (picture alliance / Britta Pedersen / dpa-Zentralbild / ZB)
Mehr zum Thema

HIV-Prävention Sicherer Sex dank PrEP-Medikamenten

Geschlechtskrankheiten Die Rückkehr von Syphilis und Tripper

HIV-Prophylaxe Könnte Truvada nach Deutschland kommen?

Durch die Verbreitung eines Medikamentes, welches vor einer HIV-Infektion schützt, ist die Zahl der Neuinfektionen mit anderen sexuell übertragbaren Krankheiten gestiegen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie aus Australien. Als Grund für den Anstieg sexuell übertragbarer Infektionen wird der Verzicht auf Kondome gesehen, da vor HIV ein wirksamer Schutz durch die Medikamente bestehe.

"Wenn man auf die Syphiliszahlen guckt, sieht man seit fast zehn Jahren eine kontinuierliche Zunahme von Syphilisneuinfektionen pro Jahr" sagte Heinrich Rasokat, Oberarzt an der Universitätsklinik Köln, "2018 sind wir bei mehr als 7.000 Syphilisinfektionen angekommen".

Dabei falle auf, dass genau diese Menschen sich infizieren, die ein hohes Risiko haben, sich mit dem HI-Virus zu infizieren.

Dabei müsse man verstehen, wie der Kampf gegen HIV und AIDS sich in den vergangenen Jahren entwickelt habe, so Rasokat. Seit 2010 steht fest, dass HIV-positive Menschen, die gut mit Medikamenten eingestellt sind, nicht mehr ansteckend sind. Durch die richtige Medikation könnten Paare, in denen einer den HI-Virus in sich trägt und der andere nicht, sogar auf das Kondom verzichten.

Kondom trotz PrEP

Seit 2015 ist klar, dass wenn HIV-negative Menschen diese Medikamente nehmen, sie sich nicht mit dem HI-Virus infizieren können. Dieses Konzept, bei dem HIV-Medikamente auch Menschen mit einem hohen Ansteckungsrisiko vor einer Infektion schützen, heißt Prä-Expositionsprophylaxe – kurz PrEP.

Die Möglichkeit auf ein Kondom verzichten zu können, ohne das Risiko einer HIV-Infektion ausgesetzt zu sein, würde als eine große Befreiung erlebt, erklärt Rasokat. Aber genau das führe zu dem Ergebnis der australischen Studie, dass sie Zahl der Infektionen mit Syphilis, Gonorrhoe und Chlamydien deutlich stiegen.

Nun sei laut Rasokat die Frage, wie man die Menschen dazu motivieren könne "trotz PrEP zusätzlich ein Kondom einzusetzen".  

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk