Archiv

Studienergebnisse
Neue Fakten zum Corona-Impfstoff von Astra Zeneca

Die Universität Oxford und das Unternehmen Astra Zeneca haben die Ergebnisse ihrer Impfstoffstudien detailliert in der Zeitschrift The Lancet vorgestellt. Auch zum Impfstoff von Biontech/Pfizer gibt es neue Informationen.

Von Volkart Wildermuth | 09.12.2020
Paula McMahon prepares a shot of the Pfizer-BioNTech COVID-19 vaccine, as the mass public vaccination program gets underway, at the NHS Louisa Jordan Hospital in Glasgow, Scotland, Tuesday Dec. 8, 2020. The United Kingdom is beginning its vaccination campaign to inoculate people against the COVID-19 virus. (Jeff J Mitchell/Pool via AP)
Virus Outbreak Britain (picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Jeff J Mitchell)
Die Corona-Impfstoffe sind zu über 90 Prozent wirksam und sie sind sicher. Klingt gut, diese Aussagen waren bislang aber kam zu überprüfen, weil sie aus Pressemitteilungen der Unternehmen stammen.
Eine Spritze wird ins Bild gehalten.
Impfrisiken im Faktencheck
Mehrere Hersteller haben RNA-Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 vorgelegt. Aber wie sieht es mit Nebenwirkungen aus? Und was bedeutet es, dass dem Körper dabei Bestandteile von Virus-Erbgut gespritzt werden? Ein Überblick, was die Forschung bislang weiß.
Das hat sich jetzt geändert. Die Universität Oxford und Astra Zeneca haben jetzt alles offengelegt in der Fachzeitschrift The Lancet. (Siehe auch.)
Der Impfstoff auf Basis eines inaktiven Schnupfenvirus von Schimpansen war nach den Pressemitteilungen etwas mysteriös. Er hatte eine Wirksamkeit von 62 Prozent, deutlich weniger als die RNA-Impfstoffe von Moderna oder BioNTech/Pfizer. Aber in einer Gruppe, die versehentlich bei der ersten Impfung nur die halbe Dosis bekommen hatte, da lag die Wirksamkeit bei 90 Prozent.
Paradox, die Gründe sind nicht wirklich klar. Aber in dem Artikel wird erklärt, wie es zu dem Vorfall kam - ein Messfehler, den man dann mit Unterstützung der Behörden genutzt hat. Vor allem sieht man: in dieser Gruppe waren nur rund 2.700 Probanden, deshalb ist der Unsicherheitsbereich recht groß: Die Wirksamkeit könnte zwischen 67 und 97 Prozent Prozent betragen. Deshalb steht auch in dem Artikel, dass hier noch Daten nachgeliefert werden müssen. Und damit ist schon sehr bald zu rechnen.

Welche Neuigkeiten erfährt man noch über den Impfstoff?

Erstens sieht es so aus, als ob der Impfstoff auch bei älteren Personen wirkt. Zweitens gab es innerhalb der Studie auch einige Krankenhauseinweisungen und sogar Todesfälle aufgrund von COVID-19 aber ausschließlich in der Kontrollgruppe, die nur ein Placebo verabreicht bekam.
Eine Einwegspritze und Impfdosen mit Impfstoff zur Injektion mit einer Kanüle.
Corona-Impfstoffe erlauben keine schnelle Rückkehr zur Normalität
Rückt mit den Impfstoffen gegen COVID-19 auch ein normales Leben näher? Experten dämpfen die Erwartungen. Allein die Impfung der Risikogruppen dürfte bis weit ins kommende Jahr dauern.
Und drittens ist spannend, dass in dieser Studie die Teilnehmer auch regelmäßig selbst Abstriche genommen und eingesandt haben. So konnten die Forscher feststellen, dass der Impfstoff in diesem halbe Dosis/volle Dosis Impfschema nicht nur Krankheiten verhindert, sondern wohl auch die Weiterbverbreitung des Virus. Das ist bei den anderen Impfstoffen noch nicht untersucht worden.

Wie sieht es bei den Nebenwirkungen aus?

Die Impfung kann durchaus Fieber, Kopfschmerzen, Schwächegefühl auslösen, auch in einem Maße, dass die Probanden einen oder zwei Tage zuhause bleiben mussten. Aber das ging vorüber, das ist im Grunde ein Zeichen, dass das Immunsystem tatsächlich auf den Impfstoff reagiert. Aber es gab auch ernste Krankheiten.
Impfzentrum mit Blick aus dem VIP-Bereich in das Fortuna-Stadion und Hinweisschild "Oberarm freimachen" zur Vorbereitung der Patienten zur bevorstehenden Corona-Impfung
Impfzentren: Wer wie und ab wann geimpft werden kann
Sobald ein Impfstoff gegen das Coronavirus in Europa zugelassen ist, sollen die ersten zentralen Impfungen in Deutschland beginnen. Dazu werden bundesweit Impfzentren eingerichtet. Ein Überblick.
Das ist bei Studien mit mehreren zehntausend Teilnehmern unvermeidlich. Sie traten sowohl bei den Geimpften wie in der Kontrollgruppe auf. Als problematisch galt eine Entzündung des Rückenmarkes, die zum Beispiel mit Lähmungen einhergehen kann. Aber der Proband oder die Probandin hat sich erholt. Hier gehen die Studienärzte aber nicht davon aus, dass das ursächlich auf die Impfung zurückgeht.

Was heißt das jetzt für die Zulassung des Impfstoffs von Astra Zeneca?

Noch ist kein offizieller Zulassungsantrag gestellt und im Pressegespräch gab es zu dieser Frage ausweichende Antworten. Aber der Impfstoff ist sehr relevant, auch wenn es am Ende bei der Wirksamkeit von 62 Prozent bleibt. Er scheint ja die schweren Verläufe wirksam zu unterbinden und auch die Übertragung zu behindern. Er kann schnell in großen Mengen hergestellt werden und ist bei normalen Kühlschranktemperaturen stabil.
Man darf ja nicht vergessen: die Welt braucht mehrere Impfstoffe, wenn es geht, nicht nur drei, sondern fünf oder sechs. Sonst lässt sich der Bedarf gar nicht decken. Also auch dieser Impfstoff hat großes Potenzial.

Der Impfstoff von Biontech/Pfizer wird in Großbritannien ja schon eingesetzt. Auch da ist jetzt mehr bekannt geworden?

Ja, die US-Zulassungsbehörde FDA will am 10. Dezember über die Zulassung des Impfstoffs entscheiden - und das soll ganz transparent vor sich gehen. Deshalb hat sie einen ungewöhnlichen Schritt gemacht und ihre Einschätzung, über 50 Seiten, auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Und auch da bestätigt sich, was aus der Pressemitteilung bekannt war: der Impfstoff verhindert den Ausbruch von Symptomen sehr effektiv mit einer Wirksamkeit von 94 Prozent. Auch dieser Impfstoff schützt ältere Personen. Es gibt detaillierte Informationen zu Nebenwirkungen, und auch die werden von den Experten als vertretbar betrachtet. Wobei sich bei den ersten Impfungen in Großbritannien gleich zwei Fälle von erheblichen allergischen Reaktionen aufgetreten sind, bei Personen, die schon früher ähnliche Probleme hatten. Das Beispiel zeigt: auch große Studien bieten keine absolute Sicherheit, alle Nebenwirkungen zu erfassen. Deshalb ist es so wichtig, dass alle Coronaimpfstoffe auch nach der Zulassung gut überwacht werden. Dafür ist gesorgt und hier hat sich ja auch gezeigt, wie schnell die Behörden reagieren. Von daher gilt der Impfstoff weiterhin als sicher.
Coronavirus
Übersicht zum Thema Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)