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Startseite@mediasresHimmler, Hassel und die politischen "Freundeskreise"01.06.2021

Suche nach neuem ZDF-IntendantenHimmler, Hassel und die politischen "Freundeskreise"

An der Spitze des ZDF gibt es im kommenden Jahr einen Wechsel. Mit Norbert Himmler und Tina Hassel haben sich laut ZDF-Fernsehratsmitglied Leonhard Dobusch schon ein Kandidat und eine Kandidatin fürs Intendantenamt bereitgestellt. Wie und wann entschieden wird und was die sogenannten "Freundeskreise" damit zu tun haben - ein Überblick.

Text von Isabelle Klein / Leonhard Dobusch im Gespräch mit Annika Schneider

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Logo des ZDF auf einer Glasfront (IMAGO / Westend61)
Laut ZDF-Staatsvertrag wählt der ZDF-Fernsehrat den Intendanten für die Dauer von fünf Jahren in geheimer Wahl (IMAGO / Westend61)
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Nach zehn Jahren wird ZDF-Intendant Thomas Bellut sein Amt im März 2022 niederlegen. Er werde sich nicht mehr um eine dritte Amtszeit bewerben, es sei "Zeit für einen neuen Lebensabschnitt", so Bellut in einer Pressemitteilung des ZDF. Nun läuft die Suche nach einem neuen Intendanten oder einer Intendantin.

Dr. Thomas Bellut, Intendant des ZDF (©ZDF/Markus Hintzen)Thomas Bellut hat fast vier Jahrzehnte für das ZDF gearbeitet, zehn Jahre davon als Intendant (©ZDF/Markus Hintzen)

Intendantenwahl am 2. Juli möglich

Die Intendantenwahl könnte schon bei der nächsten regulären Sitzung des ZDF-Fernsehrates am 2. Juli 2021 stattfinden. Laut ZDF-Staatsvertrag wählt dieses Gremium den Intendanten oder die Intendantin fürmarlehn thieme

die Dauer von fünf Jahren in geheimer Wahl. Für die Wahl sind mindestens drei Fünftel der Stimmen der gesetzlichen Mitglieder des Fernsehrates erforderlich.

Man wolle die Wahl allerdings in einer Präsenzsitzung abhalten, weil der unmittelbare persönliche Eindruck der Kandidatinnen und Kandidaten in einem Vorstellungsgespräch wichtig sei, so ZDF-Fernsehratsvorsitzende Marlehn Thieme gegenüber dem epd-Mediendienst. Ob die Sitzung wegen der Corona-Pandemie in Präsenz stattfinden könne, werde man voraussichtlich Mitte Juni wissen.

Norbert Himmler und Tina Hassel

Der Sender suche eine Person mit umfassender Erfahrung in der Medienbranche und einer ausgeprägte Werteorientierung, heißt es im Anforderungsprofil des ZDF

Zwei Personen stehen laut dem Fernsehrats-Mitglied Leonhard Dobusch bereits zur Wahl: Schon länger im Gespräch für den Posten ist ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler. 

ZDF-Programmchef Norbert Himmler steht am 20.11.2019 bei einer Preisverleihnug in Berlin am Rednerpult (IMAGO / Eibner / Uwe Koch)Norbert Himmler, 1971 in Mainz geboren, begann seine Karriere im ZDF 1997 als freier Mitarbeiter. Seit dem 1. April 2012 ist er Programmdirektor des ZDF. (IMAGO / Eibner / Uwe Koch)

Ende Mai 2021 wurde außerdem die Kandidatur der Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios Tina Hassel bekannt. Die Fernsehrat-Mitglieder seien "quasi offiziell per Mail darüber informiert worden", so Dobusch. Rechtlich gesehen könnten auch noch in der Sitzung zur Wahl Vorschläge eingereicht werden. 

Laut Informationen der "Süddeutschen Zeitung" soll ARD-Journalistin Hassel nach dem Wunsch des SPD-nahen "roten Freundeskreises" gegen Himmler antreten. Sie sei "so ziemlich das Gegenteil von Himmler, nicht nur, weil sie eine Frau ist", so SZ-Journalistin Claudia Tieschky. Himmler soll Favorit des CDU-nahen "schwarzen Freundeskreis" sein.

(WDR/Jürgen Welter)Tina Hassel, geboren 1964 in Köln, begann ihre Karriere 1990 beim WDR Köln. Seit dem 1. Juni 2015 ist sie Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios Berlin. (WDR/Jürgen Welter)

Die zwei "Freundeskreise" des Fernsehrates

Man spreche nur inoffiziell vom "roten und schwarzen Freundeskreis", so Dobusch. Ersterer werde vom Verdi-Vorsitzenden und SPD-Mitglied Frank Wernecke angeführt, zweiterer von Franz Josef Jung, CDU-Politiker und ehemaliger Bundesverteidigungsminister. 

Mitglieder des ZDF-Fernsehrates könnten sich frei aussuchen, ob sie einem der beiden "Freundeskreise" beitreten wollen oder nicht: "Man bekommt am Anfang eine Einladung aus beiden Freundeskreisen und da, wo man dann hingeht, ist man dann dabei. Die Freundeskreise tagen parallel – man kann also nur zu einem hingehen oder auch zu keinem." Er habe sich zu Beginn für den "roten Freundeskreis" entschieden, so Dobusch. Zwei Drittel der Mitglieder des ZDF-Fernsehrates seien seit seiner neuen Zusammensatzung 2016 nicht von vornherein klar parteipolitisch zuzuordnen.

Mitglieder der "Freundeskreise" würden jedoch nicht automatisch einen bestimmten Kandidaten wählen – anders als in Parlamenten gebe es im Fernsehrat keinen Fraktionszwang.

Fraktionen statt Freundeskreise?

Doch warum gibt es die Freundeskreise überhaupt? "Wenn es diese Freundeskreise gar nicht gäbe, würde zumindest nach innen noch weniger Transparenz herrschen", so Dobusch, denn dann würden viele Dinge im Geheimen ablaufen. Schon jetzt würden viele Vorabsprachen außerhalb des Freundeskreise getroffen. "Es ist unrealistisch zu glauben, dass in einem Gremium wie dem Fernsehrat, wo 60 Mitglieder Entscheidungen treffen, dass es da nicht zu Vorgesprächen und Absprachen kommt. Das ist normal und üblich."

Er wünsche sich jedoch, dass man als Fernsehrat dazu stehe, dass es so etwas wie Fraktionen gebe, die nicht entlang klassischer parteipolitischer Linien verlaufen müssten. "Es wäre beispielsweise interessant neben einem roten und schwarzen auch einen digitalen Freundeskreis zu haben."

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