Montag, 22. April 2024

Depressionen im Leistungssport
Teresa Enke mit Niedersachsens Verdienstorden geehrt

Depressionen sind immer noch Tabuthema im Leistungssport. Teresa Enke, Witwe von Fußballtorwart Robert Enke, der sich 2009 das Leben nahm, steckt ihre Kraft in die Aufklärungsarbeit. Dafür hat sie nun das Verdienstkreuz am Bande des Niedersächsischen Verdienstordens bekommen.

Von Bastian Brandau | 15.06.2023
Teresa Enke, Vorstandsvorsitzende der Robert-Enke-Stiftung, lächelt bei einem öffentlichen Termin des Deutschen Fußball-Bundes.
Teresa Enke kämpft als Vorstandsvorsitzende der Robert-Enke-Stiftung seit dem Suizid ihres Mannes, dem Fußballtorwart Robert Enke, für die Enttabuisierung von Depressionen im Leistungssport. (imago images / Martin Hoffmann / Martin Hoffmann via www.imago-images.de)
Dass zumindest ein Stück weit das gesellschaftliche Bewusstsein für Depressionen unter Spitzen- und Leistungssportlern größer geworden ist, ist auch der Verdienst von Teresa Enke. Als Vorstandsvorsitzende der von ihr im Jahr 2010 gegründeten Robert-Enke-Stiftung hat sie maßgeblich diesen Wandel durch Aufklärung vorangetrieben und der tückischen Krankheit den Kampf angesagt.
Anlässlich dessen wurde sie im Rathaus von Hannover, wo Robert Enke zwischen 2004 und 2009 als Torhüter zwischen den Pfosten stand, mit dem Verdienstorden des Landes geehrt. Die 47-Jährige erklärte gerührt: "Für jeden, der mit Depression zu tun hat, ist es eine Ehrung. Also nicht nur für mich, weil ich bin ja Vorstandsvorsitzende, ich bin die Witwe von Robert. Trotzdem habe ich das natürlich nicht allein vollbracht. Aber es ist natürlich toll, dass ich den Preis bekomme, und ich freue mich sehr."

Sport macht Fortschritte im Umgang mit Suizid

Inzwischen, anders als noch zu Gründungszeiten, könne sie mit ihrem Team auch auf ein breites Netzwerk zurückgreifen und selbst professionelle Hilfe vermitteln, zog Teresa Enke ein Fazit zur Entwicklung der Stiftung.
Im Sport habe sich seit Robert Enkes Suizid der Umgang mit psychischen Erkrankungen durchaus geändert. So ist etwa in Jugendleistungszentren psychologische Betreuung Pflicht, auch in der Ausbildung von Trainerinnen und Trainern spielt das Thema eine Rolle. Und fast jeder große Verein baue auf externe Unterstützung in den Bereichen Psychologie und Psychiatrie.
"Es ist kein Tabuthema, noch wie zu Robbies Zeiten, 'reiß dich mal zusammen' - das gibt es noch vereinzelt, aber nicht mehr groß", benennt Enke diesen wichtigen Fortschritt.

Weitere "Enttabuisierung" wichtig

Allerdings gelten psychische Erkrankungen mitunter immer noch als Schwäche, obwohl sie weit verbreitet sind. Als wichtigsten Punkt ihrer Mission sieht die 47-Jährige die weitere "Enttabuisierung".
Enke unterstreicht: "Das steht im Vordergrund, immer wieder darüber sprechen. Die Leute aufklären, dass Depression eben eine Krankheit und keine Schwäche ist. Das kann man nicht oft genug sagen. Es ist weitestgehend entstigmatisiert, aber es ist natürlich noch viel Platz nach oben."

Stiftung von DFB, Ligaverband und Hannover 96 getragen

Die Robert-Enke-Stiftung wird vom Deutschen Fußball-Bund (DFB), dem Ligaverband (DFL) sowie Enkes letztem Verein Hannover 96 getragen.
Hilfsangebote für Menschen mit Depressionen: Wer das Gefühl hat, an einer Depression zu leiden oder sich in einer scheinbar ausweglosen Lebenssituation zu befinden, sollte nicht zögern, Hilfe anzunehmen. Hilfe bieten zum Beispiel auch die Telefonseelsorge in Deutschland unter 0800 111 0 111, das Info-Telefon Depression unter 0800 3344533 oder die Stiftung Deutsche Depressionshilfe auf ihrer Website.