
Im politischen Berlin gibt es nur wenige, die die Personalie Thorsten Frei überrascht. Sie passt aus mehreren Gründen ins Bild.
Vor der Bundestagswahl vergangenes Jahr war Frei Parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsbundestagsfraktion, unter dem damaligen Fraktionschef und Oppositionsführer Friedrich Merz. In dieser Position managte Frei die Fraktion, er kennt die Arbeit mit den Unionsabgeordneten also bestens.
Dass ihm das Ganze Freude gemacht hat, daraus hat Frei nie ein Geheimnis gemacht. Mit seinem Wechsel zurück an die Spitze der Bundestagsfraktion kehrt Thorsten Frei in einen Bereich zurück, der besser zu ihm passt als das Organisieren des Kanzleramts.
Frei wird der CDU/CSU-Bundestagsfraktion gut tun
Anders als der bisherige Fraktionschef, Jens Spahn, lässt sich Thorsten Frei nicht klar in einem bestimmten Flügel der CDU verorten. In seinem Fachgebiet, der Innenpolitik, vertritt der Südbadener zwar einen harten Kurs. Rhetorisch aber wirkt Frei stets gemäßigt, kompromissbereit und integrierend. Der CDU/CSU-Bundestagsfraktion wird das gut tun.
Über die Parteigrenzen hinweg ist Thorsten Frei gut vernetzt und anerkannt. Mit dem Koalitionspartner, der SPD, wird er gut zusammenarbeiten können. Auch in weiten Teilen der Opposition wird er geschätzt, unter anderem für seine Fähigkeit, zuhören und abweichende Argumente akzeptieren zu können. Beides leider keine Selbstverständlichkeit in der Bundespolitik.
Thorsten Frei als neuer Unions-Fraktionschef – eine Personalie also ohne Haken? Nicht ganz.
Erstens wird dem 52-Jährigen angelastet, das Bundeskanzleramt - gelinde gesagt - nicht gerade vorbildlich geleitet zu haben. Beispiel: Der völlig in die Hose gegangene Koalitionsausschuss in der Villa Borsig im Frühjahr. Die schlechte Vorbereitung dieses Treffens habe Frei verantwortet, sagen seine Kritiker.
Kritik an Thorsten Frei: Zu viele Talkshows, zu selten im Büro
Außerdem sitze er zu viel in Talkshows und zu wenig am Schreibtisch, auch dieser Vorwurf gegenüber Thorsten Frei war aus den Regierungsfraktionen in den vergangenen Monaten immer wieder zu hören. Die oft als chaotisch und langsam wahrgenommene Kommunikation des Bundeskanzlers wurde auch dessen wichtigstem Mann – Thorsten Frei – immer wieder angelastet.
Dazu kommt, dass mit Bekanntgabe des Namens Thorsten Frei das Personalproblem für Friedrich Merz noch nicht gelöst ist. Er muss schließlich noch einen Nachfolger finden für den bisherigen Chef des Bundeskanzleramts, und daran anknüpfend wohl auch noch andere Posten besetzen.
Nachfolge im Kanzleramt: Wer folgt auf Thorsten Frei?
Dass das nicht so einfach ist, zeigt sich daran, dass diese Personalie heute noch nicht verkündet werden konnte. Daran sieht man: CDU-Parteichef Merz tut sich schwer, den oder die Richtige zu finden. Dabei geht es nicht nur um die Qualifikation der In-Frage-Kommenden, sondern auch um Geschlecht, die Interessen der CDU-Landesverbände und die Frage, wer in der Lage ist, sofort und mit vollem Tempo loszulegen.
Thorsten Frei als neuer Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU: Mit dieser Entscheidung haben die Spitzen der Unionsparteien eines der Personalprobleme gelöst. Die Nachfolge von Frei zu klären, wird den Bundeskanzler in den nächsten Tagen noch ordentlich auf Trab halten.














