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StartseiteWirtschaft und GesellschaftEin weiteres Kapitel der Treuhand endet21.11.2019

TLG vor MilliardenfusionEin weiteres Kapitel der Treuhand endet

Die Privatisierung von Immobilien war nach 1989 die Aufgabe der Treuhandtochter TLG. Heute ist das Unternehmen an der Börse notiert und steht vor einer Milliardenfusion. Damit endet eine Ära.

Von Jennifer Stange

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Das Logo der TLG Immobilien auf einem Bürogebäude (picture-alliance / dpa / Arco Images / Schoening Berlin)
Es wäre eine milliardenschwere Fusion: TLG Immoblien und Aroundtown wollen zusammengehen (picture-alliance / dpa / Arco Images / Schoening Berlin)
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Ein Grundstück im Leipziger Stadtteil-Connewitz: Hier baut ein privater Investor vier Stadtvillen mit 111 Wohnungen. Was nicht alle gut finden. Sarah von einer AnwohnerInnen-Intiative erklärt:

"Als dann klar wurde, dass hier was gebaut wurde, gab es keinerlei Versuche des Unternehmens beziehungsweise der Stadt hier ein Beteiligungsverfahren durchzuführen, die Stadt hat auch verpasst, hier eine Bebauung zu erlassen. Das heißt, hier werden auch keine Sozialwohnungen entstehen."

Immer wieder regte sich in Leipzig zuletzt Protest wegen geplanter Neubauten. In diesem Fall geht es um ein Grundstück, auf dem zu DDR-Zeiten ein Staatsbetrieb stand.

"Danach wurde das Gelände der Treuhand überschrieben und die Treuhand hat es an die TLG, die die Immobilien verwaltet, überschrieben und alle Grundstücke der TLG wurden sukzessive privatisiert."

Ökonom: Privatisierungen im Osten rückblickend auch schwierig

Das Grundstück im Leipziger Süden ist nur ein Beispiel dafür, wie sich der ostdeutsche Immobilienmarkt nach 1989 entwickelt hat – wesentlicher Akteur: die Treuhand-Liegenschaftsgesellschaft, kurz TLG. Sie wird 1991 als Tochtergesellschaft der Treuhandanstalt gegründet. Sie verwaltet Gewerbegebiete, Büro- und Wohnimmobilien aus dem ehemaligen Staatsbesitz der DDR. 1995 übernimmt die Bundesrepublik die TLG und verkauft das Unternehmen dann 2012 unter Finanzminister Wolfgang Schäuble an einen Finanzfond. Der bringt die TLG an die Börse.

Heute ist das Unternehmen auf Gewerbeimmobilien, mit Schwerpunkt Ostdeutschland spezialisiert - und wird voraussichtlich zu Jahresbeginn mit Aroundtown Property Holdings fusionieren, die Gesellschaft hat ihren Sitz in Luxemburg und ist nach eigenen Angaben der größte Besitzer von Gewerbeimmobilien in Deutschland. Für den liberalen Immobilienökonom Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln endet damit eine Ära:

"Eine Ära geht natürlich insofern zu Ende, weil hier ein Unternehmen aufgeht in einem größeren Konglomerat, was sich eben speziell mit ostdeutschen Immobilien beschäftigt hat und das es natürlich von der Treuhandgesellschaft gegründet wurde." 

Der Ökonom Voigtländer beschäftigt sich seit Jahren mit dem Immobiliengeschäft. Lange hat er sich für die Privatisierung des ehemaligen Staatseigentums der DDR ausgesprochen. Heute sieht er diesen Prozess auch kritisch.

"Das Problem ist natürlich insgesamt, dass die Eigentumsbildung in Ostdeutschland sehr schleppend voran gegangen ist. Also man hatte weder Beteiligung an den eigenen Unternehmen, noch eben an den Immobilien, noch eben selbstgenutztes Wohneigentum. Eigentum ist ein wichtiger Bestandteil der Marktwirtschaft und da so wenige Ostdeutsche daran beteiligt sind, kann das vielleicht auch erklären, warum die Idee der sozialen Marktwirtschaft in Ostdeutschland immer noch nicht so richtig verfangen hat."

"Ende der DDR wichtig für die Finanzialisierung des Wohnungsmarktes"

Die Privatisierungen durch die TLG habe den Immobilienmarkt vor allem für große private Investoren geöffnet, sagt der linke Politikwissenschaftler Philipp Metzger von der Universität Wien.

"Das war total attraktiv für den Finanzmarkt, sehr billig sehr große Wohnungsbestände zu kaufen. Gleichzeitig war immer ein Problem für die internationale Finanzindustrie, dass wir in Deutschland kleinteilige Besitzstrukturen hatten. Das heißt, der Zahnarzt hat vielleicht zwei Wohnungen vermietet, aber das ist halt total unattraktiv für einen Hedgefonds."

Nach dem Mauerfall konnten ganze Häuserblöcke und große Gewerbeimmobilien gekauft werden. Das habe den Einfluss des Finanzmarktes auf dem deutschen Immobilienmarkt enorm gestärkt, sagt Metzger.

"Das Ende der DDR ist total wichtig für die Finanzialisierung des deutschen Wohnungsmarktes insgesamt."  

Der Name des neuen Unternehmens aus TLG und Aroundtown steht noch nicht fest. Der formelle Sitz des Konzerns, so ein Sprecher von Aroundtown, werde in Luxemburg bleiben.

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