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StartseiteForschung aktuellKrebsgefahr durch zu heißen Kaffee27.09.2017

TrinktemperaturKrebsgefahr durch zu heißen Kaffee

Für viele ist sie das erste Highlight des Tages: Die Tasse Kaffee. Laut einer aktuellen Studie kann zu heißer Kaffee allerdings Speiseröhrenkrebs verursachen. Lebensmittelchemiker fanden heraus, dass das Krebsrisko steigt, wenn die Trinktemperatur über 65 Grad liegt. Das Bedenkliche: Kaffee wird meist viel zu heiß serviert.

Von Volker Mrasek

Ein Zuckerstreuer über eine Tasse Kaffee (Imago )
Kaffee wird in Deutschland meist viel zu heiß serviert. Wer ihn sofort trinkt, hat ein erhöhtes Risiko, an Speiseröhrenkrebs zu erkranken. (Imago )
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400 Mal hat das Chemische Untersuchungsamt in Karlsruhe ganz genau nachgemessen und Thermometer in frisch aufgebrühten Kaffee gesteckt. Überall dort, wo Verbraucher ihn Tag für Tag zu sich nehmen:

 "Das waren typische Cafés, alle bekannten Kaffeeketten, Bäckereien und sonstige Stellen. Denken Sie an den Hauptbahnhof, wo man sich schnell noch einen Kaffee mitnimmt. All dieses haben wir gemessen. Auch alle Maschinentypen. Es gibt ja Vollautomaten oder Siebträgermaschinen. Und im Haushalt gibt's verschiedene Typen: Filtermaschinen, Padmaschinen - all das haben wir berücksichtigt."

Über die Ergebnisse der Messungen berichtete Projektleiter Dirk Lachenmeier jetzt in Würzburg auf dem Deutschen Lebensmittelchemikertag. Demnach ist Kaffee im Durchschnitt 75 Grad heiß, wenn er frisch aus der Maschine kommt.

"Unsere Messungen wurden grundsätzlich als Serviertemperatur durchgeführt, das heißt: Wenn ich den Kaffee wie der normale Kunde auf dem Tisch stehen hatte oder auf dem Tresen, wenn es eben Selbstbedienung ist, dann habe ich die Messungen durchgeführt. Wenn ich den dann unmittelbar trinke, kann ich davon ausgehen, dass ich ihn dann auch mit der gemessenen Temperatur verzehre, das heißt mit den 75 Grad im Durchschnitt. Die höchsten Werte waren auch über 80 Grad oder sogar 90 Grad in Einzelfällen."

Zu heißer Kaffee erhöht das Risiko einer Speiseröhrenkrebs-Erkrankung

Kaffee wird also viel zu heiß serviert. Denn wer ihn ohne Umschweife so trinkt, hat ein erhöhtes Risiko, an Speiseröhrenkrebs zu erkranken. Das hat die Weltgesundheitsorganisation WHO im vergangenen Jahr noch einmal bekräftigt. Demnach ist der Genuss von Heißgetränken schon dann mit einem Krebsrisiko verbunden, wenn die Trinktemperatur 65 Grad übersteigt:

 "Das ist aus Südamerika bekannt oder auch aus dem Iran. Das sind Länder, wo Getränke nochmal deutlich heißer konsumiert werden als hier. Man vermutet, dass das eine ständige Reizung des Gewebes ist, so entzündliche Prozesse. Man verbrennt sich einfach und schädigt das Gewebe. Vielleicht erleichtert man dadurch auch den Eintritt für andere Stoffe, denen man ständig ausgesetzt ist, die dann das Gewebe, das eh schon vorgeschädigt ist, eher angreifen können."

Wenn Kaffee bei uns im Schnitt mit 75 Grad Celsius serviert wird, wie die neuen Messungen zeigen, dann bewegen sich auch deutsche Verbraucher im roten Bereich. Doch wie sollen sie wissen, wann ihr Getränk nur noch 65 Grad hat und damit bedenkenlos genießbar ist? Wie lange der Kaffee heiß bleibe, hänge von verschiedenen Dingen ab, erläutert Lebensmittelchemiker Lachenmeier:

 "War die Porzellantasse vorgewärmt oder nicht? Das macht schon 'mal einen Unterschied. Gebe ich kalte Milch rein oder warme Milch wie beim Cappuccino? Oder nehme ich einen sogenannten To-go-Becher, der isolierend ist? Da hält sich die Temperatur teilweise bis zu 20 Minuten oder noch länger in diesem sehr heißen Bereich."

Lieber warten als direkt trinken

Also besser weder das Gefäß noch die Milch vorwärmen! Wer seinen Kaffee schwarz trinkt, sollte die Tasse nach dem Servieren erst einmal fünf bis zehn Minuten lang nicht anrühren. So lange dauere es in etwa, bis die Trinktemperatur von 75 auf 65 Grad gefallen sei, sagen die Analytiker.

Der Leiter des Karlsruher Untersuchungsamtes, Stephan Walch, möchte aber auch die Hersteller mit ins Boot holen:

"Die Empfehlung ist jetzt sicherlich, dass man sich mit dieser Studie oder mit diesen Daten an die Industrie wendet und generell anregt, darüber nachzudenken, vielleicht die Temperatur bei den Geräten runterzuregulieren."

Das haben die Karlsruher Lebensmittelchemiker jetzt auch in einer Branchenzeitschrift der Gastronomie angeregt. Eine Reaktion darauf steht noch aus. Dirk Lachenmeier ist derweil selbst aktiv geworden und trinkt seinen Kaffee inzwischen nicht mehr so heiß wie vorher. Zumal dann auch das Aroma besser zur Geltung komme, der Kaffeegenuss also eigentlich größer sei:

 "Ich persönlich habe 'mal in meinen Vollautomaten geschaut, und da kann man tatsächlich die Temperatur einstellen. Das weiß kaum jemand. Das ist fast bei jedem Vollautomaten möglich. Und ich habe meinen jetzt auf die geringste Temperatur eingestellt."                                                   

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