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StartseiteSprechstundeRettung nach Tauchunfällen10.07.2018

ÜberdruckkammernRettung nach Tauchunfällen

Hautjucken, Schwindel, Müdigkeit, im schlimmsten Fall Lähmungen - wer nach dem Tauchgang zu schnell nach oben kommt, bekommt es mit der "Taucherkrankheit" zu tun. Dagegen hilft die Sauerstofftherapie in einer Überdruckkammer. Die dafür benötigten Kammern gibt es allerdings nicht überall im Lande.

Von Wolfgang Noelke

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Ein Taucher betrachtet buschige Weichkorallen an einem Korallenriff-Steilabfall vor der Insel Palawan. (imago stock&people/Norbert Probst)
Schön, aber auch gefährlich: Tauchen (imago stock&people/Norbert Probst)
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Tauche nie allein, diese erste Taucherregel ist leichter einzuhalten als die zweite, stets Ruhe zu bewahren, wenn im trüben Gewässer zum Beispiel der Kollege nicht zu sehen ist.

"Für einen ungeübten Taucher ist das ein gewaltiger Stressfaktor. Das heißt, es wird auf einmal gewaltig die Atmung hochgehen, er wird sehr viel Luft verbrauchen und möglicherweise falsche Reaktionen bringen", so Dr. Dietmar Berndt, Sachverständiger für Tauchunfälle über einen der häufigsten Zwischenfälle.

"Es kommt natürlich nicht immer zum Unfall. Aber diese Unfälle, die ich dann hatte, wo Gruppentrennungen waren, waren immer Gruppentrennung eigentlich so das auslösende Moment. Ab dann kamen dann andere Fehler dazu: Der eine Taucher, der hat nach der Trennung einfach seine Flasche leergeatmet. Auf einmal war der noch auf acht Meter und hatte keine Luft mehr und ist da unten schlicht ertrunken. Die anderen haben ihn dann später gefunden, aber da lag er dann schon nicht mehr reanimierbar ab Boden."

Barotrauma durch Druckauswirkungen beim Tauchen

Harmlos dagegen klingen diese typischen Taucherleiden, wie Ohrenschmerzen, deren Ursachen die Kölner Hals-Nasen-Ohren-Ärztin Dr. Maria Grosheva vorstellte:

"Beim Tauchen im See, als auch im Meer war die Ursache der Ohrenschmerzen die gleiche. Das hat uns sehr überrascht und das war nicht Ohrenschmalz oder Entzündung des Gehörgangs, sondern die häufigste Ursache des Ohrenschmerzes war ein sogenanntes Barotrauma. Als Barotrauma bezeichnet man Veränderungen des Trommelfels und Veränderungen der Mittelschleimhaut infolge von Druckauswirkungen, die man natürlich hat, beim Tauchen."

Schwerpunkt des Symposiums waren Erkrankungen, für deren Therapie sich tauchmedizinische Technik bestens eignet: Überdruckkammern. Vor Kohlenmonoxidvergiftungen werden selbst Rettungskräfte nicht verschont.

"Wenn man den Patienten untersucht und die Symptome feststellt, das sind meist kirschrote Hauterscheinungen, ist es in der Regel schon zu spät. Dann schafft man meist den Rückweg aus dem Gefahrenbereich, wo das Kohlenmonoxid die entsprechende Dosis erreicht hat, dass sie für einen selber gefährlich bis tödlich sein kann, nicht mehr."

Vier Fälle für hyperbare Sauerstofftherapie

Für Michael Schwab im Rettungsdienst, gehören Kohlenmonoxid- Unfälle zu den Alltagsgefahren:

"In unserer Region sind es immer mal wieder Weinkeller, oder auch in der Landwirtschaft Silos, die einen Kohlenmonoxid-Anstieg aufweisen und wo dann meistens der erste Arbeiter oder Landwirt oder Weinbauer verunglückt, meistens dann ein Familienangehöriger das Retten versucht und dann bewusstlos bis verstorben danebenliegt. Dann brauchen sie schnell Sauerstoff und idealerweise hyperbaren Sauerstoff, den es dann nur über die Druckkammern gäbe.

Hyperbare Sauerstoffterapie ist erwiesenermaßen erfolgreich in mindestens vier Fällen.

"Das sind der Tauchunfall, das ist für Kohlenmonoxidintoxikation zum Beispiel in der Gastherme oder beim Hausbrand, das ist die arterielle Gasembolie, wie sie die Patienten zum Beispiel haben, wenn sie von der Herz-Lungenmaschine kommen, nach einer Herz-OP. Der vierte Fall ist der Gasbrand nach einer Infektion, die dazu führt, dass die Muskulatur und das Gewebe abstirbt."

Hochdruckkammern nicht flächendeckend vorhanden

Dr. Michael Pawlik ist stellvertretender Direktor des Regensburger St.-Josef-Krankenhauses. Er beklagt die in Deutschland zu geringe Zahl der Hochdruckkammern:

"Man muss schon konstatieren, dass die Versorgung flächenweit nicht sichergestellt ist. Ich hab das auch in einer Karte gezeigt: der Süden ist relativ gut repräsentiert, dann die Gegend um Halle-Leipzig natürlich, aber der Westen oben rauf, im Nordosten da oben, der ist leer."

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