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StartseiteUmwelt und VerbraucherGrüne Alltagsprodukte für die Zukunft24.08.2015

UN-KlimagipfelGrüne Alltagsprodukte für die Zukunft

In genau 97 Tagen beginnt die COP21, der UN-Klimagipfel in Paris. Ein Ereignis, auf das auch die 100 Teilnehmer des sogenannten "proof of concept 21" zuarbeiten. In einem "Innovation Camp" in einem Schloss im Süden von Paris haben sich Erfinder und Experten aus der ganzen Welt versammelt, um umweltfreundliche Prototypen für Gebrauchsgegenstände entwickeln.

Von Suzanne Krause

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Die Fassade des Schlosses von Millemont, das auf das 16. Jahrhundert zurückgeht, ziert ein großes Spruchband. Seine Botschaft gilt allen Teilnehmern des Innovation Camps als Programm: 'Im Raumschiff Erde gibt es keine Fahrgäste. Wir alle sind die Crew.'

Um die Menschheit auf nachhaltigen Kurs  zu bringen, schrauben, feilen, hämmern die Camp-Teilnehmer in den ehemaligen Stallungen nebenan, in eigens eingerichteten Werkstätten für traditionelle Holz- und Metallverarbeitung. Zur Verfügung stehen ebenso High-Tech-Werkzeuge, wie 3-D-Drucker und digitale Fräsmaschinen. Romain Minou, Architekt und spezialisiert auf den Bereich Öko-Bau, sitzt an einem der Werkstatt-Computer.

"Wir entwickeln gerade urbanes Mobiliar, das erlaubt, Computer und Handy aufzuladen und via Internet-Zugang eine digitale Arbeitssitzung abzuhalten. Wenn Sie in Paris auf Durchreise sind, brauchen Sie dann dafür nicht mehr ins Café gehen und Geld für Getränke ausgeben. Der Arbeitsplatz unter freiem Himmel funktioniert dank einer Fotovoltaik-Installation. Im September werden wir dieses urbane Mobiliar in Paris an den Seine-Kais aufbauen."

Unentgeltliche Öko-Bau-Anleitungen

Die Idee zu diesem Innovation Camp kam vor drei Jahren auf. Organisiert wird es vom französischen Verein Oui Share und der deutschen Open-State-Bewegung. Eine der Taufpatinnen des Projekts auf französischer Seite ist Justyna Swat, Architektin und Ingenieurin. Swat ist aktiv in der Open-Source-Bewegung. Die vertreibt via Internet kostenlos Software. Und mittlerweile gleichfalls unentgeltlich Bau-Anleitungen, sei es für Hühnerställe im Hinterhof oder auch Solaranlagen im Vorgarten.

"Mit dem Innovation Camp wollten wir einen Ort schaffen, an dem Erfinder und Experten, die sonst kaum je Gelegenheit zur Zusammenarbeit finden, gemeinsam Prototypen entwickeln können. Wir wollten, dass bahnbrechende Ideen aus der Fab-Lab-Welt, aus der Garagen-Werkstatt der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Wir entwickeln hier grüne Alltagsprodukte für die Zukunft, von der Community für die Community, vom Nutzer für den Nutzer."

Nachhaltiger Lebensstil

Das Erdgeschoss des Schlosses dient als Denkfabrik. Die erste Etappe auf dem Weg, aus den zwölf Projekten gut durchdachte marktreifen Prototypen zu fabrizieren. Der Entwickler urbaner Gemüsegarten-Anlagen holt sich Rat bei einem Experten für Perma-Systeme: biologische Kreisläufe, die sich in der Natur bewährt haben. Eine Industrie-Designerin erklärt ihm, wie er seine Baupläne für jedermann verständlich abfassen kann. Denn ab Mitte September werden alle Konstruktionsanleitungen kostenlos im Internet verfügbar sein. Besonderen Wert legen die Organisatoren des Innovation Camps darauf, dass die Erfindungen möglichst problemlos reparierbar sind. Keine Wegwerf-Ware, sondern Produkte für einen nachhaltigen Lebensstil. Dominik Winds Lieblings-Projekt ist die Shower-Loop.

"Das ist ein Projekt, das Neun Zehntel der Energie, die gebraucht wird, um zu duschen, einspart. Indem es das Wasser in Echtzeit sozusagen, das verwendet wird und einmal erhitzt wurde jetzt im Haus, unter der Dusche auffängt und nicht ableitet, filtert, wieder nach oben pumpt, deswegen Loop, den Kreislauf also schließt und oben wieder warm und sauber rauskommt. Das heißt, das ist nach ungefähr eineinhalb Jahren nach jetzigem Produktionsstand abbezahlt und ab dann spart man Geld und Energie."

Die Open-State-Bewegung, die Dominik Wind mitgründete, holte letztes Jahr nahe Berlin erstmals drei Tage lang Erfinder und Experten zusammen. Eine Art Testlauf vor dem jetzigen Innovation Camp bei Paris. Dort, bei der POC21, entwickelt die Zivilgesellschaft nun konkrete Lösungen für den Kampf gegen den Klimawandel – ohne auf Politik und Wirtschaft zu warten.

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