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StartseiteForschung aktuellArmut und Klimawandel bedrohen Minderjährige weltweit19.02.2020

UN-Studie zum KinderwohlArmut und Klimawandel bedrohen Minderjährige weltweit

Kinder in reichen Ländern haben bessere Chancen auf eine gute Entwicklung als ihre Altersgenossen in armen Ländern. Das ist das Ergebnis einer Studie von WHO und UNICEF. Lu Gram, Mitautor der Studie, wies im Dlf darauf hin, dass auch deutsche Jugendliche an zu hohem CO2-Ausstoß leiden.

Lu Gram im Gespräch mit Michael Böddeker

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Die WHO und die UN haben einen Untersuchung zum Kinderwohl erstellt. In den Index flossen Daten über Gesundheit, Schulbildung und Ernährung ein. Risikofaktoren für Kinder waren, so Studien-Mitautor Dr. Lu Gram vom Institute for Global Health am University College London, unter anderem Klimawandel, Umweltzerstörung, Fettleibigkeit sowie Alkohol- und Tabakkonsum.

Kinder protestieren und halten Plakate mit Aufschriften wie "Ihr habt unsere Zukunt in euren Händen" in die Höhe. (imago/Christian Mang) (imago/Christian Mang) UNO-Bericht zur Lage MinderjährigerArmut, Klimawandel und Werbung für schädliche Produkte: Kinder von heute sehen einer ungewissen Zukunft entgegen. Zu diesem Schluss kommen Fachleute, die im Auftrag der WHO, Unicef und der medizinischen Fachzeitschrift 'The Lancet' die Lage von Minderjährigen analysiert haben.

Michael Böddeker: Was sind die größten zukünftigen Probleme für Kinder und Jugendliche weltweit?

Lu Gram: Wenn man sich alles anschaut, das das Wohlbefinden von Kindern betrifft, und zwar nicht nur jetzt, sondern auch in der Zukunft, dann gibt es laut unserem Bericht kein einziges Land auf der ganzen Welt, das genug tut, um die Gesundheit von Kindern zu schützen. Wohlhabendende Länder wie in Europa oder Nordamerika bieten zwar im Moment sehr gute Entwicklungsmöglichkeiten für Kinder. Aber diese Länder tragen zugleich am stärksten dazu bei, der Gesundheit von Kindern in der Zukunft zu schaden, und zwar durch Treibhausgas-Emissionen und Umweltzerstörung.

Böddeker: Im Bericht steht, dass Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen ein großes Problem für die Gesundheit ist. Woran liegt das?

Gram: Eine unserer Hauptaussagen ist, dass es zu wenige Auflagen für kommerzielle Werbung gibt. Die Idee, dass der freie Markt sich an der Stelle selbst reguliert, ist fehlgeschlagen. Unser Bericht zeigt, auf wie viele Arten Werbung den Kindern schadet - nicht nur in Ländern mit einem hohen Durchschnittseinkommen, sondern weltweit, zum Beispiel durch Werbung für Muttermilch-Ersatz. Denn wir wissen, dass echte Muttermilch lebenswichtig für Kinder sein kann. Es gibt auch Werbung für ungesundes Essen wie Fast Food, die sich an Kinder richtet, oder Werbung für stark zuckerhaltige Getränke oder sogar für Tabak und Alkohol. Deshalb appellieren wir an Regierungen weltweit, solche Werbung stärker zu regulieren. Denn diese Werbung verursacht gesundheitliche Probleme bei Kindern und Jugendlichen, wie etwa Übergewicht.

Deutschland: Nicht alles gut

Böddeker: In dem Bericht gibt es auch eine Rangliste. Welche Länder schneiden besonders gut oder besonders schlecht ab?

Gram: Wenn man sich die aktuelle Lage anschaut, dann sieht man an der Spitze Länder wie Norwegen, Südkorea oder die Niederlande. Deutschland steht auch ganz gut da, auf Platz 14. Am unteren Ende der Rangliste findet man afrikanische Länder wie die Republik Zentralafrika, den Tschad oder Somalia. Wenn es aber darum geht, wie gut Länder für die Zukunft der Kinder sorgen, was die CO2-Emissionen angeht, dann ist es genau andersherum. Länder wie die Republik Zentralafrika haben fast keinen CO2-Fußabdruck. Länder wie Deutschland dagegen liegen um mehr als das Doppelte über dem, was sie eigentlich an Treibhausgasen ausstoßen sollten. Diese Länder sollten also ihre Emissionen senken."

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