Montag, 08. August 2022

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Ungarn
Umgang mit Flüchtlingen erschreckt Navid Kermani

Der Schriftsteller Navid Kermani ist auf der Balkanroute unterwegs. Er will sich ein Bild von der Situation der Flüchtlinge machen. Der DLF hat ihn telefonisch an einer Tankstelle an der mazedonisch-griechischen Grenze erreicht. Tief beunruhigt habe ihn die Lage in Ungarn, erzählt Kermani, wo zum Teil "sehr, sehr erschreckend" über die flüchtenden Menschen gesprochen werde.

Navid Kermani im Gespräch mit Kathrin Hondl | 27.09.2015

    Der deutsch-iranische Schriftsteller Navid Kermani, steht nach der Verleihung des Kleist-Preises am 18.11.2012 in Berlin im Berliner Ensemble.
    Der Islamwissenschafter und Schriftsteller Navid Kermani. (picture alliance / dpa / Marc Tirl)
    "Was mich am meisten erschreckt hat, ist Ungarn, ein Land, das in den Staatsmedien, in den Zeitungen wirklich Propaganda macht auf allen Kanälen gegen Flüchtlinge", berichtet Kermani über Ungarn. Vorfälle wie der einer Kamerafrau, die einem syrischen Flüchtling mit Kind auf dem Arm ein Bein gestellt habe, seien "das Ergebnis einer wirklichen Kampagne".
    Die Flüchtlinge in Ungarn würden fast ausschließlich von freiwilligen Helfern versorgt, führte der habilitierte Islamwissenschaftler aus. Das seien zwar in der Summe sehr viele Menschen, doch sie fühlten sich isoliert. Teilweise hielten sie ihre Namen geheim aus Angst vor Angriffen von Asylfeinden. Zudem müssten sie fürchten, aufgrund ihres Engagements kriminalisiert zu werden.
    Navid Kermani ist einer der herausragenden aktiven Schriftsteller in Deutschland. Im Auftrag des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" reist er auf der sogenannten Balkanroute den Flüchtlingen entgegen. Begleitet von dem Fotografen Moises Saman. Nach eigenen Worten trifft Kermani vor allem ihm persönlich bekannte Schriftsteller-Kollegen und Intellektuelle, die ihm vor Ort jeweils mit Menschen in Kontakt brächten. Ansonsten seien die Einblicke, die er bekomme, auf seiner sehr "dicht gedrängten Reise in Sieben-Meilen-Stiefeln durch Europa" gar nicht möglich.
    Das Gespräch mit Navid Kermani können Sie mindestens sechs Monate in unserer Mediathek nachhören.