Samstag, 01. Oktober 2022

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Ungarn und Europa
30 Jahre Umbruch

Das "Paneuropäische Picknick" im August 1989 machte den symbolträchtigen Anfang. Tatsächlich hatte Ungarn schon zuvor Signale der Öffnung Richtung Westen geschickt. Die Erinnerung an Ungarns Rolle beim Fall des Eisernen Vorhangs und der Berliner Mauer ist Anlass für einen Blick auf das Land heute.

Von Stephan Ozsváth | 09.11.2019

    Ungarische Grenzbeamte schneiden im Mai 1989 an der Grenze zu Österreich ein Loch in den "Eisernen Vorhang"
    Ungarische Grenzbeamte schneiden im Mai 1989 an der Grenze zu Österreich ein Loch in den "Eisernen Vorhang" (picture alliance/ AP/ Bernhard J. Holzner)
    In fünf Reportagen blicken die "Gesichter Europas" auf Geschichtsinterpretationen, Medienpolitik, auf neue Mauern, aber auch auf zarte Pflänzchen der Europa-Begeisterung.
    László Magas
    Vom Grenzöffner zum Fidesz-Politiker
    Vor 30 Jahren organisierte László Magas das sogenannte Paneuropäische Picknick an der ungarisch-österreichischen Grenze, das viele DDR-Bürger zu Flucht in den Westen nutzten. Heute ist er Politiker der rechtsnationalen Regierungspartei Fidesz in Ungarn und verteidigt die Zäune an der EU-Außengrenze.
    Das Denkmal des ungarischen Nationalhelden Imre Nagy auf einer Brücke
    Der Griff nach dem Gestern
    In Budapest wurde die Statue des Nationalhelden Imre Nagy umgezogen. Der Reformkommunist passte schon länger nicht mehr in das Geschichtsbild der Regierung, sagt Historiker Janós Rainer. Die habe eine eindimensionale Sicht auf den Volksaufstand von 1956 und beschwöre lieber das alte Ungarn herauf.
    Mitglieder der liberalen ungarischen Oppositionspartei
    Ungarns Europafreunde
    Bei den Kommunalwahlen in Ungarn Mitte Oktober gingen Budapest und andere große Städte an die Opposition. Die Strategie dahinter: Parteien aller couleur unterstützten die Kandidaten mit den größten Chancen. Im Oppositionsbündnis vertreten war auch die europafreundliche Partei "Momentum".
    Journalist Attila Babos in den Redaktionsräumen des Online-Magazins Szabad Pécs in Ungarn
    "Weil Ungarn freie Medien braucht"
    Unter der Regierung von Viktor Orbán ist Ungarn im Pressefreiheits-Ranking von "Reporter ohne Grenzen" deutlich abgesackt. Journalisten wird die Arbeit erschwert, viele berichten nicht mehr kritisch. Doch Attila Babos und seine Kollegen schwimmen mit einem kleinen Online-Magazin gegen den Strom.
    Die Aktivistengruppe der Freien Ungarischen Botschaft hat ihren Sitz in der Szenekneipe Szimpla in Berlin-Friedrichshain
    Hoffen auf Wandel im Heimatland
    In Berlin leben etwa 10.000 Ungarn. Einige von ihnen haben sich in der „Freien Ungarischen Botschaft“ organisiert, um vom Exil aus für ein anderes Ungarn zu werben. Sie stört die autoritäre, nationalistische Richtung, die ihr Heimatland unter Ministerpräsident Viktor Orbán eingeschlagen hat.