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StartseiteCampus & KarriereHilfe für geflüchtete Forscher in den USA25.09.2018

Universität im Exil Hilfe für geflüchtete Forscher in den USA

Ein Konsortium aus elf US-Universitäten bietet verfolgten Wissenschaftlern aus aller Welt eine akademische Heimat: Stipendien sollen ihnen die Möglichkeit geben, begonnene Projekte zu beenden und in den USA über ihr politisches Engagement zu sprechen. Ein Konzept, das aufzugehen scheint.

Von Heike Wipperfürth

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Alma Mater-Statue vor der Bücherei der Columbia University, New York City (idpa / imageBROKER / Walter G. Allgöwer)
Auch die Columbia Universität in New York ist an dem Konsortium beteiligt (idpa / imageBROKER / Walter G. Allgöwer)
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"Wir wollen Menschen aus anderen Ländern in einer Zeit willkommen heißen, in der unsere Regierung die Einwanderung in die USA erschwert." Jonathan Fanton, ehemaliger Rektor der New School for Social Research in New York, stellt sich wie viele Wissenschaftler gegen die Abschottungspolitik Donald Trumps.

In den 30er-Jahren wurde die New School weltberühmt, weil sie als "Universität im Exil" vom NS-Regime verfolgten Wissenschaftlern eine akademische Heimat bot. Und jetzt will sie an diese humanitäre Tradition anknüpfen - auf ungewöhnliche Art: Gemeinsam mit anderen Universitäten gründetet sie Anfang September "Das Neue Universität im Exil Konsortium" - jedes Mitglied vergibt Stipendien an bedrohte Wissenschaftler aus anderen Ländern.

Zweijährige Stipendien für bedrohte Wissenschaftler

Arien Mack, Psychologieprofessorin an der New School, ist in der Vereinigung federführend: "Wir hoffen, dass wir das Gefühl der Entfremdung reduzieren können, das alle bedrohte Wissenschaftler mit sich bringen."
 
Ein Konzept, das aufzugehen scheint. An der Gründung des Konsortiums nahmen insgesamt elf Universitäten teil. Darunter befinden sich die Columbia Universität in New York, die Rutgers Universität in New Jersey und die Brown Universität in Rhode Island. Und neue Interessenten bitten um Aufnahme, sagt Arien Mack.

Sie müssen sich verpflichten, bedrohten Wissenschaftlern ein zweijähriges Stipendium zu gewähren. So können sie zu Hause verbotene Projekte zu Ende führen und US-Studierenden Einsicht in ihr politisches Engagement vermitteln. 

Traumata wie Haft oder Bürgerkrieg angehen

Warum aber eine Zusammenarbeit, wenn viele US-Unis, darunter auch die New School, schon seit Jahren Stipendien an bedrohte Wissenschaftler vergeben? Weil ein breiteres Engagement notwendig ist, um den kulturellen Wechsel zu verarbeiten oder Traumata wie Haft oder Bürgerkrieg anzugehen, sagt Arien Mack.  

Um von dem großzügigen Angebot Gebrauch zu machen, sollten Forscher, die um ihre Arbeit oder ihr Leben fürchten, sich aber nicht direkt an die US-Unis wenden. Denn Vermittler an die Unis sind New Yorker Hilfsorganisationen wie Scholars at Risk oder Scholar Rescue Fund.

Aus der Ferne für die akademische Freiheit im eigenen Land kämpfen

Die Voraussetzung einer gelungen Bewerbung: ein Empfehlungsschreiben der US-Uniabteilung, in der bedrohte Wissenschaftler forschen wollen - und ein gültiger Pass. Cem Özatalay hat die Prüfung bestanden - und ist seit zwei Wochen ein Stipendiat mit großen Plänen an der New School:

"Ich werde versuchen, mein Buch zu Ende zu schreiben. Das konnte ich in der bedrückenden Atmosphäre in der Türkei nicht. Ich konnte dort noch nicht einmal recherchieren. Und ich werde an ein paar Seminaren und Konferenzen teilnehmen und Vorträge an dieser und anderen Universitäten halten."

Dem hoch angesehenen Soziologieprofessor droht in der Türkei eine Gefängnisstrafe, weil er den Mut hatte, gemeinsam mit vielen anderen eine Petition für den Frieden zwischen Kurden und der Türkei zu unterschreiben. Trotz seiner Schwierigkeiten bereut er seine Entscheidung nicht. Und hat sich entschlossen, für die akademische Freiheit in seinem Land aus der Ferne zu kämpfen.

Hunderte von Akademikern dürfen nicht einreisen

Zustimmendes Kopfnicken von Mohammed Alahamad, der mit seiner Familie vor islamischen Radikalen aus Syrien fliehen musste. Jetzt unterrichtet er arabische Literatur an der Georgetown Universität in Washington. Und warnt vor den Auswirkungen des Einreisebanns für Muslime der Trump-Regierung auf bedrohte Wissenschaftler: "Ich bin froh, dass ich hier bin. Aber ich bin auch traurig. Denn Hunderten von Akademikern aus Syrien wird nicht geholfen. Sie dürfen aufgrund des Einreisestopps nicht in die USA kommen." 

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