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Unterrichtsbeginn in Bayern
Schüler sollen länger schlafen können

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband hat sich zum Ziel gesetzt, einen späteren Schulbeginn an den bayerischen Schulen durchzusetzen - auch weil Studien zeigen, dass der Biorhythmus der Kinder und Jugendlichen mit der 8-Uhr-Regelung so seine Probleme hat. Bei der Politik rennen die Lehrer damit offene Türen ein.

Von Susanne Lettenbauer | 24.07.2015

    Schülerinnen und Schüler der Anne-Frank-Realschule in München (Bayern). Die Anne-Frank-Realschule in München wurde am 06.06.2014 in Berlin mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet.
    Schülerinnen und Schüler der Anne-Frank-Realschule in München. (dpa / Tamas Magyar / Referat für Bildung und Sport / Stadt München)
    "Was haltet Ihr von einem späteren Schulbeginn?"
    Die Reaktion ist eindeutig. Länger schlafen, später zur Schule fahren, den Tag langsamer beginnen ein cooler Vorschlag sei das der neuen Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes BLLV Simone Fleischmann meinen Schüler und Schülerinnen in München.
    Flexibe Unterrichtszeiten verbunden mit einem späteren Start in den Schultag, darüber diskutiert der BLLV bereits seit einigen Jahren. Studien hätten gezeigt, dass Schüler und Schülerinnen um 8 Uhr noch nicht wirklich ausgeschlafen und fit im Klassenraum sitzen. Warum also nicht so etwas wie Gleitzeit für Schüler einführen, fordert BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann:
    "Also wenn man sich solche Modelle der flexibilisierten Anfangsphase anschaut, dann kennen wir das von den Schlussphasen der Schulzeit, ob im Hortbereich, in der Mittagssbetreuung oder auch im Ganzstagsbereich. Rhythmisierter Ganztag heißt, das es zwischendurch Spiel-, Reflexions- und Kreativphasen gibt. So müsste man sich auch die Morgenphase überlegen, selbstverständlich mit einem Frühstück, mit etwas zu trinken."
    Die Forderung Fleischmanns rennt bei vielen Politikern offenen Türen ein. Für die Staatsregierung ist der Vorschlag sogar ein alter Hut. Die gesetzlichen Voraussetzungen seien bereits seit Jahren gegeben in Bayern, betont die CSU-Bildungspolitikerin Kerstin Schreyer-Stäblein. Schulleiter könnten bereits heute eigenverantwortlich bestimmen, wann Unterrichtsbeginn ist. So starten ländliche Schulen oftmals bereits zehn Minuten vor Acht, andere erst Viertel nach Acht, weil die Zug- und Busverbindungen das nahelegen. Beispiel - eine Ganzstagsschule im oberfränkischen Wiesenthau bei Forchheim:
    "Das Modell Wiesenthau ist seit einigen Jahren ja bereits aktiv und läuft sehr gut. Die Idee, die sich Wiesenthau vor fünf, sechs Jahren gemacht hat war, dass sie gesagt haben, wir sind im ländlichen Raum und die Kinder müssen oft mit dem Bus anfahren und weil diese Kinder mit dem Bus fahren, stehen sie schon sehr früh an den Bushaltestellen, das ist aber nichts Neues, weil es bereits jetzt in der Schulordnung möglich ist, diese Dinge zu tun."
    Das Modell Wiesenthau laufe hervorragend, sagt Schreyer-Stäblein. Andere Schulen im Umkreis wollen nachziehen und ebenfalls erst später mit dem Unterricht starten, auch wenn einige Schüler Bedenken haben.
    Gerade in Nordbayern – Oberfranken, Oberpfalz und Unterfranken – liebäugeln die Schulleiter mit der entspannten 9 Uhr-Möglichkeit. Schüler könnten zwischen sieben und neun Uhr eintreffen, ein gemeinsames Frühstück wäre möglich, das soziale Miteinander bekäme so einen ganz anderen Stellenwert. Günter Felbinger kennt als Freie-Wähler-Abgeordneter die Situation im unterfränkischen Main-Spessart-Kreis. Der BLLV rennt bei bei dem Bildungsexperten offene Türen ein:
    "Ja gut, es gibt ja eindeutige wissenschaftliche Erkenntnisse, dass der Biorhythmus des Menschen ein bisschen später so richtig in Fahrt kommt als der Unterricht beginnt derzeit an Bayerns Schulen und wenn es dazu beitragen kann, dass die Kinder effizienter lernen, mehr Spass, mehr Freude am Unterricht haben, dann denke ich, ist es nicht mehr als sinnvoll, darüber nachzudenken, wie kann man das gestalten."
    Natürlich müssten die Kommunen ins Boot geholt werden, die Verkehrsbetriebe und die Elternverbände, gibt Felbinger zu. Bis zum kommenden Schuljahr dürfte sich der Unterrichtsbeginn noch nicht ändern, kommendes Jahr stünden die Chancen schon viel besser, ausgeschlafener in die Schule zu starten. Die Rahmenbedingungen stimmen, jetzt seien die Schulen am Zug so die CSU:
    "Ich gehe davon aus, dass die Schule selbst in der Lage ist, am besten zu wissen, was für sie gut ist. Und sie wird im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Schule entwickeln, die Möglichkeiten sind alle vom Freistaat gegeben."