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Urteil im Apotheker-Prozess
Staatsanwalt fordert 13 Jahre Haft

Im Prozess um gestreckte Krebsmedikamente wird am Vormittag das Urteil erwartet. Während die Staatsanwaltschaft 13 Jahre Haft für den Bottroper Apotheker Peter S. fordert, sehen seine Verteidiger seine Schuld als nicht erwiesen und wollen einen Freispruch.

Von Denise Friese | 06.07.2018
    Der Angeklagte (M) kommt in den Gerichtssaal, neben ihm zwei Polizeibeamte.
    Peter S. ist der angeklagte Bottroper Apotheker im Prozess am Landgericht Essen (dpa/Marcel Kusch)
    Nach über acht Monaten soll vor dem Essener Landegericht das Urteil gegen den Bottroper Apotheker Peter S. fallen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, individuelle Krebstherapien mit zu wenig oder ganz ohne Wirkstoff hergestellt zu haben. In rund 60.000 Fällen. Bei den Abrechnungen habe er außerdem die Krankenkassen um 53 Millionen Euro betrogen, sagt der Essener Staatsanwalt. Er fordert dreizehneinhalb Jahre Haft und ein lebenslanges Berufsverbot.
    Am Gerichtsverfahren waren auch 50 Patienten und Angehörige von Verstorbenen als Nebenkläger beteiligt. Sie sind froh, dass es endlich zum Abschluss kommt: "Ich erwarte und erhoffe mir ein zweistelliges Urteil, mein Anwalt hat in seinem Plädoyer mindestens 14 Jahre gefordert.
    "Ich persönlich erwarte ein ganz krasses Urteil, damit die Leute mal darüber nachdenken, was sie da tun."
    "Anstrengend und man ist erschöpft. Aber, wir haben gekämpft und sehen unser Ziel, dass die gerechte Strafe kommt."
    Verteidigung fordert Freispruch
    Für Marcus Hochheimer, Anwalt einer Nebenklägerin, die vom Bottroper Apotheker ihre Krebstherapien bekommen hat, ist die Forderung des Staatsanwaltes angebracht. Dreizehneinhalb Jahre Haft wäre fast das Höchstmaß: "Das ist beachtlich letztlich, weil wir haben einen nicht vorbestraften Täter hier. Aber letztlich spiegelt es das doch wieder, was aus meiner Sicht angemessen ist. Weil meine persönliche Überzeugung ist, nicht, dass er das mit Absicht gemacht hat. Sondern ich meine, noch viel schlimmer, es war ihm egal."
    Peter S. hat während des gesamten Verfahrens kaum eine Miene verzogen und kein Wort gesprochen. Auch durch seine Verteidiger ließ er zu den Vorwürfen nichts verkünden. Besonders für die Patienten, die im Gerichtsaal mit dabei waren, war das die größte Belastung. Renate Okrent, die fast jeden Prozesstag miterlebt hat, hatte sich mehr erhofft: "Ansonsten war ich immer stark, gefasst. Aber in der letzten Woche, bedingt durch die Plädoyers, ging auch bei mir alles hoch. Wir hatten eigentlich gehofft, dass er mal den Mund aufmacht und sich mal äußert."
    Für die Verteidiger von Peter S. konnte nicht bewiesen werden, dass er Krebstherapien unterdosiert habe. Damit sei auch der Vorwurf des Betrugs an den Krankenkassen hinfällig. Außerdem seien durch einen Hirnschaden mögliche Fehler unbewusst geschehen. Sie fordern einen Freispruch.