
Dienstag, 3. März
+++ Das UNO-Büro für Menschenrechte fordert eine Untersuchung der Bombardierung einer Mädchenschule im Iran.
Der Hochkommissar für Menschenrechte, Türk, verlange eine unparteiische Aufklärung des "schrecklichen" Vorfalls, teilte eine Sprecherin in Genf mit. Die Verantwortung für die Untersuchung liege bei den Streitkräften, die den Angriff verübt hätten: "Wir fordern sie auf, die Ergebnisse zu veröffentlichen und dafür zu sorgen, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden und die Opfer Entschädigung erhalten." Iranischen Staatsmedien zufolge waren bei dem Angriff auf die Schule in Minab im Süden Irans am Samstag über 160 Schülerinnen, Lehrerinnen und Eltern getötet worden. US-Außenminister Rubio erklärte, die US-Truppen würden "nicht absichtlich eine Schule ins Visier nehmen".
+++ Im Libanon sind nach Angaben der UNO mindestens 30.000 Menschen vertrieben worden.
Die Zahl beruhe auf "konservativen Schätzungen" derjenigen Menschen, die in Sammelunterkünften untergebracht und gemeldet worden seien, erklärte ein Sprecher des UNO-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) in Genf. Aus Teilen des Südlibanon, der Bekaa-Ebene im Ostlibanon und südlichen Vororten von Beirut seien "bedeutende Bevölkerungsbewegungen" gemeldet worden.
+++ Die israelische Armee will im Libanon weiter vorrücken, um gegen die pro-iranische Hisbollah-Miliz vorzugehen.
Ein Sprecher kündigte die Schaffung einer "Pufferzone" an. Dafür sollten die Bewohner von mehr als zwei Dutzend Ortschaften ihre Siedlungen verlassen. Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, drangen israelische Bodentruppen bereits in eine Grenzregion im Südlibanon vor. Israel hatte zuvor Luftangriffe auf die Hauptstadt Beirut geflogen. Ziel seien Kommandozentralen und Waffenlager der Hisbollah gewesen, hieß es. Die islamistische Miliz griff ihrerseits mit Drohnen Militärstützpunkte in Israel an. Auch der Beschuss eines britischen Stützpunkts auf Zypern wird der Hisbollah zugerechnet.
+++ Die israelische Armee hat eigenen Angaben zufolge bei Luftangriffen wichtige Regierungsgebäude in Teheran getroffen.
In der Nacht habe die israelische Luftwaffe "Einrichtungen des Führungskomplexes des iranischen Terrorregimes angegriffen" und dabei das "Präsidialamt sowie das Gebäude des Nationalen Sicherheitsrats" bombardiert, erklärte die Armee.
+++ Nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA ist die iranische Atomanreicherungsanlage Natans bei Angriffen beschädigt worden.
Die Schäden hätten sich aber auf den Eingangsbereich zum unterirdischen Teil der Atomanlage konzentriert, teilte die IAEA mit. Es seien "keine radiologischen Folgen zu erwarten".
+++ In den Vereinigten Arabischen Emiraten ist die Amazon-Tochterfirma AWS durch Drohnenangriffe beschädigt worden.
Das teilte das Unternehmen mit. Zudem sei in Bahrain eine Einrichtung durch einen Einschlag in unmittelbarer Nähe beeinträchtigt. Die Angriffe hätten strukturelle Schäden und Unterbrechungen der Stromversorgung verursacht. Teils seien Löscharbeiten nötig gewesen. Man arbeite mit lokalen Behörden zusammen und priorisiere die Sicherheit der Mitarbeitenden, hieß es von AWS.
+++ Im Iran sind bei den israelisch-amerikanischen Angriffen nach Angaben des örtlichen Roten Halbmonds mindestens 787 Menschen ums Leben gekommen.
Die Hilfsorganisation berichtete auf Telegram von Attacken in 153 Städten. Mehr als 3.600 Mitarbeiter der Rettungsdienste seien landesweit im Einsatz. An vielen Orten werden demnach Such- und Bergungsarbeiten fortgesetzt.
Die in Norwegen ansässige Menschenrechtsorganisation Hengaw sprach zuvor sogar von mehr als 1.500 Todesopfern. Rund 1.300 der Toten seien Mitglieder der Streitkräfte, etwa 200 seien Zivilisten. Die Aktivisten stützen sich bei ihrer Arbeit auf ein Netzwerk von Kontakten im Land.
+++ Ein erstes Flugzeug ist von Dubai nach Frankfurt am Main unterwegs, um "gestrandete" Passagiere auszufliegen.
Eine Sprecherin des Frankfurter Flughafens sagte der Deutschen Presse-Agentur, eine Maschine der Fluggesellschaft Emirates werde am frühen Nachmittag in Frankfurt erwartet. Die Vereinigten Arabischen Emirate bieten Sonderflüge für gestrandete Passagiere an. Emirates erklärte, man werde zunächst Passagiere mit bereits bestehenden Buchungen berücksichtigen.
+++ Grüne, Linke und AfD werfen der Bundesregierung ein schlechtes Krisenmanagement im Umgang mit festsitzenden Touristen vor.
Die Grünen-Politikerin Döring sagte dem Deutschlandfunk, die Lage in der Region habe sich seit Wochen zugespitzt. Die Bundesregierung wirke dennoch vollkommen unvorbereitet. Die außenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Özdemir, kritisierte, dass man nun zunächst nur ältere Menschen, Kinder, Kranke und Schwangere ausfliegen wolle, schüre weitere Verunsicherung. Die Bundesregierung müsse schnellstmöglich Pläne vorlegen, wie eine Evakuierung für alle rund 30.000 Betroffenen erfolgen könne. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Münzenmaier kritisierte, die Bundesregierung lasse deutsche Staatsbürger im Stich und gebe den Reisenden auch noch selbst die Schuld für ihre Lage.
+++ Der deutsch-iranische Schriftsteller Navid Kermani hat wenig Hoffnung auf einen Regimewechsel im Iran geäußert.
Kermani sagte im Deutschlandfunk, er befürchte, dass die USA das Land blind bombardierten und es danach noch schlimmer werde. Mit Blick auf die Gräueltaten des Regimes an Zehntausenden seiner Gegner kritisierte der Publizist, man habe die Mittel des internationalen Rechts nicht ausreichend genutzt. Der Westen habe die Verbrechen zu lange geduldet. Dabei sei die rechtliche Aufarbeitung des Massakers ein Hebel, um die Führung in Teheran unter Druck zu setzen. Die Angriffe auf den Iran wiederum bezeichnete Kermani als Bruch des Völkerrechts.
+++ Das US-Außenministerium hat die Evakuierung von Botschaftspersonal aus Bahrain, Jordanien, Katar, Irak und Kuwait angeordnet.
Die Anweisung gelte für nicht dringend benötigtes Personal und sei "aufgrund von Sicherheitsrisiken" erfolgt, hieß es in der Online-Mitteilung. Das Außenministerium legte außerdem US-Bürgern im gesamten Nahen Osten nahe, die Region zu verlassen. Die US-Botschaft in Jerusalem teilte mit, man sei nicht in der Lage, US-Bürger bei der Evakuierung oder Ausreise aus Israel zu unterstützen. Betroffene sollten das Land über Jordanien verlassen.
+++ Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben in der Nacht den Sitz des iranischen Staatsrundfunks im Norden Teherans angegriffen.
In einer Erklärung hieß es, die Luftwaffe habe das Kommunikationszentrum des iranischen Terror-Regimes in der Hauptstadt zerstört. Für die dortigen Aktivitäten seien die Revolutionsgarden verantwortlich.
Zudem griff Israel erneut Ziele der islamistischen Terrorbewegung Hisbollah im benachbarten Libanon an. Die Miliz steht dem iranischen Regime nahe. Gestern hatte die libanesische Regierung ihre Sicherheitskräfte aufgefordert, Hisbollah-Anhänger am Beschuss Israels zu hindern. Die Hisbollah gilt allerdings als eine Art Staat im Staate.
+++ Der Deutsche Reiseverband geht davon aus, dass noch mehr Touristen in der Golfregion festsitzen als bislang angenommen.
Man habe nur Kenntnis von Urlaubern, die eine Pauschalreise gebucht hätten, sagte DRV-Sprecher Schäfer im Deutschlandfunk. Dies seien rund 30.000. Wie viele Individualtouristen sich in den Ländern des Mittleren Ostens aufhielten, darüber könne man nur spekulieren. Kritik an deutschen Veranstaltern, Reisen in die Krisenregion angeboten zu haben, wies Schäfer zurück. Man könne den Menschen nichts verbieten. Bei Pauschalreisen sei es zudem für die Anbieter verpflichtend, ihre Kunden auf Sicherheitshinweise und Warnungen des Auswärtigen Amtes hinzuweisen. Dies geschehe automatisch bei der Buchung.
+++ Die US-Botschaft in Riad ist nach Angaben des saudi-arabischen Verteidigungsministeriums mit zwei Drohnen angegriffen worden.
Die US-Botschaft bestätigte den Angriff und bat darum, die Botschaft bis auf Weiteres zu meiden. US-Bürger in Riad, Dschidda und Dharan wurden dazu aufgerufen, in geschlossenen Räumen zu verbleiben. Die Einrichtung bleibe am Dienstag geschlossen. US-Präsident Trump kündigte an, die US-Armee werde "bald" Vergeltungsmaßnahmen wegen des Angriffs auf die US-Botschaft ergreifen.
Diese Nachricht wurde am 03.03.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.




