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US-Demokratin Ocasio-Cortez auf TwitchSpielend in den Wahlkampf

Die demokratische US-Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez hat sich auf dem Streaming-Portal Twitch live dabei zusehen lassen, wie sie "Among us" spielt. Durch die Vernetzung mit anderen Gamerinnen und Gamern erreichte sie ein Millionenpublikum - und nutzte den Auftritt auch für Wahlwerbung.

Von Raphael Smarzoch | 23.10.2020

Alexandria Ocasio-Cortez im Wahlkampf
Die US-amerikanische Politikerin Alexandria Ocasio-Cortez (Demokraten) bei einer Wahlkampfveranstaltung (imago/Andy Katz)
Mehr als 400.000 Menschen haben der demokratischen Kongressabgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez auf der Video-Streaming-Plattform Twitch dabei zugeschaut, wie sie das Computerspiel "Among Us" spielt. Der Stream gehört zu den bisher erfolgreichsten Streams des Dienstes. Zudem spielte sie nicht alleine, sondern vernetzte sich mit anderen populären Gamern und deren Fangemeinden, wodurch die Abrufe insgesamt in die Millionenhöhe stiegen.

Warum hat sich Ocasio-Cortez für "Among us" entschieden?

Wegen der Reichweite, denn "Among us" ist in der Spiele-Gemeinde sehr beliebt. Man kann es aber auch politisch deuten. "Among Us" ist ein Computerspiel, das mehrere Menschen miteinander spielen. Ziel ist es, einen Betrüger unter den Mitspielern und Mitspielerinnen aufzudecken, der als Mörder agiert. Man muss klug täuschen können, manipulieren und mit dem Vertrauen anderer spielen – alles Elemente, die auch in politischen Machtkämpfen eine Rolle spielen.

Wirkt sie dabei glaubwürdig?

Beim Spielen fiebert sie mit, einfach nur wie eine begeisterte Gamerin. Sie hat aber auch Ahnung und scheint das Wesen von Computerspielen als politische Allegorie zu begreifen: Im Live-Stream sagt Cortez zum Beispiel, dass sie sich für die "Lore" von Computerspielen interessiert, also für die Welt von Spielen und ihre Inhalte, die den "Weltenbau" in Spielen ermöglichen. Das macht die Infrastruktur des Gamings mit der der Politik vergleichbar.

Wie nutzt Ocasio-Cortez das Gaming politisch?

Alexandria Ocasio-Cortez machte in ihrem gut besuchten Stream indirekt Wahlkampf, indem sie Menschen dazu animierte, wählen zu gehen. Auch der demokratische US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden experimentiert mit Computerspielen. Er besitzt eine Insel in dem populären Spiel "Animal Crossing", um dort über seine Kampagne und seine politischen Ziele zu informieren. Demokrat Bernie Sanders und US-Präsident Donald Trump haben ebenfalls schon Twitch für ihre politischen Kampagnen eingesetzt.

Warum sind Fan-Gemeinschaften für Politiker interessant?

Digital vernetzte Fan-Gemeinschaften sind eigentlich Realitätsmaschinen. Sie haben direkte Auswirkungen auf die Gestaltung unserer Welt - auch außerhalb von Games, wenn beispielsweise K-Pop-Fans eine Trump-Wahlkampfveranstaltung sabotieren. Daher werden wir auf jeden Fall noch mehr Politikerinnen und Politiker beim Akquirieren von großen Online-Gemeinschaften beobachten können, sei es in der Gaming-Community oder rund um die QAnon-Online-Gemeinde, deren Verschwörungsmythen auch Donald Trump aufgreift.