Samstag, 05.12.2020
 
Seit 13:10 Uhr Themen der Woche
StartseiteWirtschaft und GesellschaftBritische Wirtschaft bereitet sich auf Iran-Sanktionen vor03.08.2018

USA gegen Iran Britische Wirtschaft bereitet sich auf Iran-Sanktionen vor

Rolle rückwärts: Ab kommender Woche treten die US-Sanktionen gegen den Iran wieder in Kraft. Besonders betroffen sind der Finanzsektor, die Flugzeug- und die Automobilbranche. Auch in Großbritannien sind Unternehmer besorgt.

Von Friedbert Meurer

London: Britischer Union Jack an Fahnenmast. Foto vom 9. Januar 2014.  (picture alliance / dpa)
Die britische Wirtschaft fürchtet sich kaum vor den US-Sanktionen gegen den Iran (picture alliance / dpa)
Mehr zum Thema

Nahost-Experte Lüders: "USA wollen den Iran wirtschaftlich in die Kapitulation zwingen"

Erdölreserven im Iran Tanken an der Quelle

Handel mit dem Iran "Jetzt energisch Lösungen überlegen"

Millionen-Transfer in den Iran USA machen Druck auf Bundesregierung

Es war noch Boris Johnson, der sich als britischer Außenminister mit der EU solidarisch erklärte. Johnson sagte vor zwei Monaten im Unterhaus: "Die britische Regierung bedauert die Entscheidung der US-Administration, das Nuklearabkommen mit dem Iran aufzukündigen und wieder Sanktionen gegen den Iran zu verhängen. Wir haben auf allen Ebenen unser Möglichstes getan, diese Entwicklung zu verhindern."

Iranisch-britischer Handel aus historischen Gründen weniger ausgeprägt

Johnson war noch eine Woche vorher in Washington, aber Londons Wort zählt in der US-Hauptstadt nicht mehr allzu sehr. Dennoch: Die Folgen für die britische Wirtschaft sind wohl weniger gravierend als für andere Länder. Das liegt einfach daran, dass Großbritannien im Handel mit dem Iran nur auf Platz 14 liegt.

Das hat historische Gründe: Der Iran war nie eine britische Kolonie, die Kontakte sind weniger intensiv als zu anderen Ländern im Nahen Osten. Britische Konzerne sind vor allem im Ölgeschäft mit dem Iran weniger aktiv als zum Beispiel Frankreich mit Total. Und der Ölsektor spielt eine Schlüsselrolle.

Der Energiekonzern BP hat zum Beispiel anders als Total und Shell zuletzt darauf verzichtet, sich an Auktionen zur Erschließung von Erdölfeldern im Iran zu beteiligen. Dass BP hat Vorsicht walten lassen, hat wohl auch damit zu tun, dass der Konzern zu beträchtlichen Teilen US-Investoren gehört und der Vorstandsvorsitzende Robert Dudley selbst auch ein US-Amerikaner ist.

Besonders betroffen sind Airbus, Debenhams und British American Tobacco

Ähnlich betroffen wie Deutschland, Frankreich oder Spanien ist Großbritannien aber von den Sanktionen in der Luftfahrtbranche. Teheran hat bei Airbus 100 Flugzeuge bestellt im Wert von 20 Milliarden US-Dollar - und Airbus ist ein europäisches Gemeinschaftsunternehmen. Betroffen können damit auch die 25 Airbus-Werke in Großbritannien sein, in denen alle Flügel der Airbus-Verkehrsflugzeuge entworfen und hergestellt werden.

Offen angesichts der Sanktionen ist die Zukunft für die britische Kaufhauskette Debenhams, die erste Shops in den Geschäftsstraßen Teherans eröffnet hatte. Oder für den Tabakhersteller British American Tobacco, der die Nummer zwei im Iran ist. Doch das ist vom Volumen her überschaubar.

Deutlich härter betroffen sein können britische Finanzinstitute und Versicherungen. Sie haben schon in der Vergangenheit unliebsame Erfahrungen mit US-Sanktionen machen müssen. Kritisch wird es auch, Investitionen, Niederlassungen oder Mitarbeiter zu versichern. Die Versicherungsbörse Lloyd's wickelt Geschäfte und Versicherungen über eine US-amerikanische IT-Plattform ab. Das wird künftig kaum mehr möglich sein. Alternativen, um Versicherungen abzuschließen, werden teurer sein. Die von Donald Trump verhängten Sanktionen gelten für Versicherungen zwar erst ab November: Aber Geschäfte mit dem Iran zu versichern, wird in Zukunft deutlich schwerer werden.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk