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USA-Kuba-Verhandlungen
Respektvoll, aber zäh

Mehr als 50 Jahre verband die USA und Kuba eine tiefe Feindschaft. Die ersten Gespräche über eine Normalisierung des Verhältnisses waren respektvoll, verliefen aber dennoch ziemlich zäh und zeigten: Kuba wird seine Prinzipien nicht ändern, um die Beziehungen zu verbessern.

Von Martin Polansky, ARD-Studio Mexiko | 23.01.2015

    Ein Obst-Verkäufter in Kuba dekoriert seinen Stand mit einer US-Flagge.
    In Kuba hoffen die Menschen auf einen wirtschaftlichen Aufschwung. (AFP)
    Ein neues Kapitel aufzuschlagen, kann ziemlich schwierig sein. In Havanna hat sich das nun gezeigt. Die ersten Gespräche zwischen Kuba und den USA über eine Normalisierung des Verhältnisses sind ziemlich zäh verlaufen. Beide Seiten stellten vor der Presse heraus, dass es erhebliche Unterschiede gebe – kein Wunder nach mehr als 50 Jahren tiefer Feindschaft. Die kubanische Chefunterhändlerin Josefina Vidal drückt es so aus:
    "Keiner sollte davon ausgehen, dass Kuba seine Prinzipien ändern wird, um die Beziehungen zu verbessern. Im gegenseitigen Respekt und trotz der Differenzen können wir friedlich zusammenleben und gemeinsame Interessen finden für eine Zusammenarbeit beider Länder und in der Region."
    Langwieriger Prozess
    Die Gespräche seien in einem Klima des gegenseitigen Respekts und professionell verlaufen. Die US-Chefunterhändlerin Roberta Jacobson sprach von einem Prozess, der viel Zeit erfordern dürfte:
    "Die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen ist nur ein Teil einer breiter angelegten Normalisierung des Verhältnisses. Die entsprechenden Themen sind komplex und spiegeln Unterschiede wieder zwischen unseren beiden Ländern und wir werden sie weiter diskutieren."
    Kuba hofft auf wirtschaftlichen Aufschwung
    Kuba stellt vor allem die Bedeutung des US-Embargos heraus, dessen Abschaffung das Land seit Jahrzehnten fordert. Von der Annäherung mit den USA erhofft sich Havanna denn auch, wirtschaftlich zu profitieren. Kuba setzt bei seiner vorsichtigen Öffnung der Wirtschaft etwa auf das Geld aus dem kubanischen Exil oder auch von Touristen aus den USA. Die familiären Bande zwischen Kuba und insbesondere Florida sind eng. Investitionen in Kuba könnten die Wirtschaft des Landes voranbringen, die sich nach wie vor in einer schwierigen Lage befindet.
    Die USA haben durchaus ein Interesse, in Kuba wirtschaftlich einen Fuß in die Tür bekommen. Im boomenden Tourismus haben bisher vor allem spanische Unternehmen investiert. Auch Brasilien engagiert sich im Land, hat gerade erst einen Hafen gebaut. Kubas wichtigster Partner Venezuela befindet sich dagegen selber gerade in einer tiefen Krise.
    Washington setzt auf langfristigen Wandel
    Washington betont zudem das Thema der Menschenrechte. Kuba hat im Vorfeld der Verhandlungen zwar 53 politische Gefangene entlassen. Menschenrechtsgruppen beklagen aber, dass Oppositionelle immer wieder kurzzeitig festgenommen würden. Den begonnenen Dialog sehen viele Bürgerrechtler sowieso kritisch, sie befürchten, dass Kubas sozialistische Führung am Ende gestärkt wird. Etwa Haydee Gallardo von den sogenannten Damen in Weiß:
    "Was Kuba braucht, ist ein Rückzug der Castros. Wir, die Opposition, brauchen ein freies Kuba. Einen radikalen Wandel ohne die Castros. Das braucht das kubanische Volk."
    Washington setzt nun aber auf das Machbare, auf einen langfristigen Wandel. Kuba will vor allem seine Wirtschaftsprobleme lindern. Erster konkreter Schritt der Normalisierung soll die Wiedereröffnung von Botschaften sein. Wann es soweit ist, das bleibt aber erst mal unklar.