
Die größten Geschenke zum 80. Geburtstag hat sich der Jubilar selbst gemacht. Wenn Donald Trump am Sonntag aus dem Fenster des Weißen Hauses blickt, kann er im Osten die Fortschritte bei seinem Lieblingsprojekt eines prunkvollen Ballsaals bestaunen. Im Süden wurde ein gewaltiges stählernes Oktagon für menschliche Hahnenkämpfe zu seinen Ehren errichtet. Und westlich glitzert am Horizont der frisch lackierte Reflecting Pool, in dem sich das ehrwürdige Lincoln Memorial spiegelt - zumindest so lange, bis die sommerliche Algenplage das Wasser wieder eintrüben wird.
Äußerlich ist die Welt für den amerikanischen Präsidenten an seinem Ehrentag in Ordnung. Die von der FIFA unterwürfig ausgerichtete Fußballweltmeisterschaft und die bevorstehenden Feierlichkeiten zum 250. Gründungstag der USA bieten dem mächtigsten Mann der Welt perfekte Bühnen zur Inszenierung seines XXL-Egos.
Doch die Kluft zwischen Trumps mit bombastischem Eigenlob gepaarten imperialen Selbstbild und der Realität wächst von Tag zu Tag. Vor der Wahl hatte der Rechtspopulist versprochen, die Inflation zu senken, den Ukrainekrieg binnen 24 Stunden zu beenden und sein Land aus weiteren Konflikten herauszuhalten.
Versprechen nicht gehalten
Anderthalb Jahre später hat die Teuerung gerade ein Dreijahreshoch erreicht, die Ukraine leidet weiter Nacht für Nacht unter dem russischen Terror, und der von ihm begonnene Irankrieg ist dem Präsidenten längst aus den Händen geglitten.
Selbst die Bilder des Triumphs wirken zunehmend bemüht. Für seinen Käfigkampf vor dem Weißen Haus hat Trump Soldaten als Claqueure verpflichten lassen. Bei einem Finalspiel der Basketballliga NBA in New York wurde er ausgebuht. Immer öfter fallen dem 80-Jährigen bei Veranstaltungen die Augen zu. Seine Umfragewerte sind abgestürzt. Falls die Parlamentswahlen im Herbst fair verlaufen, dürften die oppositionellen Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus zurückerobern.
Immunität vom Obersten Gerichtshof
In einer funktionierenden parlamentarischen Demokratie wären das Alarmsignale für die Regierung. Doch der Möchtegern-Autokrat Trump regiert in einem anderen Modus: Den Kongress hat er längst entmachtet. Die republikanische Partei befindet sich in seinem eisernen Klammergriff. Persönliche Konsequenzen muss er nicht fürchten, nachdem ihm das Oberste Gericht Immunität garantiert hat. So kann er ungebremst seinem ureigenen Impuls folgen: der Gier nach Macht und Bereicherung.
Wenn der Druck von außen wächst - das hat die Vergangenheit gezeigt - lenkt Trump nicht etwa ein. Im Gegenteil wird er noch unberechenbarer und aggressiver. "Ich liebe die Inflation", hat er am Mittwoch trotzig verkündet. Unverhohlen droht er ganzen Völkern mit der "Auslöschung". Seit Monaten bereitet seine Regierung die Manipulation des Wahlrechts und mögliche Notstandsbefugnisse vor. Gleichzeitig drangsaliert Trump kritische Medien, befeuert die Hatz auf Minderheiten und missbraucht die Justiz immer hemmungsloser als Instrument politischer Vergeltung.
Das sind beunruhigende Entwicklungen für das liberale Amerika und den Rest der Welt. Manches spricht dafür, dass Trump mit 80 den Zenit seiner Popularität überschritten hat. Die folgenreichste Phase seiner destruktiven Politik aber könnte noch vor uns liegen.


















