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Vegane Ernährung
Verzicht auf Tierprodukte kann Krankheiten vorbeugen

Nach Schätzungen leben in Deutschland etwa eine Million Menschen vegan, das heißt sie lassen alle tierischen Produkte weg, essen also nicht nur kein Fleisch und keinen Fisch wie die Vegetarier. Veganer nehmen zusätzlich weder Milch noch Eier, Butter, Sahne, Quark, Gelatine und Honig zu sich.Wie wirkt sich dieser Trend auf die Gesundheit aus?

Von Renate Rutta | 15.12.2015

    Verschiedene Sorten Obst liegen auf einem Teller.
    Veganer ernähren sich gesünder als der Durchschnitt der Bevölkerung - das zeigt eine aktuelle Studie aus Dänemark. (Deutschlandradio / Ellen Wilke)
    "Unser Problem ist ja, dass ein relativ großer Teil der Bevölkerung weniger vollwertig, weniger abwechslungsreich sich ernährt. Und dieser größere Teil der Bevölkerung wird weder von der vegetarischen Ernährung noch von der veganen Ernährung noch von der vollwertigen Ernährung der DGE erreicht."
    Professor Helmut Heseker vom Institut für Ernährung, Konsum und Gesundheit der Universität Paderborn ist Präsident der DGE, der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Die DGE empfiehlt: Drei Viertel der Lebensmittel sollten pflanzlichen Ursprungs sein und man sollte nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch und Wurst essen pro Woche.
    "Man kann sich mit jeder Ernährungsform gut oder schlecht ernähren. Viele essen einseitig, essen zu viel, zu fett und zu salzig."
    Veganer hingegen sind meistens schlanker und haben seltener Übergewicht als der Durchschnitt der Bevölkerung. Gleichzeitig ernähren sie sich gesünder als der Durchschnitt, das zeigt eine aktuelle Studie aus Dänemark. Denn die pflanzlichen Lebensmittel Obst, Gemüse , Getreide und Nüsse, die sie essen, enthalten viele gesunde Ballaststoffe, sekundäre Pflanzenstoffe, Folsäure und Vitamin C aber weniger Fett als Wurst, Butter, Sahne und Käse. Das alles hat durchaus Folgen. Der gesündere Lebensstil führt dazu, dass Veganer ein geringeres Risiko haben, Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislaufkrankheiten und Bluthochdruck zu bekommen. Aber auch wenn man schon erkrankt ist, hat vegane Ernährung Vorteile, so Dr. Markus Keller vom Institut für alternative und nachhaltige Ernährung in Gießen.
    "Wir haben schöne Studien, die therapeutische Erfolge zeigen mit veganer Ernährung vor allem bei Körpergewichtsreduktion, bei Typ-2-Diabetes, bei Bluthochdruck, teilweise bei Herz-Kreislauferkrankungen und auch bei rheumatoider Arthritis."
    Doch es ist nicht damit getan, dass man einfach Lebensmittel tierischer Herkunft weglässt – man sollte sich gut informieren, bei welchen Stoffen dann auf Dauer gefährliche Mangelerscheinungen auftreten können. Professor Heseker:
    "Vegetarier und Veganer müssen natürlich ein deutlich besseres Ernährungswissen haben und müssen deutlich bessere Lebensmittelkenntnisse mitbringen, um gesund zu bleiben."
    Besonders kritisch ist die Versorgung mit Vitamin B12 bei Veganern. Dr. Markus Keller:
    "Vitamin B12 wird zwar von Mikroorganismen hergestellt, kommt aber praktisch nur in tierischen Lebensmitteln vor. In pflanzlichen können mal Spuren sein, aber damit kann man keine sichere Versorgung gewährleisten, das heißt Veganer müssen Vitamin B12 in irgendeiner Form ergänzen, das sind Nahrungsergänzungsmittel, angereicherte Lebensmittel oder es gibt auch eine Vitamin-B12-haltige Zahnpasta."
    Veganer nehmen oft auch zu wenig Kalzium zu sich. Aber auch pflanzliche Lebensmittel enthalten Kalzium.
    "Das ist der Grünkohl zum Beispiel, andere Kohlarten, Hülsenfrüchte, Nuss-Mus oder Nüsse allgemein. Empfehlenswert wäre auch ein Mineralwasser, das reichlich Kalzium enthält, also 500 Milligramm pro Liter und dann kann ich auch ohne Milchprodukte meine Kalziumversorgung sicherstellen."