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StartseiteWirtschaft am MittagAutobranche bezieht Position20.07.2018

Vereint gegen US-Importzölle Autobranche bezieht Position

Die Warnung steht im Raum: US-Präsident Donald Trump plant Strafzölle auf europäische Autos zu verhängen. Ein solcher Schritt wäre "katastrophal", so die EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström und drohte mit Vergeltungszöllen. Eine gute Idee aus Sicht der Autobranche in Europa?

Von Jan Bösche

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Neufahrzeuge vor der Verladung auf ein Schiff in Bremerhaven  (dpa/Ingo Wagner)
Die Zölle auf den Ex- und Import von Autos sind immer wieder ein Streitthema (dpa/Ingo Wagner)
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Die vielen importierten Autos in den USA sind Präsident Trump ein Dorn im Auge. Besonders hat er es ja auf deutsche Autos abgesehen. Er will ihre Zahl reduzieren, mit höheren Zöllen. Darum prüft das Wirtschaftsministerium gerade, wie es solche Zölle einführen könnte.

Holger Engelmann ist der Chef von Webasto, ein traditionsreicher Autozulieferer in Oberbayern. Er war extra nach Washington gekommen, um gegen neue Zölle für die Autoindustrie zu argumentieren.

"Sie haben uns in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg beigebracht, wie wichtig freier Handel und offene Märkte sind. Wir haben gelernt, dass das ein Antrieb des Erfolges ihrer Nation war. Darum hoffe ich, dass sie die richtige Entscheidung treffen."

Keine Investitionen mehr

Webasto hat sechs Standorte in den USA, beschäftigt 1800 Mitarbeiter hier. Darum appellierte Engelmann nicht nur emotional - sondern er drohte auch:

"Wir wären einer Situation ausgesetzt, die unsere US-Werke stark unter Druck setzt. Das könnte dazu führen, dass es keine weiteren Investitionen gibt, keine Entwicklungen mehr, und eine deutliche Reduzierung der Belegschaft."

Engelmann war einer von dutzenden Industrievertretern, die sich für die Anhörungen des amerikanischen Wirtschaftsministeriums angemeldet hatten. Die Anhörungen gehören zu dem laufenden Verfahren für neue Zölle. Das Ministerium prüft, ob die nationale Sicherheit der USA durch übermäßige Importe in Gefahr ist.

Absurde Begründung

Mit dem Argument "Nationale Sicherheit" hatte die Regierung ja schon die Zölle auf Stahl und Aluminium erhöht. EU-Botschafter David O'Sullivan wies die Idee zurück:

"Die fünf Handelspartner, die am meisten betroffen wären, sind Kanada, Mexiko, die EU, Japan und Südkorea. Alle gehören zu ihren engsten Verbündeten. Offen gesagt, die Idee, Importe von Autos oder Autoteilen von ihren engsten Verbündeten könnten die nationale Sicherheit der USA bedrohen, ist absurd."

Für die deutsche Autoindustrie argumentierte Verbandspräsident Bernhard Mattes, sie bedrohten nicht die Nationale Sicherheit - höhere Zölle täten das: So ein Szenario, und nicht freier Handel, ist eine Bedrohung der nationalen Sicherheit. Die nationale Sicherheit der USA basiert auf ihrer wirtschaftlichen Stärke. Darum teilen wir Ideen, Zölle zu senken, im Rahmen einer umfassenden Vereinbarung zwischen Europa und den USA."

Unterschiedliche Reaktionen in den USA

Auch amerikanische Hersteller argumentierten gegen höhere Zölle für Import-Autos. Es muss etwas getan werden - das war dagegen das Argument der Gewerkschaft "United Auto Workers". Gewerkschafts-Vertreterin Jennifer Kelly sagte, die Autoproduktion in den USA sei in den vergangenen 17 Jahren zurückgegangen, über 400-tausend Stellen seien verlorengegangen, teilweise in billigere Länder verlagert.

"Wir wissen, die Autoindustrie ist global, mit komplexen Zulieferketten. Wir warnen, dass überstürzte Handlungen unerwartete Konsequenzen haben können, auch Massenentlassungen. Das heißt aber nicht, dass wir nichts unternehmen sollten."

Wie sich die US-Regierung entscheidet, ist noch offen. Handelsminister Ross sagte bei der Anhörung, dafür sei es noch zu früh.

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