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StartseiteInterview"Es herrscht eine Distanz der Jugend zu Pegida"21.10.2018

Vier Jahre Pegida"Es herrscht eine Distanz der Jugend zu Pegida"

Männlich, weiß und über 50: Die Pegida-Bewegung werde tendenziell immer älter, sagte Historikerin Katharina Trittel im Dlf. Ihre Forschung widmet sie Pegida und ihrer Wirkung auf junge Menschen. Pegida als Protestphänomen auf der Straße sei bei Jugendlichen nicht anschlussfähig, sagte sie im Dlf.

Katharina Trittel im Gespräch mit Benedikt Schulz

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ARCHIV - 03.11.2014, Sachsen, Dresden: Hunderte Teilnehmer einer Demonstration unter dem Motto «Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes» (PEGIDA) demonstrieren vor der Frauenkirche. (zu «Demonstration «Herz statt Hetze» - Protestaktionen zum 4. Jahrestag Pegida» vom 19.10.2018) Foto: Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa | Verwendung weltweit (Arno Burgi/dpa-Zentralbild)
Vor vier Jahren gründete sich die islamfeindliche und rechte Pegida-Bewegung (Arno Burgi/dpa-Zentralbild)
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Pegida sei eigentlich eine "alte Bewegung" bestehend aus überwiegend "weißen Männern über 50", sagte Katharina Trittel im Dlf. Die Bewegung sei tendenziell immer älter geworden. "Wir haben uns gefragt, wo ist die Jugend bei Pegida, wenn sie nicht auf der Straße steht?"

Pegida als Protestphänomen auf der Straße sei bei den Jugendlichen nicht anschlussfähig. "Es herrscht eine Distanz der Jugend zur Pegida. Die Jugendlichen, mit denen wir gesprochen haben, würden bei Pegida nicht mitlaufen. Sie empfinden politischen Protest auf der Straße als illegitim und störend. Die Bahnen fahren dann zum Beispiel nicht - und das nervt sie", sagt sie. Es sei eine primäre Distanz vorhanden.

Jugend: nicht politisch organisiert

Allerdings habe es eine sogenannte sekundäre Anschlussfähigkeit gegeben: "Damit meine ich, dass bestimmte Inhalte, wie fremdenfeindliche Motive, die auch bei Pegida aufgetaucht sind, auch bei den Jugendlichen aufgetaucht sind, mit denen wir gesprochen haben." Es habe sich auch eine Eliten-und Medienkritik gezeigt.

Viele Jugendliche seien zudem politisch unberührt. "Sie haben eine Distanz zu genuinen politischen Fragen", so Trittel weiter. Sie sind gesellschaftlich oder politisch größtenteils nicht engagiert. "Das heißt nicht, dass sie völlig unpolitisch sind, sie interessieren sich durchaus für Fragen, die politisch sind, aber meist ist das themen- oder anlassbezogen, aber nicht in gesellschaftlichen, großen politischen Dimensionen."

Katharina Trittel forscht am Institut für Demokratieforschung in Göttingen zu rechten und extrem rechten Bewegungen.

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