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StartseiteUmwelt und Verbraucher"Grundsätzlich reicht das Händewaschen"28.02.2020

Virenschutz und Handhygiene "Grundsätzlich reicht das Händewaschen"

Zum Schutz vor Viren reiche in der Regel das gründliche Händewaschen, meint Dr. Jürgen Gebel vom Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit. Unterwegs oder am Arbeitsplatz könne aber eine Hände-Desinfektion zum zusätzlichen Schutz eingesetzt werden. Doch nicht alle Desinfektionsmittel seien gleichsam wirksam.

Jürgen Gebel im Gespräch mit Georg Ehring

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Eine Person hält eine große blaue Flasche Desinfektionsmittel in den Händen und kippt die Flüssigkeit in die linke Hand.  (imago / Max Rühle)
Händedesinfektionsmittel ist in vielen Apotheken aktuell ausverkauft (imago / Max Rühle)
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Händewaschen beseitigt nicht nur Dreck, sondern auch Viren. Während sich das Coronavirus weiter ausbreitet, wächst aber auch die Nachfrage nach Desinfektionsmitteln, sowohl für den privaten Gebrauch als auch am Arbeitsplatz. Viele Firmen hoffen, auf diese Weise Infektionen ihrer Belegschaft zu vermeiden.

Wie sinnvoll ist die zusätzliche Desinfektion? Dr. Jürgen Gebel beschäftigt sich damit beruflich. Er leitet die Geschäftsstelle des Referenzlabors des Verbandes für angewandte Hygiene mit Sitz an der Uniklinik in Bonn. 


Georg Ehring: Ist es sinnvoll, zusätzlich zum bloßen Händewaschen ein Desinfektionsmittel zu verwenden?

Gebel: Grundsätzlich reicht das Händewaschen. Aber überall da, wo keine Waschbecken vorhanden sind, ist natürlich eine Hände-Desinfektion sehr praktisch und könnte zum zusätzlichen Schutz eingesetzt werden.

Die richtige Desinfektion dauert 15-20 Sekunden

Ehring: Wie desinfiziere ich denn richtig? Über das richtige Händewaschen hat man schon eine ganze Menge gehört.

Gebel: Bei einer Hände-Desinfektion gibt man das Desinfektionsmittel in die hohle Hand, eine ausreichende Menge. Das sind etwa zwei bis drei Milliliter. Und dann reibt man sich die Hände so ein, dass sämtliche Flächen der Hände, Innen-, aber auch Außenflächen, aber auch die Fingerzwischenräume, gut benetzt sind. Dieser Vorgang dauert 15, 20 Sekunden und dann lässt man das Desinfektionsmittel abtrocknen. Das sind dann insgesamt 30 Sekunden und dann hat man eine sichere Wirksamkeit.

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Ehring: Wie oft sollte man das machen und in welchen Situationen?

Gebel: Auf jeden Fall sollte man nach Kontakt mit infizierten Personen so eine Hände-Desinfektion machen, dann aber auch, wenn kein Waschbecken oder Ähnliches zur Verfügung ist, vor dem Essen, aber auch, wenn man selber betroffen ist, vor Kontakt mit anderen Personen. 

Welches Desinfektionsmittel wirkt?

Ehring: Es gibt unterschiedliche Desinfektionsmittel. Gibt es welche, die besser wirken als andere? Woran kann man sich als Verbraucher orientieren, wenn man für zuhause zum Beispiel Desinfektionsmittel anschaffen will?

Gebel: Da muss man unterscheiden, ob man welche für die Hände oder für die Fläche sucht. Für die Hände-Desinfektion haben sich alkoholische Hände-Desinfektionsmittel durchgesetzt. Die sind gut wirksam, schnell wirksam vor allen Dingen, und sie verdampfen dann. Deswegen sind sie dann rückstandsfrei.

Diesem Alkohol sind dann Rückfetter zugesetzt, dass die Haut nicht so stark austrocknet. Das wäre sonst eine Nebenwirkung, die man mit alkoholischen Hände-Desinfektionsmitteln zu befürchten hätte. Dann sollten diese Hände-Desinfektionsmittel aber auch entsprechend geprüft und vom Verbund für angewandte Hygiene (VAH) oder vom Robert-Koch-Institut entsprechend in einer Liste aufgeführt sein. Das wären die Hände-Desinfektionsmittel.

Das gleiche gilt für die Fläche. Auch da sind für kleinere Flächen alkoholische Desinfektionsmittel einsetzbar. Aber da haben sich in letzter Zeit sehr häufig auch Tuchsysteme durchgesetzt, die für den Anwender fertig konfektioniert einsetzbar sind. Aber auch hier gilt: Was wirkt, soll auch entsprechend geprüft und gelistet sein, vom VAH oder vom Robert-Koch-Institut in entsprechenden Listen aufgeführt sein.

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Wenn keine Kranken im Haushalt sind, reicht eine normale Reinigung

Ehring: Flächen-Desinfektionsmittel für Privatleute. Wo empfehlen Sie das? Wann sollte man sich das anschaffen?

Gebel: Das sollte auf jeden Fall nur dann eingesetzt werden, wenn es eine ärztliche Indikation gibt. Im Grunde, wenn keine Kranken im Haushalt sind, reicht eine normale Reinigung. Da braucht man kein Desinfektionsmittel. Aber wenn Kranke im Haushalt gepflegt werden, wenn ein erhöhtes Infektionsgeschehen im eigenen Haushalt abläuft, dann sind auch Flächen-Desinfektionsmittel angesagt. Das sollte dann aber vom Arzt indiziert sein und dann sollte man sich in der Apotheke entsprechend beraten und versorgen.

Ehring: Gibt es Nebenwirkungen und Unverträglichkeiten, wo man besser die Finger davon lassen sollte?

Gebel: Bei den Hände-Desinfektionsmitteln gibt es Unverträglichkeiten. Das hängt dann im Wesentlichen mit den Parfümen oder Farbstoffen zusammen. Sollte man das erkennen, dass die Haut gerötet ist, kann man ein anderes Produkt aussuchen, oder auf ein ungefärbtes, unparfümiertes Desinfektionsmittel zurückgreifen. Auch da hilft einem die Apotheke.

Bei der Flächendesinfektion ist es so: Natürlich sind das Biozide und die haben toxikologische Nebenwirkungen. Deswegen: Vorsicht ist geboten. Meine Empfehlung ist, dass man im Haushalt nur Produkte verwendet, die schon runterverdünnt sind, die fertig zum Gebrauch eingesetzt werden, wo man jetzt nicht noch mal ein Konzentrat verdünnen muss, weil dieses Konzentrat hat natürlich dann reizende Nebenwirkungen, die dann auch problematisch sein können.

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