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StartseiteKalenderblattMaler Edgar Degas - ein Leben für die Kunst27.09.2017

Vor 100 Jahren gestorbenMaler Edgar Degas - ein Leben für die Kunst

Das Werk des Malers Edgar Degas hat mehr zu bieten als Balletttänzerinnen, Pferderennen und den Impressionismus. Er verschränkte Tradition und Moderne, erfand neue Bildformen und ist bis heute für die Forschung interessant. Am 27. September 1917 verstarb er im Alter von 83 Jahren.

Von Carmela Thiele

Selbstbildnis des französischen Malers Edgar Degas, das sich im Besitz des Louvres in Paris befindet.  (picture-alliance / dpa)
Der Impressionist Edgar Degas wurde am 19.6.1834 in Paris geboren und starb am 26.9.1917. (picture-alliance / dpa)
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Kunsthalle Karlsruhe Edgar Degas und seine Kopien

Das Herz sei ein Instrument, das einrosten würde, wenn es nicht in Gebrauch bliebe, notierte Edgar Degas 1856. Der junge Mann zeichnete damals sein Selbstporträt ohne den Anflug eines Lächelns, die weichen Lippen geschlossen, die Augen: Bitte und Forderung zugleich. Degas widmete sich ganz seiner Kunst und hinterließ ein schillerndes Werk, das Mal leicht und modern wirkt, mal klassisch und konzeptionell. Lange galt er als Impressionist, denn er stellte mit Monet, Renoir und Sisley aus. Das Etikett entsprach seinem Werk aber nur auf den ersten Blick. Der Kunsthistoriker Alexander Eiling:

"Der Impressionismus ist ja eigentlich so eine Selbsthilfe-Gruppe, muss man fast sagen, völlig unterschiedlicher Individuen. Und er selbst tritt als Organisator dort mit auf der Ausstellungen, steht aber dem Kreis, sagen wir mal, persönlich manchmal nahe, aber künstlerisch doch eher fern."

Degas war der Intellektuelle unter den neuen Pariser Malern. 1834 als ältester Sohn eines wohlhabenden Bankiers in Paris geboren, durchlief er das Elite-Gymnasium Louis-le-Grand und setzte gegen den Willen des Vaters seinen Berufswunsch durch. Er besuchte nur kurze Zeit die Akademie, um im Alter von 22 Jahren zu einer langen Italienreise aufzubrechen.

Die Balletttänzerin und das Pferderennen

Damals wollte Degas noch Historienmaler werden. Doch Mitte des 19. Jahrhunderts verlor diese Kunstgattung an Reputation. Mit dem Industriezeitalter veränderte sich die Gesellschaft. Das moderne Leben spielte sich auf der Straße ab, in den Theatern und Parks. Degas fand bald die zwei Motive, die ihn berühmt machen sollten: die Balletttänzerin und das Pferderennen. Doch bei seinen Bildern handelte es sich nicht um Momentaufnahmen, sondern um Konstruktionen der neuen Wirklichkeit. Alexander Eiling:

"Seine ersten Jockey-Bilder entstehen im Grunde genommen, muss man schwer vermuten, ohne dass er eigentlich jemals auf der Rennbahn gewesen ist, sondern er nimmt im Grunde genommen die Reiterfiguren des Parthenon-Frieses und wirft denen Jockey-Trikots über."

Degas verfügte wie die Alten Meister über ein Figurenrepertoire, das er sich in ständiger Kopierarbeit auf seinen Reisen und im Louvre erworben hatte. Neben dem Bewegungsablauf der Pferde interessierten ihn die Farben, gedrehte Körper, Torsionen, gedehnte Leiber. Solchen Posen begegnete er in der Oper von Paris wieder. Er zeichnete Tänzerinnen vor und nach der Aufführung, gähnend, sich ausruhend oder in einer Reihe beim Aufwärmen an der Stange.

"Er hat im Ballett durchaus etwas gefunden, was seiner eigenen Arbeitsweise ähnlich war, nämlich das stetige Wiederholen, immer wieder das Gleiche, bis zu einem Höchstmaß an Perfektion, bis man schließlich zur Aufführung kommen kann."

Zahlreiche Versionen von Büglerinnen, von Frauen bei der Toilette und beim Besuch der Modistin

Die Ballettszenen fanden Anklang, was Degas nur recht war. Nachdem das Unternehmen seiner Familie 1875 nicht mehr zahlungsfähig war, sah sich der knapp 40-Jährige gezwungen, schnell hohe Summen zu verdienen, um die Verbindlichkeiten seines Vaters zu erfüllen. Trotz des Verkaufsdrucks blieb Degas nicht hinter seinen eigenen Ansprüchen zurück. Aber: Er variierte seine Ballett-Kompositionen. Er schuf zahlreiche Versionen von Büglerinnen, von Frauen bei der Toilette und beim Besuch der Modistin. Fasziniert hat ihn auch das künstliche Licht in den Café-Concerts und den Variétés. Solche Sujets entsprachen seinem Forschergeist. Er ließ sich von japanischen Holzschnitten anregen, perfektionierte seine Pastellmalerei, nutzte verschiedene Druckverfahren und die Fotografie, schuf Skulpturen.

"Glücklicherweise habe ich meine Methode noch nicht gefunden. Es würde mich nur langweilen."

"Er ist ein großer Zweifler, ein Künstler, der sich nach außen hin spontan in seiner Kunst vermittelt, aber ein hochgradig konstruiertes und sehr durchdachtes Werk geschaffen hat, was oberflächlich leicht, aber wenn man dahinter guckt, sehr tiefgründig ist."

Um 1890 hatte der vereinsamte Künstler begonnen, sich mit Werken der Kollegen zu umgeben, die er schätzte, und hatte Alte Meister aufgekauft, allein mit der Kunst auf zwei Etagen gelebt. Als Edgar Degas am 27. September 1917 in Paris im Alter von 83 Jahren starb, hinterließ er 2.000 Werke, einen Schatz, der auf vier Auktionen Käufer in der ganzen Welt fand.

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