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StartseiteKalenderblattWalter Hunt und die Sicherheitsnadel10.04.2019

Vor 170 Jahren Patent erhaltenWalter Hunt und die Sicherheitsnadel

Der Amerikaner Walter Hunt war der geborene Erfinder. Als er vor 170 Jahren ein Patent für seine Sicherheitsnadel bekam, hatte er Ruhm erworben, der sogar in seinen Grabstein gemeißelt wurde. Doch: Richtigen Profit machten andere damit.

Von Mathias Schulenburg

Sicherheitsnadeln - safety pins | Verwendung weltweit, Keine Weitergabe an Wiederverkäufer. (dpa/ Bildagentur-online/Begsteiger)
Walter Hunt war der Erfinder der Sicherheitsnadel (dpa/ Bildagentur-online/Begsteiger)
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Walter Hunt, im Juli 1796 in Martinsburg, einer Kleinstadt im Staat New York, als ältestes von dreizehn Kindern auf einer Farm geboren, war trotz seiner einfachen Unterrichtung in einer einräumigen Zwergschule ein rastloser Erfinder, vielseitig wie Daniel Düsentrieb und so freigiebig wie dieser. Zu seinen bekanntesten Kreationen zählen:

"Die erste Nähmaschine, die Sicherheitsnadel, ein frühes Modell des Winchester-Repetiergewehres, ein Flachs-Spinner zur Seilherstellung, ein Messerschärfer, eine fußbediente Straßenbahn-Warnglocke, Kunststein, eine Straßenkehrmaschine, ein Eispflug, ein verbesserter Füllfederhalter, ein papierener Hemdkragen" und vieles andere mehr, darunter Pretiosen wie ein Saugnapf-Mechanismus, der es Zirkusartisten ermöglichte, die Wand hoch und an der Decke zu laufen.

Kein Geschäftsmann, aber Erfinder

Als Walter Hunt im Juni 1859 im Alter von 63 Jahren an einer Lungenentzündung starb, hinterließ er eine Unzahl von Erfindungen, die zum Teil noch heute eine Rolle spielen, dennoch ist er heute selbst in den USA weithin unbekannt. Er war eben Erfinder, kein Geschäftsmann. Seine damalige Umgebung aber wusste ihn als seriösen Techniker zu schätzen. Der wohl bekannteste seiner Geniestreiche war auch der unscheinbarste: die Sicherheitsnadel, die Hunt noch "Kleidernadel" nannte. Deren Erfindung beschreibt Jimmy Stamp im Kulturmagazin SMITHSONIAN so:

"Er designte die Sicherheitsnadel in drei Stunden, um einen Betrag von 15 $ auszugleichen, den er einem technischen Zeichner schuldete. Ähnliche Nadeln hatten seit Urzeiten existiert, waren aber nicht so praktisch und aus nur einem Stück Draht gefertigt. Der Zeichner, J.R. Chapin, bezahlte Hunt später 400 $ für alle Rechte an jeglicher Variation eines von ihm verdrehten Drahtes."

An den beträchtlichen Gewinnen späterer Patenthalter war er nicht beteiligt. Das Interesse am Sicherheitsnadelpatent, erteilt am 10. April 1849, war groß, die Anwendbarkeit im Alltag offenkundig, der Absatz phantastisch. Henry Petrosky, Professor für Ingenieurwissenschaften an der Duke University, USA, schrieb in seinem Buch "Messer, Gabel, Reißverschluss":

"Von all den auf Mikrofilmen festgehaltenen Patenten, die ich mir angeschaut habe, ist das von Hunts Sicherheitsnadel das einzige, bei dem die Seite mit den Abbildungen aussieht wie das Fragment eines verlorengegangenen Manuskripts. Die abgestoßenen und eingerissenen bröckeligen Kanten des ursprünglichen papiernen Dokuments, von dem die Kopie gemacht wurde, lassen die Neugier zahlloser Patentprüfer, Forscher und Erfinder vermuten, die das Geheimnis einer millionenschweren Idee verstehen wollten."

Andere wurden reich damit

Walter Hunt befasste sich auch mit Waffen; 1849 bündelte er für seinen "volitional repeater", ein durchsetzungsstarkes Repetiergewehr, die neuesten Entwicklungen und verkaufte das Design, so dass es in die Hände der Herren Henry, Smith und Wesson geriet, die noch notwendige Verbesserungen vornahmen.

Als aufwendigste Erfindung Hunts nennt die Irish Times seine bahnbrechende Nähmaschine: "Deren Einführung war mit ausgedehnten Rechtsstreitigkeiten verbunden. 1833 hatte Hunt die erste funktionstüchtige Nähmaschine entwickelt, aber die Rechte an einen Geschäftsmann veräußert, der mit der Herstellung zu kämpfen hatte und, wichtiger noch, nie ein Patent anmeldete."

Es war der amerikanische Fabrikant Elias Howe, der die Erfindung vollendete und schwer reich damit wurde.

Auch der Nähmaschinen-Riese Singer hatte von Hunts Ideen ausgiebig Gebrauch gemacht, ohne dafür zu zahlen. Als die Singer Nähmaschinen-Company sich endlich bereiterklärte, Walter Hunt mit 50.000 Dollar zu honorieren, war dieser gestorben. Die Irish Times klagte:

"Das Pantheon der großen Erfinder muss eine spezielle Ecke für jene kreativen Seelen haben, die gut für alles sind, außer Geld verdienen. Das Bild vom armen Erfinder, dessen Kreationen andere reich machen, hat im Volksgemüt einen festen Platz und selten passt es so perfekt wie auf Walter Hunt."

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