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StartseiteKalenderblattAirbus - Europas Antwort auf Boeing und Co. 18.12.2020

Vor 50 Jahren gegründetAirbus - Europas Antwort auf Boeing und Co.

Am 18. Dezember 1970 gründeten eine französische und zwei deutsche Firmen den Flugzeughersteller Airbus. 50 Jahre später ist das Unternehmen am Hauptkonkurrenten Boeing vorbeigezogen und zum weltgrößten Flugzeugbauer aufgestiegen. In der Coronakrise setzt der Konzern auf sein zweites Standbein: die Rüstungssparte.

Von Wolfgang Stenke

Der große Airbus A380 im Luftraum über Frankfurt. (Lufthansa)
Geplant als Jumbo-Klasse für gut 530 Passagiere - die Produktion des Großraumflugzeugs Airbus A380 wird 2021 eingestellt (Lufthansa)
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"Das ist also wie ein Ravensburger Puzzle. Von überall kommt was her: aus Spanien, aus Frankreich, aus Stade das Seitenleitwerk. Und das wird dann zusammengesetzt, und es passt."

Die Rede ist vom Airbus: der Flugzeugfamilie, die als europäische Antwort auf die Dominanz der amerikanischen Hersteller Boeing, Douglas und Lockheed entwickelt wurde. Ein Kooperationsprojekt verschiedener Firmen, die Flügel, Rümpfe, Triebwerke und andere Teile zuliefern. Seit Mitte der 60er-Jahre ventilierten Unternehmen aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien Möglichkeiten der Zusammenarbeit und gingen ihre Regierungen um Subventionen an.

Präsentation eines Airbus A350-1000 bei der Luftfahrtmesse in Le Bourget 2019 (AFP/ Eric Piermont) (AFP/ Eric Piermont)Grünes Fliegen - Airbus und Boeing wollen nachhaltiger werdenDer Druck auf Hersteller und Fluggesellschafte, umweltfreundlicher zu werden, wächst. Ideen gibt es bei Airbus und Boeing viele – zumindest auf dem Papier.

In der Bundesrepublik schrieb damals die SPD/FDP-Koalition unter Brandt und Scheel ihr "Basisprogramm für die deutsche Luft- und Raumfahrttechnik 1970 – 1974": "Die Entwicklung des Airbus A-300 B soll die europäische Flugzeugindustrie in die Lage versetzen, in den 70er- und 80er-Jahren auf dem Weltmarkt Großraum-Transporter der neuen Flugzeuggeneration anzubieten."

Franz Josef Strauß als Aufsichtsratschef 

So wurde am 18. Dezember 1970 in Paris die Firma "Airbus Industrie" gegründet - als Interessengemeinschaft selbständiger Firmen. Sie war ein Zusammenschluss der französischen "Aérospatiale" mit den "Vereinigten Flugtechnischen Werken" und "Messerschmitt Bölkow Blohm". Franzosen und Deutsche stellten je etwa die Hälfte des Budgets.

Chef des Konsortiums wurde der Franzose Henri Ziegler, Vorsitzender des Aufsichtsrats der CSU-Politiker Franz Josef Strauß, ehemaliger Verteidigungs- und Finanzminister. Für ihn war es das Exempel europäischer Industriepolitik. Großbritannien beteiligte sich nicht offiziell, war aber durch Subunternehmer vertreten. Auch die Niederlande stiegen bei der "Airbus Industrie" ein, Spanien kam hinzu. Der erste Prototyp des Airbus A300 startete im Oktober 1972 in Toulouse. 

Schwarz-Weiß-Bild des damaligen bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Politikers Franz Josef Strauß: Er sitzt in einem weißen Hemd und Krawatte an einem Tisch und gestikuliert mit den Händen, im Vordergrund eine Bierflasche und Gläser.  (picture-alliance / Augenklick/ Foto Rauchensteiner)CSU-Politiker Franz Josef Strauß wurde 1970 Aufsichtsratsvorsitzender von Airbus (picture-alliance / Augenklick/ Foto Rauchensteiner)

Es dauerte noch einmal zwei Jahre, bis der erste A300 von der staatlichen Air France in den Liniendienst genommen wurde. Andere Gesellschaften zögerten, so auch die Lufthansa, obwohl das Flugzeug wegen seines neuen Konzepts – breiter Rumpf, nur zwei Triebwerke, elektronisches Cockpit – leichter und damit kostengünstiger war als die Produkte der US-Konkurrenz.

Franz Josef Strauß, selbst begeisterter Hobby-Pilot, setzte sich als Lobbyist für Airbus ein – nicht zuletzt wegen bayerischer Standorte des Herstellers: "Die Frage ist, ob die Europäer überhaupt noch ein Verkehrsflugzeug in der Größenordnung der Großraumklasse herstellen können und absetzen können. Und wenn nicht, wird die europäische Flagge aus der Luft verschwinden."

Mit Subventionen aufgepäppelt

Nach etlichen Krisen – und Milliarden aus öffentlichen Kassen - kam der Durchbruch. In den unterschiedlichsten Varianten, sowohl für die Mittel- als auch für die Langstrecke, wurde der Airbus, ob zwei- oder vierstrahlig, zum Verkaufsschlager. Als die Lufthansa Mitte der 90er Jahre ihren ersten A321 im Montagewerk Hamburg-Finkenwerder übernahm, erklärte ein Unternehmenssprecher: "Wir waren ein unbeschriebenes Blatt, also mussten wir immer besser sein. Wir mussten den Konkurrenten immer eine Flugzeugnase voraus sein, denn sonst hätten ja die Airlines keinen Grund gehabt, die Flugzeuge zu kaufen."

Blick in eine Werkshalle der Daimler-Benz Aerospace GmbH in Hamburg-Finkenwerder. Hier findet die Endmontage der Airbus-Flugzeuge A319 und A321 statt. Aufgenommen am 15.11.1996. ( picture alliance)Die Airbus-Flugzeuge A319 und A321 im Jahr 1996 im Werk Hamburg-Finkenwerder ( picture alliance)

Der 320er Airbus, gebaut in zahlreichen Varianten, wurde das Arbeitspferd vieler Fluggesellschaften. Mehr als 10.000 Airbus-Maschinen fliegen mittlerweile. Hinzu kommen Hubschrauber und Flugzeuge für den militärischen Sektor. Die Firma ist damit der größte Hersteller der Welt. Produziert wird in acht Ländern, USA und China eingeschlossen. Was wiederkehrende Krisen nicht ausschließt: Mal passten die zugelieferten Teile nicht zusammen, mal liefen die Kosten aus dem Ruder.

Als Flop erwies sich der A380, ein Gigant der Jumbo-Klasse für gut 530 Passagiere. "Wir haben alles versucht, so Thomas Enders, Vorstandsvorsitzender bis 2019, "die Nachfrage nach der A380 wieder zu beleben."

Airbus A380 (picture alliance / Andrew Matthews)Airbus A380 (picture alliance / Andrew Matthews)Aus für den A380 - "Ein enormer Imageverlust für Airbus"
Als "industriepolitischer Griff nach den Sternen" sei der A380 im Jahr 2005 vorgestellt worden – entsprechend groß sei jetzt Imageverlust durch das Aus des Projekts, sagte Klemens Kindermann aus der Dlf-Wirtschaftsredaktion. Von der Produktionseinstellung könnten bis zu 3.500 Arbeitsplätze betroffen sein.

Vergeblich. Im kommenden Jahr wird die Produktion eingestellt. Die Corona-Krise hat die Luftfahrtbranche voll erwischt. Jetzt soll der militärische Sektor des Unternehmens die Wende bringen: Airbus hofft auf Aufträge für die neue Generation des Kampfflugzeuges "Eurofighter".

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