Medienbericht
Vorwürfe der Vetternwirtschaft: AfD-Spitze greift in Sachsen-Anhalt ein

Einem Medienbericht zufolge hat sich die Bundesspitze in die Vorwürfe der Vetternwirtschaft bei der AfD Sachsen-Anhalt eingeschaltet.

    AfD Logo waehrend des 15. Bundesparteitag der AfD in der Grugahalle am 29. June 2024 in Essen,
    Sachsen-anhaltische AfD-Abgeordnete sollen nach Angaben von Ex-AfD-Generalsekretär Schmidt Reisen falsch abgerechnet und Ehefrauen, Kinder oder Geschwister von Mitgliedern des Landesvorstands beschäftigt haben. (picture alliance / DeFodi Images | Alex Gottschalk)
    Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios soll Bundesvize Gottschalk vor Ort vermitteln. Mitglieder des Landesverbands Sachsen-Anhalt hätten sich zuvor in einem Brief, der der ARD vorliege, an den Bundesvorstand gewandt. Darin heiße es, die größte Gefahr seien derzeit nicht die politischen Gegner, sondern hausgemachte Skandale, Machtkämpfe und öffentlich ausgetragene Vorwürfe. Die AfD-Mitglieder forderten demnach den Bundesvorstand auf, ordnend und befriedend einzugreifen. In knapp sieben Monaten wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. In den Umfragen liegt die AfD vorne. Viele Parteimitglieder hoffen auf die Möglichkeit, alleine regieren zu können.

    Vater von AfD-Spitzenkandidat Siegmund arbeitet laut ZDF für fast 8.000 Euro im Monat bei Bundestagsabgeordneten

    Vor Weihnachten hatte der Landesvorstand der AfD in Sachsen-Anhalt ein Parteiausschlussverfahren gegen den Bundestagsabgeordneten und Ex-Generalsekretär Jan Wenzel Schmidt beschlossen. Zuvor hatte Schmidt Parteikollegen im Land, ohne bisher konkretere Beweise vorzulegen, vorgeworfen, Abrechnungsbetrug begangen und Vetternwirtschaft betrieben zu haben. Laut Schmidt sollen AfD-Abgeordnete Reisen falsch abgerechnet und Ehefrauen, Kinder oder Geschwister von Mitgliedern des Landesvorstands beschäftigt haben.
    Unter anderem arbeitet etwa der Vater des AfD-Spitzenkandidaten Siegmund im Büro des Bundestagsabgeordneten Korell und erhält dafür monatlich 7.725 Euro, wie das ZDF berichtete. Ebenfalls ausgeschlossen werden solle Landesschatzmeister Lieschke, hieß es.

    Siegmund verteidigt Vetternwirtschaft: AfD muss immer Einschleusung von Correctiv-, Titanic- oder Verfassungsschutz-Mitarbeitern befürchten

    Siegmund erklärte, für die AfD sei es schwierig, vertrauenswürdige Beschäftigte zu finden. Man müsse immer befürchten, dass sich Mitarbeiter des Recherchenetzwerks Correctiv, des Satiremagazins Titanic oder des Verfassungsschutzes einschleusten. Das sei ein reales Problem für die Partei.
    Schmidt war von 2022 bis Februar 2025 Generalsekretär der AfD in Sachsen-Anhalt, die vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft wird. Er steht schon seit Monaten in der Kritik. Dabei geht es unter anderem um dubiose Geschäftspraktiken. In der AfD heißt es, Schmidt habe sein Bundestagsmandat ausgenutzt, um privat Geschäftsbeziehungen etwa nach China aufzubauen. Obendrein wird ihm angelastet, Parteimitglieder unter Druck gesetzt zu haben. Schmidt weist sämtliche Vorwürfe zurück. Er könne sie jederzeit, auch in einem möglichen Schiedsgerichtsverfahren, vollständig entkräften, sagte er der dpa.

    AfD-Kreisspitzentreffen heimlich aufgenommen?

    Lieschke wiederum wird vorgeworfen, dass er ein Kreisspitzentreffen, das Anfang Dezember als Videokonferenz stattfand, heimlich aufgenommen und die Audiodatei an Schmidt weitergeleitet haben soll. Lieschke, der auf Platz 20 der AfD-Landesliste bei der Landtagswahl dieses Jahr steht, äußerte sich dazu nicht. Schmidt teilte mit, er habe keine Aufnahme von Lieschke erhalten.
    Lieschke habe sich "nachweislich zumindest in räumlicher Nähe eines strafrechtlich relevanten Audiomitschnitts" befunden, hieß es in der Stellungnahme der AfD am Abend dazu. Bis zum Abschluss der Verfahren werde man keine weitere Stellungnahme abgeben. 
    In Sachsen-Anhalt findet die nächste Landtagswahl am 6. September statt. Die AfD ist in Umfragen mit Abstand stärkste Kraft. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hat als Ziel eine Alleinregierung ausgegeben.
    Diese Nachricht wurde am 10.02.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.