Donnerstag, 26. Mai 2022

Archiv

VW-Abgasskandal
Gesetzesverstöße eher verhindern

Die Folgen für Volkswagen nach den Manipulationen von Abgaswerten sind noch unklar. Der Konzern will aber nach eigenem Bekunden Ähnliches in Zukunft verhindern. Mehr "Compliance" wird gefordert. Zu Deutsch: Künftig will man stärker darauf achten, dass Gesetze und Richtlinien eingehalten werden.

Von Brigitte Scholtes | 09.10.2015

Ein VW-Logo glänzt am 25.09.2015 in der Morgensonne am VW Werk in Wolfsburg.
Bei Volkswagen will man künftig mehr auf die Einhaltung von Gesetzen achten. (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte)
Die Empörung ist groß über die Manipulationen von Volkswagen, das haben die Kongressabgeordneten in Washington den USA-Chef des weltgrößten Autobauers, Michael Horn, deutlich spüren lassen. Auch wenn der sich einsichtig zeigte, den Abgeordneten versicherte, er habe nichts von der Betrugssoftware gewusst bis Anfang September. Und er habe nicht geglaubt, dass so etwas im Volkswagen Konzern möglich sei:´"I did not think that something like this was possible at the Volkswagen Group."
In einem Großunternehmen müsse eigentlich viel mehr Transparenz herrschen, meint Jürgen Pieper, Autoexperte des Bankhauses Metzler:
"Dass hier ein solches Ding über so viel Jahre gelaufen ist, ohne dass es zumindest mal einige entscheidende Personen gewusst haben, das mag man sich nicht so richtig vorstellen."
Mehr Acht auf Verhinderung von Gesetzesverstößen
Horn kündigte gestern unter anderem an, man werde sich künftig stärker um die "Compliance" kümmern, also die Verhinderung von Gesetzesverstößen. So wolle man sicherstellen, dass so etwas nie wieder vorkommen könne:
"We will examine our compliance processes and standards at Volkswagen and adopt measures to make certain that something like this cannot never happen again."
Nach Informationen des Rechercheverbunds von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR soll dazu ein neues Vorstandsressort geschaffen werden und womöglich innerhalb der nächsten zwei bis drei Wochen besetzt werden könnte. Das bestätigt der Wolfsburger Konzern zwar nicht. Aber es wäre vor allem für einen so großen Konzern wie VW eine richtige Entscheidung, glaubt auch Autoexperte Pieper:
"Gerade bei einem so Riesenkonzern kommt das definitiv einfach ein paar Jahre zu spät. Aber ich meine, es ist gut, dass es jetzt passiert. Und ich glaube auch, das ist das Entscheidende. Irgendwann bringt einen ein Rückblick auch nicht mehr weiter, sondern man soll nach vorne schauen, und dann ist es ja auch einfach essentiell wichtig, dass Volkswagen jetzt einen neuen Kurs beschreitet und dass sich verschiedene Dinge auch einfach ändern. Und das ist eines davon. Und ich glaube mit Sicherheit, dass das kommen wird."
Finanzielle Folgen des Skandals unabsehbar
Auch der Münchner Siemens-Konzern hatte während des Schmiergeldskandals vor einigen Jahren einen Rechtsvorstand berufen, der ein Regelwerk für gesetzestreues Verhalten im Unternehmen aufbaute. Bei einem Rechtsvorstand allein sollte man es aber nicht belassen, mahnt der Analyst und rät zu einer größeren Diversität im Management:
"Ich glaube, dass es auch gerade nach einem solchen Vorfall angesagt ist, dass dieses hundertprozentige Ingenieursunternehmen eben auch andere Einflüsse in Zukunft haben wird, dass eben sicherlich Wirtschaftler, Juristen, hier und da auch einmal ein Geisteswissenschaftler, der sich einfach mit gesellschaftlichen Fragen beschäftigt, dass die hier einfach mehr Einfluss haben und dass es nicht einfach ein "inner circle" von Personen ist, die zwar sehr fähig sind, aber sich nicht ausschließlich ihr Kopf nur ausschließlich um technische Fragen und Lösungen dreht. Das ist sicherlich einer der Gründe, glaube ich, die da zu dieser Misere geführt haben."
Diese Misere will der Vorstand zunächst mit technischen Mitteln beheben. Doch auch die finanziellen Schäden scheinen immer größere Ausmaße anzunehmen: Heute wurde bekannt, dass der amerikanische Bundesstaat Texas die Landesgesellschaften von Audi und VW verklagen will wegen des Verstoßes gegen Verbraucherschutz- und Umweltgesetze. Die möglichen finanziellen Schäden schätzen Beobachter bisher auf zwischen 20 und 50 Milliarden Euro. Dass diese noch höhere Ausmaße annehmen, kann man wohl nicht mehr ausschließen.