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StartseiteWirtschaft am MittagWolfsburger trotzen Absatzkrise25.07.2019

VWWolfsburger trotzen Absatzkrise

Während andere Autobauer und Zulieferer ihre Prognosen zurückschrauben müssen, kann die VW-Führungsetage bei ihrer Halbjahresbilanz gute Zahlen vorlegen. Auch für den Wandel hin zur E-Mobilität sehen Analysten den Konzern gut gerüstet.

Von Dietrich Mohaupt

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Das VW-Hochhaus in Wolfsburg (imago stock&people / Michael Gottschalke)
Schlecht für die Umwelt, aber gut für die Bilanz: VW verdient viel Geld mit SUVs. (imago stock&people / Michael Gottschalke)
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Von Flaute keine Spur bei VW: Mehr Umsatz, mehr Gewinn – die Halbjahreszahlen aus Wolfsburg fallen angesichts der allgemeinen Schwäche der Branche deutlich besser aus als von vielen erwartet. Obwohl, so richtig überraschend sei das nicht, betont Analyst Frank Schwope von der NordLB:

"VW war in den letzten Quartalen schon immer relativ ordentlich. Die jetzigen Zahlen sind durchaus stark, gerade auch, wenn man auf die deutschen Konkurrenten blickt, die ja reihenweise sogenannte Gewinnwarnungen veröffentlicht haben. Aber VW profitiert ganz einfach von den modularen Baukästen, immer mehr Fahrzeuge werden darauf ausgerollt." 

VW profitiert von SUV-Trend

… und zwar markenübergreifend. Das trägt mit deutlich messbaren Einspareffekten nicht unwesentlich zu dem guten Konzernergebnis bei. Man habe sich in den ersten sechs Monaten in einem insgesamt abschwächenden Gesamtmarkt sehr gut geschlagen, so fasste es Finanzvorstand Frank Witter am Vormittag bei einer Telefonkonferenz zusammen. Das habe auch viel mit dem anhaltenden SUV-Boom zu tun, so Witter:

"Ende letzten Jahres war unser SUV-Anteil ungefähr bei 25 Prozent. Nur bei 25 Prozent. Zum Ende dieses Geschäftsjahres dürfte er bei ungefähr 35 Prozent gelegen haben und auch in 2020 können wir da vermutlich nochmal fünf Prozent drauflegen."  

Prognose für zweites Halbjahr bestätigt

VW verdient mit den SUV – vor allem aus dem oberen Preissegment – richtig viel Geld. Das hat geholfen, den Umsatz um knapp sieben Prozent und den Betriebsgewinn allein im zweiten Quartal 2018 um fast 30 Prozent zu steigern. Hintergrund für diesen sehr deutlichen Gewinnzuwachs ist natürlich auch, dass VW noch im vergangenen Jahr 1,6 Milliarden Euro im Zusammenhang mit dem Dieselskandal beiseite legen musste – das hatte die Bilanz belastet. Und anders als die heimischen Konkurrenten Daimler und BMW bekräftigte VW heute auch seine Prognose für das kommende Halbjahr. Finanzvorstand Witter ließ bei der Schaltkonferenz keine Zweifel:

"Die sehr soliden Ergebnisse des ersten Halbjahres bilden eine stabile Basis für die nächsten sechs Monate. An unserem Ausblick für den gesamten Volkswagen-Konzern für das Gesamtjahr halten wir daher unverändert fest. Wir erwarten, dass die Umsatzerlöse des Volkswagen-Konzerns sowie der Bereiche PKW und Nutzfahrzeuge um bis zu fünf Prozent über dem Vorjahreswert liegen werden."  

VW für E-Mobilität gut gerüstet

Bei der operativen Rendite rechne man unverändert mit sechseinhalb bis siebeneinhalb Prozent. Allerdings bleibt aus Sicht des Unternehmens abzuwarten, wie sich der Handelskonflikt zwischen den USA und China entwickelt und wie es mit dem Brexit weitergeht. Trotzdem sehe er den VW-Konzern für den weiteren Wandel hin zur Elektromobilität und für die Herausforderungen beim autonomen Fahren prinzipiell gut aufgestellt, betonte NordLB-Analyst Frank Schwope:

"Durch die Gewinne, die der Konzern einfährt, hat man sicherlich auch Milliarden für Investitionen zur Verfügung. Aber man darf natürlich nicht vergessen, dass es deutlich Milliardensummen sind, die für das autonome Fahren, für die Elektromobilität aufgewendet werden müssen. Aber VW hat ja auch in letzter Zeit eine engere Kooperation mit Ford abgeschlossen, weitere Partnerschaften sind nicht ausgeschlossen. Also die Elektromobilität und das autonome Fahren sind teuer – aber sicherlich beherrschbar."  

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