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StartseiteWirtschaft und GesellschaftTelekom und Flugsicherung gründen Droniq29.05.2019

Wachstumsmarkt DrohnenTelekom und Flugsicherung gründen Droniq

Der Transport wichtiger Medikamente oder die Aufnahme eines Unfallortes aus der Luft - noch ist der kommerzielle Einsatz von Drohnen Zukunftsmusik. Ein gemeinsames Unternehmen von Telekom und Deutscher Flugsicherung will die Entwicklung jetzt vorantreiben und an dem Milliardenmarkt mitverdienen.

Von Mischa Ehrhardt

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Eine Lieferdrohne mit dem DHL-Logo. Die erste innerstädtische Drohnen-Lieferroute in China ist am 16.05.2019 in der südchinesischen Metropole Guangzhou in Betrieb gegangen. Zwischen zwei Landestationen bringen die Fluggeräte jeweils bis zu fünf Kilogramm schwere Kisten mit Express-Sendungen. (Courtesy of DHL-Sinotrans & EHan)
In China gibt es seit Mitte Mai bereits die erste innerstädtische DHL-Drohnen-Lieferroute in der südchinesischen Metropole Guangzhou. (Courtesy of DHL-Sinotrans & EHan)
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Ziel des Gemeinschaftsunternehmens von Telekom und Flugsicherung (DFS) ist es, dass Drohnen auch außerhalb der Sichtweite der fernsteuernden Piloten fliegen können, also auf längeren Strecken. Und da bildet vor allem der Aspekt der Sicherheit das Hauptproblem. "Heute ist der Luftraum unsicher, Drohnen fliegen umher. Zukünftig sind sie registriert. Der Pilot meldet sich an, der Flug wird genehmigt und die Drohnen wissen, wer unterwegs ist. Kollisionen werden vermieden, Lufträume, die gesperrt sind, nicht überflogen. Das bringt Sicherheit für den Bürger, aber auch Sicherheit für die gewerblichen Anwendungen. Und das Ganze wird möglich in der Kombination mit der Deutschen Telekom, die ihr Mobilfunknetz im Luftraum zur Verfügung stellt", sagt Telekom-Chef Tim Höttges.

Drohnen-Kontrolle mit Echtzeit-Daten

Es geht also darum, in Echtzeit ein Abbild des Luftraumes zu haben, das alle Flugkörper zeigt, aber auch Flugverbotszonen. Zum einen fließen bei der technologischen Lösung im Gemeinschaftsunternehmen Droniq Daten der Deutschen Flugsicherung ein. Zum anderen sollen Drohnen künftig mit einer technologischen Einheit ausgestattet sein, die über das Netz der Telekom lokalisierbar ist und ihre Bewegungsdaten in Echtzeit in die Plattform überträgt.

Eingesetzt werden können die so gesteuerten und kontrollierten Drohnen dann vermehrt im kommerziellen Bereich, wo viele Unternehmen wie Flugtaxibetreiber, Sicherheitsfirmen oder auch Rettungsdienste schon in den Startlöchern stehen, um künftig ihre unbemannten Flugobjekte aufsteigen lassen zu können. "Das heißt also: Ich gebe dem Drohnen-Steuerer die Sicherheit, dass er weiß, wo die Drohne ist, dass sie sicher wieder zurückkommen wird und dass auch, Daten live übertragen werden können, die man sonst erst auslesen muss, nachdem die Drohne zurückgekehrt ist", sagt der Chef der DFS, Klaus-Dieter Scheurle.

"Droniq" soll über 20 Millionen Umsatz machen

Mit dem Gemeinschaftssystem der Flugsicherung und dem Telekom-Netz will Droniq seine Dienste in Zukunft also an Interessenten verkaufen. In den kommenden drei bis fünf Jahren sollen so die Umsätze des neuen Unternehmens auf über 20 Millionen Euro steigen. Dass Konkurrenten Droniq das Geschäft streitig machen, ist wohl erst einmal nicht zu befürchten. Denn die Deutsche Flugsicherung mit ihrem Monopol in diesem Bereich und die Telekom als Platzhirsch im Betreiben von Mobilfunknetzen haben entscheidende Vorteile auf ihrer Seite. "Man muss sehen, welche Ideen es zu dem Thema sonst noch gibt, die kommen sicherlich nicht genau da ran. Aber auf der anderen Seite gibt es ganz bestimmt auch andere Technologien, um den Standort von Drohnen festzustellen, und die DFS wird sicherlich keine Exklusivität mit der Telekom haben", sagt der Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt.

DFS als Zentralstelle bei länderübergreifenden Genehmigungen

Bis das System aber wirklich auf Langstrecken zum Einsatz kommen kann, dürfte noch einige Zeit vergehen. Denn die Organisation der Luftfahrt ist Ländersache. Die Flugsicherung bietet sich nun an, diese Aufgaben bei sich zu zentralisieren, um Langstreckenflügen für Drohnen den Durchbruch zu ermöglichen. Klaus Dieter Scheurle: "Wenn ich zum Beispiel vom Frankfurter Flughafen eine Blutkonserve an ein Mainzer Krankenhaus schicke, dann müsste ich zwei Landesluftfahrtbehörden beschäftigen. Das alles macht keinen Sinn, und wir stellen uns bereit, hier eine zentrale Genehmigungsstelle sein zu können, auch mithilfe dieser Droniq-Technologie".

Die Technologie soll zuerst am deutschen Markt ausprobiert und eingeführt werden. Dann will das Unternehmen aber auch in andere europäische Länder expandieren.

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