
Özdemir sagte in Hannover, die Grünen seien immer eine Partei des Fortschritts gewesen. Dies müsse man auch zeigen. Özdemir betonte wörtlich: "Wir können Auto, diese Partei kann Auto." Er betonte, die KfZ-Industrie und der Maschinenbau stünden vor einer historischen Bewährungsprobe. Die Politik müsse die Probleme gemeinsam mit der Wirtschaft lösen. Baden-Württemberg ist ein wichtiger Standort der deutschen Autoindustrie.
"Angeschlagenes Sicherheitsgefühl"
Özdemir sprach auch von einem "angeschlagenen Sicherheitsgefühl" der Menschen im Land und betonte wörtlich: "Für Kriminelle gibt's keinen Rabatt - auch keinen Kulturrabatt." Wer die freie Lebensweise abschaffen wolle, sei sein Gegner, egal, woher er komme, so Özdemir.
"Manchmal ärgere ich mich wirklich riesig"
Seine Parteikollegen mahnte er, Wähler gewinne man nicht mit radikalen Sprüchen oder mit Parolen aus dem Wolkenkuckucksheim. Özdemir betonte, seine eigene Partei liege manchmal daneben und nerve. Auch er habe als einstiger Grünen-Chef oft genug daneben gelegen. "Manchmal ärgere ich mich wirklich riesig", räumte er ein. Die Grünen führten Debatten, die viele andere im Land nicht führten und machten sich das Leben schwer. Aber der Streit in der Sache sei es dann doch immer wert gewesen.
"Sehr deutlicher Jubel" für Özdemir
Unsere Hauptstadt-Korrespondentin Gudula Geuther hat den Parteitag beobachtet. Sie betonte im Deutschlandfunk, grundsätzlich sei es zwar klar, dass Spitzenkandidaten vor Landtagswahlen gefeiert würden. Es habe für Özdemir allerdings einen "sehr deutlichen Jubel" gegeben. Das sei insofern erwähnenswert, als er besonders weit vom linken Flügel der Partei entfernt sei. In den Umfragen lägen die Grünen in Baden-Württemberg zwar deutlich hinter der Union, Özdemir sei aber dennoch "sehr präsidial" aufgetreten.
Neue Strukturen für Umgang mit sexueller Belästigung
Der Bundesparteitag der Grünen in Hannover hatte am Freitag begonnen. Heute nahmen die Delegierten neue Strukturen für den Umgang mit sexueller Belästigung in der Partei in ihre Satzung auf. Laut dem Beschluss sollen sowohl Anlauf- als auch Beschwerdestellen eingerichtet werden. Zudem soll eine unabhängige beauftragte Person für eine Dauer von zwei Jahren ernannt und dann auf einem Parteitag bestätigt werden.
Diskussionen bis in die Nacht
Gestern diskutierten die 800 Delegierten bis in die Nacht hinein über den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sowie über eine Wehrpflicht in Deutschland. Dabei sprachen sich die Grünen für eine verpflichtende Musterung junger Männer aus - nicht aber eine Wehrpflicht. Zudem beschlossen sie einen Leitantrag zur Nahostpolitik, in dem sowohl das Existenzrecht Israels als auch das Recht der Palästinenser auf Selbstbestimmung betont wurde.
Diese Nachricht wurde am 30.11.2025 im Programm Deutschlandfunk gesendet.



