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StartseiteSport am WochenendeReindl: "Sport und Politik nicht mehr so strikt trennen"18.09.2021

Wahl im Eishockey-WeltverbandReindl: "Sport und Politik nicht mehr so strikt trennen"

Am 25. September soll der Internationale Eishockeyverband IIHF einen neuen Präsidenten bekommen. Der Schweizer René Fasel tritt nach 27 Jahren ab. Der Deutsche Franz Reindl geht mit vier weiteren Kandidaten ins Rennen um Fasels Nachfolge und erklärt im Dlf seine Ziele für die IIHF.

Franz Reindl im Gespräch mit Marina Schweizer

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Der DEB-Generalsekretär Franz Reindl lächelt am Donnerstag (10.05.2012) in der deutschen Botschaft in Stockholm in Schweden in die Kamera des Fotografen. (picture alliance / dpa / Peter Steffen)
Franz Reindl bewirbt sich als Präsident des Internationalen Eishockeyverbandes (picture alliance / dpa / Peter Steffen)
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Franz Reindl ist Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes und möchte auch im Weltverband IIHF zum Präsidenten gewählt werden. Die IIHF trug in diesem Jahr die Weltmeisterschaft kurzfristig ausschließlich in Lettland aus. Aufgrund der politischen Unruhen in Belarus wurden die dort geplanten Spiele verlegt. Doch die IIHF wurde lange dafür kritisiert, das Turnier überhaupt an Belarus als Co-Gastgeber vergeben zu haben. Auch das Zögern nach der Gewalt gegen die politische Opposition in Belarus fand weltweite Aufmerksamkeit.

Sollte er die Wahl gegen zwei andere Kandidaten gewinnen, wolle er die Kriterien für die Vergabe schärfen, um eine ähnliche Situation in Zukunft zu vermeiden, sagt Reindl im Deutschlandfunk. Konkrete Kriterien will er nicht nennen, das müsse dann das entsprechende Verbandsgremium tun. Reindl sagt:

"Es betrifft nicht nur den Eishockeysport. Es betrifft alle Sportarten. Und wir werden in Zukunft nicht umhinkommen. Sport und Politik so strikt zu trennen, wie wir es bisher im Sport eigentlich gemacht haben – das wird halt nicht mehr möglich sein, weil sich die Zeiten geändert haben."

Das Foto zeigt Flaggen in Riga, darunter die weiß-rot-weiße Flagge, die von der belarussischen Opposition verwendet wird. (dpa-Bildfunk / AP) (dpa-Bildfunk / AP)Fahnen-Streit bei der Eishockey-WM - Eishockey-Weltverband stellt sich auf die Seite von Belarus
Rigas Bürgermeister hatte bei der Eishockey-WM in Lettland die Fahne der belarussischen Opposition gehisst. Belarus wertete das als Affront. Die beiden Länder wiesen gegenseitig Diplomaten aus. Währenddessen ergriff der Eishockey-Weltverband Partei für Belarus – und ließ Verbandsfahnen in Riga abhängen.

Dass der deutsche Verband (DEB) nicht früher eine Weltmeisterschaft in Belarus boykottierte, begründet Reindl mit bestehenden Verträgen: "Da kann doch der Weltverband nicht einseitig agieren oder ein nationaler Verband wie jetzt der deutsche."

Der DEB sei im System, betont Reindl. Er hätte den Verband gefährdet, wenn er zurückgezogen hätte und Verträge gebrochen. Die Weltmeisterschaften sieht Reindl per se als politische Plattform. Es sei nicht seine Aufgabe, das zu bewerten. Er sehe den Sport im Vordergrund.

Digitales, Diversität und Nachhaltigkeit

In einem Manifest schreibt Reindl als eines seiner Ziele für den Internationalen Verband, er wolle kommerzielle und digitale Chancen nutzen. Er plädiert dafür, Möglichkeiten im Daten-Bereich oder Influencer-Bereich selbst auszuschöpfen und nicht anderen zu überlassen.

Die Stärkung des Frauen-Eishockey möchte er vor allem darüber schaffen, mehr Frauen zum spielen zu bewegen: "Weil, wenn es mehr Spielerinnen gibt, wird es auch irgendwann mehr Managerinnen geben oder mehr Positionen im Sport, in den Gremien, die mit Frauen besetzt sind."

Außerdem hat sich Reindl Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben. Ein schwieriger Bereich, weil Eishallen viel Energie verbrauchen und damit in Sachen Klimaschutz Schwierigkeiten bereiten. Und die Erderwärmung sorgt sogar für mehr Bedarf bei den Hallen, weil es auch im Winter weniger zugefrorene Seen oder Freiluftstadien gibt. "Und da gibt es viel zu viele Hallen, die noch auf die alte Energieversorgung bauen. Und die Zukunft ist ja da vorgegeben und neu, und das wird uns einen Vorteil bringen. Aber insgesamt ist es eine absolute Herausforderung, mit der wir leben müssen. Dem müssen wir ins Auge sehen."

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