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StartseiteDlf-MagazinWahlforscher in Aktion19.09.2013

Wahlforscher in Aktion

Eine Umfrage-Korrespondentin bei der Landtagswahl in Bayern

Bei jeder Wahl sitzen die Wahlforscher der Meinungsinstitute in Urnennähe, um eine möglichst präzise Vorhersage treffen zu können. Mit Kugelschreiber und Fragebogen bewaffnet, werden dann die Wähler abgefangen. Die Umfragen ähneln einer eigenen kleinen Wahl.

Von Eleonore Birkenstock

Wenn der erste Zettel weg ist, drückt einem Infratest dimap womöglich noch einen zweiten in die Hand. (Priya Bathe)
Wenn der erste Zettel weg ist, drückt einem Infratest dimap womöglich noch einen zweiten in die Hand. (Priya Bathe)
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Im Wahlkampf-Krisengebiet
Aus neuem grünen Holz geschnitzt

Der Wahlabend um Punkt 18:00 Uhr. ARD-Wahlexperte Jörg Schönenborn präsentiert die Zahlen.

"Hier ist die Prognose von Infratest dimap für die Wahl in Bayern."

Für die vielen Wahlforscher ist um diese Zeit der Großteil der Arbeit erledigt.

Einige Stunden früher – am Vormittag des Wahltags.

"Hallo, guten Tag, darf ich Sie bitten, die Fragen zu beantworten, für die ARD-Wahlprognose …"

Ein langer Gang im Wolfram von Eschenbach-Gymnasium in Schwabach. Hier arbeitet Helga Hechtel als Wahlforscherin. Vor einem Klassenzimmer, das als Wahllokal dient. Grauer Boden, gelbe Wände. An der Wand, ein länglicher Tisch.

"Ich bin seit 7.30 Uhr im Haus. Hab‘ meine Vorbereitungen getroffen. Hab‘ noch mal gefragt, ob ich diese Umfrage im Auftrag von Infratest dimap durchführen darf. Hab‘ den Schreibtisch aufgebaut."

Die 62-Jährige ist eine von 255 Korrespondenten, die für das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap bei der Landtagswahl in Bayern Wähler befragen. Damit die Wahlsendungen am Abend möglichst präzise Hochrechnungen präsentieren können. Helga Hechtels Arbeitsmaterialien liegen auf dem Tisch: ein Stapel Fragebögen, Kugelschreiber, Klemmbretter und ein blauer Papp-Karton, etwa halb so groß wie ein Bierkasten. Die Wahlurne für die Wahlprognose. Erst nachdem die Männer und Frauen gewählt haben, darf die Wahlforscherin sie ansprechen. Wer mitmachen will, bekommt ein blaues Klemmbrett mit dem Fragebogen in die Hand.

"Was muss ich jetzt machen?"

"Einfach, wie Sie vorhin auch angekreuzt haben und dazu noch mit dieser und dieser Frage ..."

Auf dem einseitig bedruckten Papier sollen die Befragten ankreuzen, welcher Partei sie ihre Stimme gegeben haben. Dann noch Angaben zu Alter und Geschlecht. Es gibt aber auch Fragebögen, die beidseitig bedruckt sind. Helga Hechtel nennt sie die langen Fragebögen.

"Der lange Fragebogen besteht aus zwei Seiten. Und hat noch mehrere Fragen zur Vorgeschichte: Schulabschluss, Berufstätigkeit, Konfession. Ob man schon mal gewählt hat. Das war der so genannte lange Fragebogen."

Die Angaben sind anonym und freiwillig. Das Wahlgeheimnis soll auch bei der Umfrage gewahrt bleiben. Auch wenn das so manchem egal ist.

"Ich wähl‘ immer SPD!" - "Sie sollten das vielleicht ein bisschen wegschieben, es soll alles geheim bleiben." - "Ist doch eh egal!" - "Ach du guter Gott."

Junge Familien kommen ins Wahllokal, Rentner, Berufstätige. Egal, welchen Alters, Hauptsache 18. Die meisten füllen bereitwillig die Fragenbögen für das Wahlforschungsinstitut aus. Auch sie wollen um 18 Uhr wissen, wie die Parteien abgeschnitten haben.

"Völlig o. k. – ist interessant, um gleich um 18 Uhr ein Ergebnis zu haben. Auszählung dauert ja schon etwas."

"Erste Info toll: Da macht langes Gesicht, lächelt oder keine Reaktion – gibt’s auch."

"Super, dann falten wir es und stecken es da rein … "

Helga Hechtels Arbeitstag ist in sechs Blöcke eingeteilt. Ein Umfrageblock dauert gut eine Stunde. In dieser Zeit gibt sie so vielen Wählern wie möglich, einen Fragebogen in die Hand. Dann folgt eine Pause. Anschließend beginnt sie wieder mit der Umfrage. In der Pause holt Helga Hechtel die Zettel aus der Box, faltet sie auf, legt sie vor sich auf den Tisch und schreibt oben auf jeden Zettel eine Nummer. Sie nummeriert sie durch. Damit sie keinen Zettel doppelt auswertet.

"Ich zähle die jetzt, und damit man weiß, das ist der 3. Block, schreibe ich da die Zahl drauf. Und damit man weiß – aha dritter Block – schreib ich die Zahlen drauf."

Damit sie die Daten in Ruhe einem Infratest dimap Mitarbeiter durchgeben kann, geht sie zum Ende des Flurs und setzt sich dort an einen Tisch. Per Handy gibt sie die Daten durch:

"Ja hallo hier ist die Helga Hechtel aus Schwabach vom Wolfram Eschenbach Gymnasium."

Damit kein Zuhörer versteht, für welche Parteien die Wähler in Schwabach gestimmt haben, macht Helga Hechtel codierte Durchsagen – Anton, Cäsar sagt sie da, auch verschiedene Zahlen meldet sie.

"Die Zahlen sind codiert durch, der Mitarbeiter gibt sie dann in den Rechner ein. Und so wird die Wahlprognose vorbereitet."

Die Stimm- und Wahlbezirke, in denen Wähler für die ersten Prognosen befragt werden, wählt Infratest dimap nach einem aufwendigen Verfahren aus. In Bayern – aber auch bei der Bundestagswahl am Sonntag. Erst per Zufallsprinzip. Dann nach weiteren Kriterien wie etwa Bevölkerungszusammensetzung und Altersgruppen.

Entscheidend ist auch, dass die ausgewählten Stimmkreise dem Ergebnis der vergangenen Wahl nahekamen. Dass sie gewissermaßen repräsentative Ergebnisse geliefert haben. Am kommenden Sonntag werden bundesweit 640 solcher Bezirke ausgewertet werden. Helga Hechtel ist auch wieder dabei, diesmal nicht in Schwabach. Wieder in einem Ort, nicht weit von Nürnberg. Seit gut 25 Jahren macht sie das schon, trotzdem ist jede Wahl für sie etwas Besonderes.

"Und am Sonntag wird es natürlich noch spannender, wenn es um die allgemein-politische Zukunft geht. Finde ich schon toll, ja."

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